Österreich gewann bei den norwegischen internationalen Meisterschaften im Fleimstal einen Titel, fünf Silberne und einmal Bronze. Ernst Vettori sieht die Mission erfüllt, dennoch wartet Arbeit.
Predazzo. Als Gregor Schlierenzauer am Samstag seinen zweiten Durchgang im Teamspringen mit einer souveränen Telemark-Landung abgeschlossen hatte und Österreichs einziger Titel bei der Nordischen WM 2013 im Val di Fiemme damit Gewissheit war, atmete ÖSV-Direktor Ernst Vettori ganz tief durch. Auch bei seinen zweiten Weltspielen als Chef der nordischen Abteilung gab es Gold. Dass ein Erfolgslauf wie noch zwei Jahre zuvor in Oslo – Österreich gewann zehn Medaillen, davon sieben in Gold –, nicht zu wiederholen ist, hatte der Tiroler schon vor dem Auftakt der WM gewusst. Dass der einzige Sieg erst im letzten Bewerb mit ÖSV-Beteiligung fallen sollte, war ihm dann doch schon wieder etwas unheimlich.
Die Mission WM 2013 sieht er dennoch erfüllt. Eine goldene, fünf silberne und eine Bronzemedaille könnten sich sehen lassen, „da gab es schon schlechtere, natürlich auch bessere Weltmeisterschaften“, sagt Vettori. „Ich bin aber zufrieden.“ Trotz aller Turbulenzen während des Saisonverlaufs und auch bei der WM hätten die Skispringer gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist. Kritik an Trainer Alexander Pointner lasse Vettori definitiv nicht zu. Sie sei verfehlt, aus der Luft gegriffen, sie entbehre jeglicher Substanz: Pointner erfülle seinen Job weiterhin den ÖSV-Vorstellungen und -Vorgaben entsprechend, „wir vertrauen ihm“.
Dem stimmte auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zu. Pointner habe einen Vertrag bis zu den Spielen 2014 in Sotschi, und daran werde nicht gerüttelt. Er pflege seine Schriftstücke immer einzuhalten. Und aufgrund der anhaltenden Goldserie gäbe es keinerlei Anlass, etwas im Trainerteam zu ändern.
Dass dennoch „nicht alles optimal“ verlaufen sei, kann auch Vettori nicht verborgen geblieben sein. Er ist nun gefragt, nicht als ehemaliger Tourneesieger oder Olympia-Champion, sondern in seiner Funktion als ÖSV-Direktor. Er muss Strukturen vorgeben, an Mankos – etwa der restlosen Aufklärung in der Anzugthematik, den persönlichen Befindlichkeiten zweier Veteranen etc. – arbeiten und allen den Weg weisen. Sowohl aus sportlicher als auch ideologischer Sicht. So wie es sein Vorgänger Anton Innauer stets getan hat.
Ein hartes Stück Arbeit, aber immerhin sorgten seine Springer dafür, dass Österreich weiterhin bei Großereignissen im Team seit 2003 ungeschlagen bleibt. Thomas Morgenstern war das nur recht: Der Kärntner, 27, der nach einem Tief bei der WM sein Comeback feierte, ist nun der erfolgreichste ÖSV-Sportler bei Weltmeisterschaften. Er hat acht Goldene, zwei Silberne und einmal Bronze gewonnen.
Festspiele von Marit Björgen
Obwohl sich Österreichs Langläufer mit den Auftritten von Johannes Dürr, Teresa Stadlober oder dem siebenten Platz der Sprinter Wurm/Tritscher wieder in der internationalen Loipe zurückmeldeten, schrieben dennoch andere die Schlagzeilen dieser WM. Wider Erwarten waren es einmal mehr Norweger, die den nordischen Sport dominieren und zu ihren internationalen Meisterschaften ausformen. Bei den Damen gab es an Marit Björgen kein Vorbeikommen. Das Kraftpaket aus Trondheim, 32, setzte sich mit vier Goldmedaillen und einmal Silber ein Denkmal.
Sie wird bereits als „Königin der Loipen“ gefeiert, hält bei zwölf WM-Siegen und nur noch zwei Goldene fehlen auf die Bestmarke der Russin Jelena Wälbe. Die Zahl der Medaillen und Rekorde würde ihr jedoch nicht so viel bedeuten, sagt Björgen trocken. Und, sie sei auch „nicht die Beste oder Größte aller Zeiten. Ich bin Langläuferin, lebe hier und jetzt. Aber hier fünf Medaillen zu holen, damit bin ich sehr zufrieden.“
Auch die ÖSV-Kombinierer verstanden es blendend, zu überraschen. Drei Silbermedaillen sind für Cheftrainer Christoph Eugen angesichts der Übermacht von Jason Lamy Chappuis (FRA) oder Weltcupleader Eric Frenzel (GER) das „Maximum der Ausbeute“, zumal das auch keiner seinem Team zugetraut habe. Doch Bernhard Gruber oder Wilhelm Denifl hätten alle „überrascht, auch mich“, so Eugen, der sich zudem zum WM-Abschluss noch vor Mario Stecher stellte, die Ausrüster-Causa jedoch nicht weiter kommentieren wollte. Für Stecher sei diese Saison vorbei und, es sei alles gesagt, was gesagt sein musste.
2021 in Seefeld?
Von den Erlebnissen im Fleimstal bleiben großteils positive Eindrücke zurück, die auch durch das Strahlen des Präsidenten determiniert sind. Er sah Langlaufrennen, war bei Kombinierern und Skispringern. Österreich wird sich für die Austragung einer WM – zuletzt stieg 1999 in Ramsau am Dachstein ein nordisches Fest – wieder bewerben. 2021 soll es in Seefeld so weit sein. Schröcksnadel hielt sich jedoch, grinsend, bedeckt: „Sag niemals nie.“
Teamspringen: 1. Österreich (Wolfgang Loitzl/130,5 m/128 m, Manuel Fettner/125,5/128, Thomas Morgenstern/121/129,5, Gregor Schlierenzauer/124,5/129) 1135,9 Punkte
2. Deutschland (Andreas Wank/135,5/126,5, Severin Freund/122,0/125, Michael Neumayer/123,5/126, Richard Freitag/130/129,5) 1121,8
3. Polen (Maciej Kot/123/128,5, Piotr Zyla/122/126, Dawid Kubacki/126/128, Kamil Stoch/134/130) 1121,0
Weiters: 4. Norwegen 1117,3 5. Japan 1099,1 6. Slowenien 1046,4 7. Tschechien 1022,1 8. Italien 965,9.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2013)