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Essen bei Ikea: Warten auf "Elchbällchen"

Essen Ikea Warten Elchbaellchen
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Auch die schwedische Möbelhauskette Ikea ist Teil des Skandals rund ums Pferdefleisch. An dem Andrang in den günstigen Restaurants – inklusive Stammtisch im Möbelhaus – ändert das aber nichts.

Die zwei Frauen hätten die Statistik heute gern ein bisschen durcheinandergebracht. Im Durchschnitt isst nämlich jeder Österreicher pro Jahr ein Fleischbällchen bei Ikea, die im schwedischen Möbelhaus Köttbullar heißen. Ein paar Österreicher essen vielleicht sogar zwei oder drei – oder mehr. Im Vorjahr wurden in den sieben heimischen Ikea-Restaurants in Summe 8,5Millionen Stück Fleischbällchen verspeist. Die Bevölkerungszahl lag 2012 laut Statistik Austria bei 8.443.018.

Aber zurück zu den zwei Damen, die sich bei Ikea Wien-Nord weniger für Billy-Regale, Sofas oder bunte Servietten interessieren. „Wir sind eigentlich hierher gekommen, um ein paar Fleischbällchen zu essen, aber leider gibt es keine“, sagt die 34-jährige Barbara, die ihren Kinderwagen in Richtung eines Fensterplatzes schiebt. Ihre Freundin folgt ihr mit einem Servierwagen, auf dem sich drei Tabletts mit Pasta, Salaten, Getränken und Muffins stapeln. „Wir nennen die ja immer Elchbällchen. Ich versteh schon, dass alle aufschreien, weil sie falsch etikettiert sind, aber wenn es deshalb gleich gar keine Elchbällchen mehr gibt, ist das schon schade“, sagt Manuela, während sie die Tabletts vom Wagen auf den den Tisch stellt.

Pferdefleisch im „Elchbällchen“. Wobei: Elchfleisch wurde in den Fleischbällchen bis jetzt noch keines nachgewiesen. Pferd hingegen schon. Genau das hat den zwei Damen ihr Vorhaben, den Fleischbällchenverzehr in die Höhe zu treiben, zunichtegemacht. Seit vergangener Woche wurden diese nämlich – wie auch andere Fleischprodukte in Supermärkten – aus dem Verkehr gezogen. Auch wenn das Pferdefleisch lediglich in Tschechien gefunden wurde. Aus „Sicherheitsgründen“, wie man das so schön nennt, verschwanden sie aber auch in den heimischen Filialen. Eine große Hinweistafel klärt die Gäste im Selbstbedienungsrestaurant auf. Wann die Fleischbällchen wieder zu haben sind, weiß die Dame an der Kassa aber nicht. „Ich hab heute meinen Chef gefragt, der weiß das auch nicht“, sagt sie.

Die Menschen, die die Restaurants der Möbelhäuser besuchen, stört der sogenannte Pferdefleischskandal aber weniger. Von einem Vertrauensverlust ist nichts zu spüren. Bei Preisen für Hauptspeisen, um die man in manchen Kaffeehäusern nicht einmal eine Melange bekommt, will man es dann vielleicht doch lieber nicht so genau wissen.


Mehr Frequenz dank Schnitzelaktion.
Angebote wie ein Frühstück mit zwei Semmeln, Lachs, Schinken, Käse, Butter, Marmelade und einem Kaffee um 1,99 Euro (mit Clubkarte gar um 1,49 Euro), Biopasta mit Biogetränk um 4,49 Euro oder eben ein Rumpsteak – dessen österreichische Herkunft derzeit besonders hervorgehoben wird – mit Pommes frites um 9,99 Euro sind dann doch zu verlockend. Die Ikea-Restaurants sind ebenso wie jene in den Möbelhäusern Kika, Leiner oder Lutz selten leer. „In der Früh und zu Mittag sind die Spitzenzeiten, aber grundsätzlich sind die Restaurants immer gut besucht“, sagt Ikea-Sprecherin Barbara Riedl. Vor allem junge Mütter mit Kindern und ältere Menschen zählen zu den Stammgästen. 1,8Millionen Hauptgerichte wurden im Vorjahr bei Ikea an zwölf Millionen Besucher verkauft. Fünf Prozent mache der Anteil der Restaurants am Gesamtumsatz aus.

Aber auch wenn das Restaurant allein ein gutes Geschäft ist, noch besser ist der Nebeneffekt, dass selbst jene Stammtischrunden, die sich eigentlich nur zum Essen, Trinken und Plaudern in den Möbelhäusern treffen, dann doch sogenannte „Mitnahmeartikel“ kaufen. Auch bei der Kika-Leiner-Gruppe spricht man von einer Win-win-Situation für die einzelnen Möbelhäuser und die jeweiligen Restaurantpächter. Letztere bekommen nicht nur strenge Vorgaben vom Stammhaus, sondern auch finanzielle Zuschüsse. „Bei speziellen Angeboten, etwa Schnitzel- oder Frühstücksaktionen bekommen die Pächter von uns finanzielle Unterstützung“, sagt Johannes Jungblut, Ko-Geschäftsführer von Kika/Leiner. Immerhin erhöht sich dank günstiger Schnitzel, Backhendl oder Grillteller die Frequenz in den jeweiligen Kaufhäusern.

Laut dem Marktforscher RegioData Research geben die Österreicher jährlich 265 Millionen Euro in Restaurants in Möbelhäusern und Verbrauchermärkten (wie Interspar oder Merkur) aus. Und ein paar schwedische Fleischbällchen weniger werden daran wohl so schnell nichts ändern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2013)