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VKI-Test: High-Protein-Produkte sind wenig sinnvoll

IMAGO/Zoonar.com/Olga Sergeeva
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Die Mehrheit der Bevölkerung hat gar keinen Protein-Mehrbedarf. Der Verein für Konsumenteninformation kommt zu einem unbefriedigenden Ergebnis.

Der Kauf und Konsum von High-Protein-Produkten, die in Supermärkten und Drogerien angeboten werden und einen aktiveren, fitteren und damit gesünderen Lebenswandel suggerieren, ist oftmals wenig sinnvoll. Zu diesem Schluss kommt der Verein für Konsumenteninformation (VKI), der stichprobenartig Produkte verschiedener Lebensmittelkategorien miteinander verglichen und dabei proteinreiche Lebensmittel herkömmlichen Produkten gegenübergestellt hat.

Während der Preis bei Proteinprodukten durchwegs hoch angesetzt ist, enthalten diese nicht zwingend mehr Eiweiß. So ist der „NÖM Pro Cottage Cheese“ um 55 Prozent teurer als der „Cottage Cheese Schnittlauch“ von Milfina. Er enthält aber weniger Eiweiß als das Vergleichsprodukt (11,8 Gramm gegenüber 13 Gramm pro 100 Gramm). Ähnliches gilt für den Schnittkäse „MINI Babybel High Protein“, der zwar um stolze 46 Prozent teurer ist als der „Milfina Goudina in Scheiben“ - der Eiweißgehalt ist aber niedriger (25 Gramm gegenüber 30 Gramm pro 100 Gramm). Auch die Milchalternative „Joya & Dream Mandel Protein“ enthält trotz Sojabohnen-Zusatz weniger Protein als der reguläre „Sojadrink Natur“ von Alnatura (3,2 Gramm versus 3,6 Gramm pro 100 Milliliter).

Wer glaubt, High-Protein-Produkte würden jedenfalls weniger Kalorien als normale Lebensmittel enthalten, irrt in vielen Fällen. So enthält das - um 166 Prozent teurere - „Spar Natur pur Bio-Eiweißbrot“ zwar tatsächlich mehr Eiweiß als das „Spar Natur pur Bio-Roggen-Vollkornbrot“, allerdings nimmt man damit auch mehr Kilokalorien auf (208 kcal gegenüber 188 kcal pro 100 Gramm). Das Eiweißbrot enthält zudem mehr Fett (6,1 Gramm versus 1,1 Gramm pro 100 Gramm). Auch das „Billa Protein Naturjoghurt“ enthält mehr Kalorien als beispielsweise das „Clever Joghurt Natur 0,1%“ (51 kcal versus 40 kcal pro 100 Gramm).

Zusätze oft kalorienreicher

„Um Lebensmittel wie etwa Brot proteinreicher zu machen, werden oft Weizeneiweiß, Molkepulver oder Leinsamen beigemischt“, berichtetet Teresa Bauer, Ernährungsexpertin beim VKI. Diese Zusätze würden Produkte zwar kohlenhydratärmer machen, „der Zusatz von Ölsamen das Brot aber auch fett- und kalorienreicher.“

Wie bereits eine Erhebung des VKI zu Proteindrinks und -riegel im Jahr 2019 gezeigt hat, können High-Protein-Produkte viel Zucker enthalten. Doch auch die Menge an zugesetzten Süßungsmitteln und anderen Zusatzstoffen kann beträchtlich sein: So beinhaltet das High-Protein-Eis „Frozen Power Salted Caramel“ insgesamt 14 Zusatzstoffe bzw. Aromen, davon fünf unterschiedliche Süßungsmittel. Der Proteinriegel „Foodspring Soft Caramel“ weist sieben Zusatzstoffe, darunter zwei Süßungsmittel auf. Auch Aromen werden mehrmals in der Zutatenliste genannt. Und auch im Protein-Kakaogetränk „Chiefs Choco Mountain“ sind fünf Zusatzstoffe bzw. Aromen zu finden, während der um 141 Prozent günstigere „Schärdinger Schoko Drink leicht“ gänzlich ohne Zusatzstoffe auskommt.

Der High-Protein-Hype ist insofern bemerkenswert, als die Mehrheit der Bevölkerung mit Protein überversorgt ist und gar keinen Mehrbedarf hätte. Laut dem Österreichischen Ernährungsbericht 2017 nehmen Frauen und Männer in Österreich im Durchschnitt sogar zu viel Protein zu sich. Die empfohlene Zufuhr von Protein für gesunde normalgewichtige Erwachsene liegt bei rund 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Das gilt auch für Personen, die regelmäßig Sport treiben. „Für ältere Menschen, Leistungssportlerinnen und -sportler oder Personen, die unter bestimmten Erkrankungen leiden, kann eine höhere Proteinzufuhr notwendig sein. Im Regelfall ist die Mehrheit der Bevölkerung aber überversorgt“, meint Bauer. Umgekehrt könne eine deutlich erhöhte Proteinzufuhr bei Personen, die unter eingeschränkter Nierenfunktion leiden, zu einer weiteren Ver­schlechterung führen. „Ab einer Proteinzufuhr von zwei Gramm pro Kilogramm Körpergewicht können auch bei gesunden Menschen negative Auswirkungen auf die Nierenfunktion nicht ausgeschlossen werden“, warnt die VKI-Expertin. (APA)

>> Mehr Infos: www.konsument.at

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