Gregor Schlierenzauer gilt als einziger Medaillentipp bei der WM in Val di Fiemme. Bei Springern, Kombinierern und Langläufern sind die Erfolgschancen fraglich. Sieben Goldene wie in Oslo 2011 sind Utopie.
Predazzo. Nach der WM ist vor der WM und da es die Terminplanung des Weltverbandes FIS so will, folgt drei Tage nach dem Ende der Alpin-WM der Startschuss zu den nordischen Weltspielen. Ab Mittwoch messen sich Langläufer, Kombinierer und Skispringer zum dritten Mal nach 1991 und 2003 in Val di Fiemme. Österreichs Auswahl will sich auf den Schanzen in Predazzo und den Loipen in Lago di Tesero behaupten.
Dass der ÖSV-Erfolg von Oslo 2011 mit sieben Titeln und zehn Medaillen wiederholt werden kann, ist Wunschdenken. Auch in puncto Begeisterung liegen Welten zwischen Norwegen und Norditalien. Zum Holmenkollen strömten die Massen, im Trentino waren 2003 kaum Fans zu entdecken. Nach einer turbulenten Skisprungsaison dreht sich das Geschehen um Gregor Schlierenzauer. Der Tiroler, 23, ist Titelverteidiger auf der Großschanze, der Tourneesieger hat acht Saisonsiege zu Buche stehen und ist der einzige ÖSV-Springer, hinter dem kein Fragezeichen steht. Thomas Morgenstern und Andreas Kofler mussten aufgrund extremer Formtiefs lange pausieren. Wolfgang Loitzl ist zu schwach, Youngster Stefan Kraft ein „Jolly Joker“. Doch ihre Form ist beim Teambewerb oder der Mixed-Premiere entscheidend. Daniela Iraschko wäre eine Medaillen-Bank gewesen, die Titelverteidigerin fehlt verletzungsbedingt.
Das bange Warten auf Leistung
Bei den Kombinierern macht sich nach Siegen von Bernhard Gruber und Christoph Bieler Aufbruchstimmung bemerkbar. Auch Mario Stecher meldet sich nach seiner Knieverletzung wieder fit. Doch wie bei den Springern hängt ihr Auftritt von der Tagesform ab und den Gegnern, die in beiden Sparten vorwiegend aus Deutschland und Norwegen kommen.
1991 eroberten die Springer zweimal Gold (Team, Einzel), 2003 sorgten die Kombinierer rund um Felix Gottwald (Gold mit dem Team; Silber, Bronze) für die einzige Medaillenausbeute des ÖSV.
Im Langlaufsektor wird Wert auf Aufbauarbeit gelegt. Nach der Razzia in Turin 2006 ist „eine ganze Generation weggebrochen“, sagt Sportdirektor Markus Gandler, „seitdem bauen wir Talente auf – ein paar haben wir!“ Leistung soll Johannes Dürr, 24, liefern. Im Rahmen der Tour de Ski wurde er in Lago di Tesero Vierter, bei der Generalprobe in Davis über 15 km Skating Achter. Gandler: „Man darf ihn nicht überfordern. Bei einer WM geht es härter, noch schneller zu. Top-Platz ja, Medaille nein.“
Ihr WM-Debüt gibt Teresa Stadlober, die Tochter von Alois Stadlober. Die 19-Jährige soll WM-Luft schnuppern. Primärziel ist aber, die Streitigkeiten zwischen Stadlober senior und dem ÖSV in puncto Trainingsumfänge beizulegen und seine Tochter wieder in den ÖSV zu integrieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2013)