Ich schreibe diese Kolumne an meinem Schreibtisch zu Hause. Telearbeit nennt man das. Zum Glück hat keiner was dagegen.
Hat doch die neue Yahoo-Chefin ein Machtwort gesprochen. Hat sie doch gesagt, dass jetzt Schluss sei mit dem Schlendrian, damit, dass das linke Büro nicht weiß, was das rechte macht und keiner den Überblick hat, wer wofür zuständig ist – ab jetzt ist bei Yahoo Schluss mit Telearbeit. Alle wieder zurück in die Zentrale, an die Schaltstelle der Macht, in den Bienenstock.
Ich schreibe diese Kolumne von zu Hause aus. Die Große ist mit einem „Warum hast du mir nicht gesagt, dass es schon so spät ist“ Richtung Schule gestürmt, die Kleine hat mir ein Bussi durchs Stiegenhaus geschickt, jetzt sitze ich am Schreibtisch und wo ich diese Zeile hier schreibe, habe ich mir gerade einen Kaffee geholt: Kaffee in meinem höchstpersönlichen Häferl, und das kommt ganz ohne die Aufschrift „Hände weg, diese Tasse gehört mir“ aus. Ich kann Bürowitze auf Bürohäferln nicht leiden.
Der Haushalt erledigt sich nebenbei. Aber das ist nicht der gravierendste Nachteil eines Büros. Im Büro will X wissen, ob ich zur Pressekonferenz komme und Y fragt nach, ob ich das Mail erhalten habe, und die PR-Agentur Z weiß nicht, wie man „Sinkovicz“ buchstabiert. Zu Hause ruft nur meine Schwester an, und wenn ich sage: „Ich kann nicht sprechen, ich schreibe“, legt sie auf und erzählt nicht herum, ich sei unleidlich.
„Hast du meinen Anzug gesehen?“, fragt mein Mann.
Wo Sie das hier lesen, habe ich übrigens gerade die Geschirrspülmaschine ausgeräumt und anschließend in den Text weiter oben das Häferl eingebaut – die Tasse stammt also aus der Nach-Geschirrspüler-Zeit, ich hoffe, das ist nicht verwirrend. Das Lästige am Schreiben ist ja nicht das Schreiben an sich, sondern das Nichtschreiben, also die Zeit im kreativen Loch. In der Redaktion hole ich mir ein Cola und glaube dann, das Koffein hätte mich munter gemacht, dabei war es der Gang zum Automaten. Zu Hause erledigt sich im kreativen Loch der Haushalt, weshalb ich jetzt außerdem noch die Socken der Kinder vom Boden zusammenklaube (beide entledigen sich bei erstbester Gelegenheit ihrer Socken – als wären es Krawatten oder Stöckelschuhe).
Hannah ist zurück. Und da sieht man auch gleich den Nachteil der Telearbeit, denn wo ich das jetzt niederschreibe, klingelt es an der Türe und Hannah ist von der Schule zurück. Ich habe nämlich beim Socken-Aufklauben Pause gemacht und mir die jüngste Folge der Sitcom „Modern Family“ angeschaut. Von der Kolumne zu den Socken zum Fernseher ist es nämlich nur ein kleiner Schritt.
Und darum erledige ich die restliche Arbeit lieber im Büro.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2013)