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Franz Suess: Eine Liebeserklärung an Ottakring

Franz Suess(c) Clemens Fabry
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Der gebürtige Linzer Franz Suess lebt und arbeitet seit fünf Jahren als bildender Künstler in Ottakring. Jetzt hat er „seinem“ Bezirk seinen neuen Graphic Novel „1160, Ottakring“ gewidmet.

Als „pessimistischen Humor oder humorvollen Pessimismus“ bezeichnet Franz Suess die Bildsprache seiner neuen Graphic Novel „1160, Ottakring“. Darin skizziert der gebürtige Linzer, der seit zehn Jahren in Wien lebt, vier Tage im Leben eines Mannes in Ottakring. Vier Samstage, an denen der namenlose „Held“ viel Zeit und keine Verpflichtungen hat. Er kauft ein, geht spazieren, fährt Rad und sieht fern. Ganz gewöhnliche Tage und Nächte also.

„Ursprünglich wollte ich in dem Comic nur eine Person einen Tag lang begleiten – und zwar an einem Tag, an dem nichts passiert, jedenfalls nichts Bedeutendes“, sagt Suess. „Aus einem wurden dann vier – vier Tage in vier Jahreszeiten.“ Dieser Wandel der Jahreszeiten ist auch die einzige offensichtliche Veränderung in der Geschichte, die sich um Wahrnehmungen dreht – als Reaktion auf Begegnungen im 16. Bezirk. Wahrnehmungen, die teilweise auf Erzählungen von Freunden, hauptsächlich aber auf persönlichen Erlebnissen der vergangenen fünf Jahre beruhen, in denen Suess als bildender Künstler in Ottakring lebt und arbeitet.

„Den 16. kenne ich in- und auswendig, verbringe die allermeiste Zeit hier. Daher war es für mich naheliegend, diese Umgebung als einzigen Schauplatz zu verwenden“, so der 50-Jährige. Im Mittelpunkt stehe zum einen die objektive Beschreibung seiner unmittelbaren Nachbarschaft. „Und zum anderen das subjektiv aufgeladene, oft übersteigerte Porträt von Plätzen und Orten, die die Menschen je nach Jahreszeit unterschiedlich nutzen – wie beispielsweise den Brunnenmarkt, den Yppenplatz, das Ottakringer Bad oder die Jubiläumswarte.“

Die Leidenschaft fürs Zeichnen entdeckte Suess während seiner Zeit in der Akademie für Ergotherapie, in der er seit 1998 Grafisches Gestalten unterrichtet. „Ausschlaggebend war die Kurzgeschichte einer ehemaligen Schülerin von mir. Sie hat mir so gefallen, dass ich sie unbedingt illustrieren wollte“, erzählt Suess. So habe er angefangen, sich für Texte in Kombination mit Bildern zu interessieren und eigene Geschichten zu entwickeln, „was mir in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist“. Zuvor studierte er an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Malerei und Grafik und besuchte die Meisterklasse für Keramik – „mit Ausflügen in die Bildhauerei und der Werkstatt für Fotografik“. Es folgten Postkarten-Comics und zahlreiche Beiträge – Comics, Fotos und satirische Collagen – für „Raketa“, ein partizipatives Internet-Zeitungsprojekt für Satire und Kunst.

Bei einer Veranstaltung von „Comics-gegen-rechts“ im Jahr 2010 – einem 24h-Stunden-Zeichnen – habe er erstmals den Wunsch verspürt, eine größere Comic-Arbeit zu zeichnen. Fast gleichzeitig absolvierte er einen Zeichenkurs in der Zeichenfabrik bei André Breinbauer. Suess: „Er machte mir klar, welcher Aufwand für Comics erforderlich ist.“ Früher habe er vor allem schnell gearbeitet, was auf Kosten der Details und Intensität gegangen sei.

„Ein zweites, größeres Comic-Projekt habe ich bereits in Arbeit“, sagt Suess, der die mangelnde Wertschätzung dieser Kunstform in Österreich beklagt. Tatsächlich gibt es nur eine nennenswerte Auszeichnung in der Kategorie Karikatur und Comics – den Outstanding Artist Award, verliehen seit 2008 vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst. Und auch dieser Preis wird nur alle zwei Jahre vergeben, nicht jährlich wie in allen anderen künstlerischen Bereichen.

Weitere Informationen zu „1160, Ottakring“ unter: www.franzsuess.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2013)