S&P: Risken in Osteuropa gestiegen

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In der Schuldenkrise gebe es zwar eine Stabilisierung, sagt der Analyst der US-Ratingagentur Standard & Poor's Alois Strasser. In Osteuropa sei das Risiko für österreichische Banken allerdings leicht angestiegen.

Wien. Das Osteuropa-Risiko der heimischen Banken ist für die US-Ratingagentur Standard & Poor's seit jeher ein schwarzer Punkt in Österreichs Bilanz. So war das Risiko auch ein entscheidender Grund für die Aberkennung des AAA Österreichs im Jänner 2012. Und dieses Risiko hat sich zuletzt wieder erhöht, sagt der für Österreich zuständige S&P-Analyst Alois Strasser im Gespräch mit der „Presse“. „Die Kreditqualität in Osteuropa ist schlechter geworden. Dadurch gibt es auch in unseren Stresstests minimale Verschlechterungen bei österreichischen Banken“, so Strasser.

S&P geht daher davon aus, dass die Banken ihre Eigenkapitalquote weiter erhöhen werden. Die Ratingagentur legt bei ihren Tests nämlich strengere Kriterien für das sogenannte harte Kernkapital als die Europäische Bankenaufsicht EBA an. Letztere schreibt eine Mindestquote von neun Prozent vor, die von den heimischen Großbanken auch erfüllt wird. Bei S&P kommen Erste Group, Raiffeisen und Bank Austria hingegen nur auf eine Quote von rund sechs Prozent. Grund dafür ist, dass etwa das staatliche Partizipationskapital nicht eingerechnet wird.

„Darf kein Abweichen geben“

In der europäischen Schuldenkrise sehen die Bonitätswächter eine „grundsätzliche wirtschaftliche Stabilisierung“. Und auch fiskalpolitisch seien die meisten Länder – darunter Österreich – „auf Kurs“. Wie berichtet wurde deshalb Ende Jänner auch der Ausblick der Alpenrepublik von „Negativ“ auf „Stabil“ angehoben „Es darf jedoch kein Abweichen vom Konsolidierungskurs geben“, sagt Strasser.

Ab dem kommenden Jahr wird es dann auch keine Überraschung mehr sein, wann S&P sein Rating-Update veröffentlicht. Denn ab April soll die neue EU-Regulierung für Ratingagenturen in Kraft treten, die unter anderem vorschreibt, dass Anfang des Jahres ein Kalender mit fixen Terminen veröffentlicht werden muss. Die Staatenratings dürfen dann auch nur zweimal im Jahr an Freitagabenden nach Börsenschluss veröffentlicht werden. Strasser: „Wir werden uns natürlich daran halten. Ob bekannte fixe Termine wirklich im Vorfeld zu einer Beruhigung an den Börsen führen, ist fraglich.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2013)

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