Andy Warhol hat es mit einer Peniszeichnung (angeblich) vorgemacht, Jeff Koons will ihm folgen – und er ist nicht der einzige Künstler, der seine Werke bald auf den Mond schießen will. Ein Sammler aus Kanada will dort 30.000 Werke ausstellen, auch von Österreichern. Nie war es leichter, Dinge auf den Mond zu bringen. Nur: Warum tut man das?
Stellen Sie sich vor, Sie haben die Chance, ein Kunstwerk zu bestimmen, das auf dem Mond landen wird. Und damit quasi die Menschheit fernab der Erde repräsentieren könnte. Was fänden Sie passend? Andy Warhol schuf dafür, was man auf der Erde vor allem auf Schultafeln und Bubenklos findet: eine Penisstrichzeichnung.
Gut, viel Platz für ausgiebige künstlerische Ergüsse war nicht auf dem 1,9 mal 1,3 cm großen Keramikplättchen, das 1969 angeblich auf dem Mond landete – als gemeinsame Geheimaktion großer Künstler: Robert Rauschenberg trug einen schiefen Strich dazu bei, David Novros ein schwarzes Quadrat, Forrest Myers eine eckige Schleife, John Chamberlain ein kleines geometrisches Muster und Claes Oldenburg eine extrem simplifizierte Mickey Mouse. Ein eingeweihter Nasa-Ingenieur soll das Plättchen für die sechs Künstler auf dem Landemodul der Apollo 12 angebracht haben. Erwiesen ist es nicht: Stimmt die Geschichte, dann wäre dieses „Moon Museum“ das erste Kunstobjekt, das es ins All geschafft hat.
Die Nasa hätte vielleicht nicht unbedingt dieses ausgewählt. Der Idee, Kunst auf Missionen mitzunehmen, konnte sie aber bald einiges abgewinnen: 1971 platzierten Apollo-15-Astronauten eine 8,5 cm hohe Aluminiumskulptur namens „Fallen Astronaut“ vom Belgier Paul Van Hoeydonck auf dem Landeplatz – als Gedenken an verstorbene Raumfahrer. Sie sieht aus wie eine Actionfigur ohne Arme, die da im Staub des Mondbodens liegt.