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G20-Treffen: Währungsstreit um Euro

Symbolbild(c) Erwin Wodicka wodicka aon.at Erwin Wodicka
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Die Industriestaaten sind in der Währungspolitik und beim Schuldenabbau von einer gemeinsamen Linie weit entfernt. Erstmals tagen die G20-Vertreter am Freitag und Samstag unter russischer Präsidentschaft.

Moskau/Berlin/Reuters. Eigentlich geht es beim zweitägigen Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 größten Industrienationen (G20) in Moskau, das am Freitag begann, um die Lage der Weltwirtschaft und den Schuldenabbau. Neben den sogenannten Toronto-Zielen (Halbierung der Defizite bis 2013 und Stabilisierung der Schulden bis 2016) wird aber vor allem die Währungspolitik für Auseinandersetzungen sorgen.

Die Debatte über einen Abwertungswettlauf hatte an Fahrt gewonnen, da Japan mit einer Geldschwemme eine Talfahrt seiner Landeswährung angekurbelt und damit die Wettbewerbschancen seiner Unternehmen im Ausland verbessert hatte. Die Weltbank hat mit Blick auf die Gefahr, dass andere Staaten nachziehen könnten, vor einem heraufziehenden „Währungskrieg“ gewarnt.

Nur ein zahmes Kommuniqué

Unter diesem Eindruck gaben die G7-Staaten eine Erklärung ab, in der sie sich für marktorientierte und gegen staatlich gesteuerte Wechselkurse aussprachen. Mit Spannung wird nun erwartet, ob sich die erweiterte Runde der G20-Länder anschließt. Während sich Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble zuversichtlich zeigte, dass es ein klares Bekenntnis  zu marktorientierten Wechselkursen geben werde, hieß es in Kreisen der Staatengruppe, eine gesonderte Erklärung zu dem Thema werde es nicht geben. In einem geplanten Kommuniqué werde aus Rücksicht auf China die Wortwahl etwas moderater ausfallen.

EZB-Chef Mario Draghi hat kurz vor dem Treffen die Warnungen vor einem Währungskrieg als überzogen angeprangert. Diese Diskussion sei „unangemessen, fruchtlos und selbstzerstörerisch“, sagte er. Draghi hatte aber in der vergangenen Woche mit seiner Aussage, dass die Aufwertung des Euro ein Abwärtsrisiko für die Inflation darstelle, den Eurokurs belastet.

„Euro ist nicht überbewertet“

Jetzt erhielt Draghi Unterstützung von Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Die EZB wird den Wechselkurs nicht manipulieren oder die Geldpolitik unmittelbar an den Wechselkursen ausrichten“, sagte Weidmann am Freitag in Bloomberg TV. „Ich glaube nicht, dass Mario Draghi mit seinen Aussagen den Euro hoch oder runter reden wollte.“ Weidmann hält den Euro nicht für überbewertet. Der Kurs der europäischen Währung entspreche weitgehend den Fundamentaldaten.

Erstmals tagen die G20-Vertreter am Freitag und Samstag unter russischer Präsidentschaft. Der Gastgeber, Russlands Präsident Wladimir Putin, versicherte in der Währungsdebatte, man wolle Japan nicht auf die Anklagebank setzen. Vize-Finanzminister Sergej Stortschak räumte zwar ein, dass sich die Gespräche darüber schwierig gestalteten. „Es gibt keinen Abwertungswettlauf, es gibt keinen Währungskrieg“, beruhigte Stortschak jedoch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2013)