Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Deutschdefizite: Vorschule scheint fix

(C) (Clemens Fabry)
  • Drucken

Erste Details zum Maßnahmenpapier des Unterrichtsministeriums: An jeder Schule soll entschieden werden, ob Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen eingeschult werden oder die Vorschule besuchen sollen.

Wien. Noch zu Jahresbeginn sorgten die „Ghettoklassen“ für Aufregung innerhalb der rot-schwarzen Koalition – nun steht fest, wie die neue Sprachförderung für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen tatsächlich aussehen soll. Der „Presse“ sind bereits erste Details des Konzepts bekannt, das offiziell erst Mitte März präsentiert werden soll. Mit den Empfehlungen ihrer Arbeitsgruppe dürfte sich Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ein Stück weit an manche Forderungen von ÖVP-Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz annähern – Stichwort Vorschule. Die Neuerungen im Überblick.


•Die Vorschulklassen: Zu Jahresbeginn lehnte die Unterrichtsministerin Kurz' Forderung, Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen nicht einzuschulen und in Vorschulklassen zu unterrichten, noch ab und sprach von „Ghettoklassen“. Etwas später zeigte sie sich schon weniger abgeneigt. Nun steht fest: Jene Kinder, die nicht gut genug Deutsch sprechen, können künftig tatsächlich, statt regulär in die erste Klasse, in eine Vorschulklasse geschickt werden.

Geregelt werden soll das aber flexibel: Die Entscheidung darüber, ob ein Kind eine Vorschulklasse besuchen muss, soll an den einzelnen Schulstandorten getroffen werden. Die Arbeitsgruppe empfiehlt, den Schulen hier mehr Verantwortung zu geben. So will man den unterschiedlichen Bedingungen von Stadt und Land gerecht werden.

Gibt es an einem Standort viele Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen, ist eine Vorschulklasse sinnvoll. Handelt es sich nur um einzelne Schüler, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, können diese innerhalb des normalen Klassenverbands gefördert werden. Für die ersten beiden Volksschulklassen haben sie dann drei Jahre Zeit. Während dieser drei Jahre bekommen sie gezielte Sprachförderkurse. Auch diese Kurse könnten aber eventuell außerhalb des Klassenverbandes stattfinden.

Eine Gesetzesänderung – wie von Kurz mehrfach vehement gefordert – brauche es für die Umsetzung dieser Empfehlungen nicht. Denn laut Schulpflichtgesetz sei ein Kind dann schulreif, „wenn angenommen werden kann, dass es dem Unterricht in der ersten Schulstufe zu folgen vermag, ohne körperlich oder geistig überfordert zu werden“. Schlechte Deutschkenntnisse sind demnach Grund genug, ein Kind nicht einzuschulen, so zumindest die Interpretation der Arbeitsgruppe.


•Die Schulreife: Künftig sollen die Kindergärten ein Mitspracherecht bei der Einschulung erhalten, so die Empfehlung der Experten, die den Maßnahmenkatalog erstellt haben. Hintergedanke: Die Kindergartenpädagogen wüssten am besten über Fähigkeiten und Begabungen – und auch Defizite – der Kinder Bescheid. Auch die Eltern sollen stärker eingebunden werden. Bislang entscheidet allein die Schule über die Schulreife.


•Die Modellprojekte: Ab kommendem Herbst sollen an Schulstandorten mit vielen Kindern mit Deutsch-Förderbedarf Projekte zur Sprachförderung erprobt werden. Anhand dieser Pilotversuche soll herausgefunden werden, welche Maßnahmen tatsächlich greifen. Die Pädagogischen Hochschulen (PH) sollen diese Projekte wissenschaftlich begleiten und eng mit den Praxisvolksschulen und den Bildungsanstalten für Kindergartenforschung (BAKIP) zusammenarbeiten.

Die Sprachförderung sorgte schon zu Jahresbeginn für Aufregung. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) forderte, dass Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen nicht eingeschult, sondern in Vorschulklassen geschickt werden. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) lehnte das zunächst ab und sprach in diesem Zusammenhang von „Ghettoklassen“. Migranten dürften nicht in eigene Klassen geschickt werden. Bald darauf änderte Schmied aber ihre Meinung und ließ anklingen, dass sie sich regional unterschiedliche Lösungen vorstellen könne. Sie beauftragte eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung eines Maßnahmenprogramms für die Sprachförderung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2013)