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Spionageskandal: Mikrofone im Blumenstrauß

c Dapd Oliver Lang
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Ein Detektivbüro in Barcelona hat jahrelang prominente Politiker abgehört und heikle Informationen für politische Gegner aufbereitet. Über die Auftraggeber hüllen sich die professionellen Spitzel in Schweigen.

Madrid. Jahrelang sollen in Spanien hohe Politiker verschiedener politischer Parteien durch ein bekanntes privates Detektivbüro ausspioniert worden sein. Auftraggeber der illegalen Schnüffelei waren offenbar politische Gegner, die Munition für einen „schmutzigen Krieg“ suchten. Die führenden Köpfe der Detektei im nordspanischen Barcelona wurden inzwischen festgenommen. Nun sucht die Polizei die Auftraggeber der unerlaubten Abhöraktionen. Bei ihren Ermittlungen stießen die Beamten auf eine Mauer des Schweigens und auf ein undurchsichtiges Netz aus politischen Intrigen, Lügen und Korruption.

Bisher weiß man nur, dass die Privatdetektive des prominenten Büros „Metodo 3“ renommierte Kunden hatten und in prominenten Kriminalfällen ermittelten. Und dass die Schnüffler tausende Dossiers zusammengetragen haben, in denen es nicht nur um untreue Ehepartner und private Vorlieben geht, sondern auch um Bestechlichkeit und andere Delikte, die für die Betroffenen peinlich werden könnten. Politische Parteien, der FC Barcelona und Unternehmen gehörten zu den Kunden der Agentur, die sich auf ihrer Homepage rühmt, die „Nummer eins im Land“ zu sein.

Der Skandal kam ins Rollen, nachdem ein abgehörtes Gespräch auftauchte, in dem ein Sohn der bekanntesten Politikerfamilie Kataloniens der Korruption beschuldigt wurde. In der Unterhaltung in einem Restaurant berichtete eine enttäuschte Liebhaberin, dass ihr Exfreund, Sprössling des langjährigen katalanischen Regierungschefs Jordi Pujol, mit Rucksäcken „voller 500-Euro-Geldscheine“ ins Steuerparadies Andorra gefahren sei. Gegenüber am Restauranttisch saß der politische Feind – die konservative Alicia Sanchez-Camacho. Sie ist Parteichefin der Konservativen in Katalonien und härteste Gegnerin der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung, die von der Pujol-Partei CiU angeführt wird.

 

„Überschwemmung im Archiv“

Es war vermutlich kein Zufall, dass im Blumenstrauß auf dem Esstisch ein Mikrofon versteckt war, von dem Sanchez-Camacho „nichts gewusst“ haben will. Und es war wohl auch nicht zufällig, dass dieses kompromittierende Gespräch ausgerechnet im katalanischen Wahlkampf im vergangenen Herbst bekannt wurde, in dem die CiU des Pujol-Clans für die Unabhängigkeit Kataloniens trommelte. Die Chefs von „Metodo 3“ können sich merkwürdigerweise nicht mehr daran erinnern, wer sie für diese illegale Abhöraktion bezahlt hat die schon im Sommer 2010 stattgefunden hat. Leider, erklärten sie nun, sei das Auftragsbuch „bei einer Überschwemmung“ im Büroarchiv vernichtet worden.

Unbestätigten Berichten zufolge soll es zum Beispiel ein Geheimdossier zum sozialdemokratischen EU-Kommissar Joaquin Almunia geben. Auch vom früheren sozialdemokratischen Spitzenmann in Katalonien, José Montilla. Mehrere Vertreter der katalanischen Abspaltungsparteien CiU und ERC seien ebenfalls betroffen. Zudem soll es über prominente Konservative Material geben. Niemand weiß derzeit, welche Bomben in den Dossiers schlummern, doch das Misstrauen und die Angst vor weiteren Enthüllungen sind groß.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2013)