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Eine Drohne für alle Fälle: Markt für unbemannte Fluggeräte wächst rapide

(c) AP (Volker Wiciok)
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In vielen Ländern werden ferngesteuerte Flugmaschinen für militärische Zwecke genutzt. Es gibt aber auch zahllose zivile Anwendungen, etwa für die Wissenschaft und die Filmbranche.

Wien. Was macht eine Drohne zur Drohne? Ursprünglich die Bezeichnung der männlichen Biene, ist der Begriff in den letzten Jahren zum Synonym für unbemannte, meist hubschrauber- und flugzeugartige Fluggeräte vielerlei Typs geworden, auf Englisch „Unmanned Aerial Vehicles“ (UAV). Bekannt sind Drohnen vor allem dank militärischer Modelle wie des „Predator“ der USA, (s. Geschichte unten), aber auch Israel, Frankreich, Deutschland oder China bauen primär militärisch genutzte Drohnen – solche fliegen übrigens in mehr als 75 Staaten, in der Regel unbewaffnet für Aufklärungszwecke.

Es gibt auch viele zivile Anwendungen, vom Spielzeug bis zur Forschung. Sehr bekannt und beliebt ist etwa die „AR.Drone“ des französischen Herstellers „Parrot“ (Bild). Sie hat vier Rotoren (daher die Bezeichnung Quadrocopter oder Quadrotor) und wird per Smartphone gesteuert. Integrierte Kameras ermöglichen eine Steuerung auch, wenn kein Sichtkontakt besteht.

Auch an UAVs ohne menschliche Kontrolle wird gebastelt. Die ETH Zürich ließ etwa ihre autarken Flugroboter miteinander Lufttennis spielen. Aber auch an der TU Wien sind Drohnen seit Jahren aktuell, wie auch mehrere Diplomarbeiten, die von den Fluggeräten handeln oder mithilfe derselben durchgeführt wurden, belegen.

 

Bedarf steigt stark an

Und die Anwendungen weiten sich aus: Ein Arbeitspapier der EU-Kommission stellt zwar fest, dass die meisten Drohnen derzeit militärisch genutzt werden – allerdings sollen sich rund 400 zivile Bereiche für Drohnen auftun, innerhalb der nächsten zehn Jahre sollen (inkl. der militärischen) etwa 35.000 Stück weltweit produziert werden.

Zum Beobachten gefährlicher Umgebungen, etwa nach Katastrophen, taugen militärische wie nicht militärische Drohnen, auch Polizeiorganisationen haben Interesse an UAVs, da sie sich als Überwachungsgeräte eignen, was Bürgerrechtlern sauer aufstößt: „Wir brauchen Klarheit und Transparenz darüber, wann und wie sie eingesetzt werden“, fordert Eric King von Privacy International. Zusammen mit Gesichtserkennung und hochauflösenden Kameras könnten Drohnen einen „Überwachungsstaat“ begründen.

Noch kann man die unbemannten Flieger, insbesondere Quadrocopter, gut sehen und hören, wenn sie in niedrigen Höhen fliegen. Es gibt aber eine zunehmende Miniaturisierung, und dabei ist, wenig überraschend, der militärische Bereich sehr aktiv. Britische Soldaten werden bereits von „Black Hornets“ unterstützt, Minihubschraubern, die nur zehn mal 2,5 Zentimeter groß sind und 16 Gramm wiegen. Patrouillen können sich damit einen besseren Überblick verschaffen. 160 Stück der in Norwegen entwickelten Drohne sollen eingesetzt werden; das ist der britischen Armee umgerechnet 23 Millionen Euro wert.

 

Lenkhubschrauber aus Österreich

Auch die Unterhaltungsindustrie hat UAVs für sich entdeckt. So wurde fürs Drehen des Fantasy-Films „Der Hobbit“ von Regisseur Peter Jackson die Drohne „OM-Copter“ eingesetzt. Sie hat acht Rotoren, um einen sehr stabilen Flug zu ermöglichen.

Bekanntheit haben auch die „Camcopters“ des Wiener Herstellers „Schiebel“ erlangt, ferngesteuerte Hubschrauber, die unter anderem auch von Streitkräften mehrerer Staaten benutzt werden. Öffentlich werden sie als reine Aufklärer beworben; auf Rüstungsmessen sah man sie aber schon mit leichten, in Großbritannien entwickelten Raketen „LLM“ des „Thales“-Konzerns.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2013)