Interview

„Als guter Freund wünsche ich Russland eine große Katastrophe“

Lasha Bakradze in seinem Arbeitszimmer.
Lasha Bakradze in seinem Arbeitszimmer.Jutta Sommerbauer
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Lasha Bakradze leitet das Literaturmuseum in Tiflis. Der georgische Intellektuelle ist dem deutschsprachigen Fernsehpublikum als Pate aus dem Wien-„Tatort“ ein Begriff. Im „Presse“-Interview erklärt er, warum die Demokratie in seiner Heimat bedroht ist, wieso er die russischen Emigranten in Georgien mit Skepsis betrachtet und der Zerfall Russlands eine Chance sein könnte.

Lasha Bakradze kennen viele im deutschsprachigen Raum eher als Beka Datviani. Unter diesem Namen trat er im jüngsten Wien-„Tatort“ auf: als distinguierter georgischer Mafiaboss mit Hornbrille, der den Mord an seinem Bruder mit Hilfe von Moritz Eisner und Bibi Fellner klären will („Azra“, Regie: Dominik Hartl). Was natürlich nicht ohne weiteres Blutvergießen über die Bühne geht.

Die Schauspielerei sei eines seiner „Hobbies“, erklärt Bakradze beim Gespräch im georgischen Literaturmuseum in Tiflis, einem prächtigen, aber in die Jahre gekommenen Gebäude. Wer zu Bakradze will, muss über einen knarzenden Holzboden einen düsteren Gang entlanggehen. Bakradzes Kabinett liegt hinter der letzten Tür rechts. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Bücher und Papiere, von den grün gestrichenen Wänden blicken ehrwürdige Persönlichkeiten herab. In seinem Heimatland ist Bakradze ein bekannter Intellektueller, der den demokratischen Weg seines Landes verteidigt und die georgische Sowjet-Ära kritisch aufarbeitet. „Die Presse“ hat sich mit ihm über die russischen Einwanderer, die autoritäre Wende in Georgien und das historisch belastete Verhältnis zum großen Nachbarn Russland unterhalten. 

Die Presse: Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine sind rund 200.000 russische Emigranten nach Georgien gekommen. Sie sehen deren Präsenz kritisch. Warum?

Lasha Bakradze: Die Russen bleiben unter sich und bauen ihre Strukturen auf. Wir wissen nicht, was sie hier tun. Nicht alle sind politische Flüchtlinge. Es gibt auch Putin-Liebhaber, die gekommen sind, weil sie Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen im sanktionierten Russland haben. Für ein kleines Land wie Georgien ist diese große Anzahl von Russen enorm gefährlich.

Wie sieht es mit der Integration der Zuzügler aus?

Der Großteil ist nicht interessiert an Integration. In früheren Kolonien wie Georgien sind die Russen nicht bereit, ein paar Wörter in der Landessprache zu sagen oder gar Georgisch zu lernen. Sie ärgern sich, wenn man mit ihnen nicht Russisch spricht. Im besten Fall sprechen sie noch Englisch. Es entsteht eine abgeschottete Gesellschaft. 

Es gibt sicher auch Georgier, die von den Emigranten wirtschaftlich profitieren.


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