Hunderttausende Portugiesen gingen gegen die Sparpolitik der Regierung auf die Straße. Es gab Demonstrationen in mehr als 30 Städten.
Hunderttausende Portugiesen haben im mehr als 30 Städten gegen die konservative Regierung protestiert. Viele von ihnen stimmten das Kampflied "Grândola, Vila Morena" an, das im April 1974 die Hymne der "Nelkenrevolution" war. Damals hatte eine Gruppe von Militärs die - in Portugal herrschende - rechtsgerichtete Diktatur gestürzt. Dieses Mal richteten sich die Massenproteste vor allem gegen die Sparauflagen, die die Troika von EU, EZB und IWF der Regierung in Lissabon gemacht hatte.
Zu den Demonstrationen hatte die Initiative "Zum Teufel mit der Troika" aufgerufen, die im September 2012 in Lissabon eine der größten Kundgebungen in der Geschichte des Landes mit etwa einer Million Menschen organisiert hatte. Bei den Kundgebungen am Samstag sprachen die Veranstalter in Lissabon von 500.000 bis 800.000 Demonstranten und in Porto von 400.000. "Público" wies allerdings darauf hin, dass in Lissabon der Platz Terreiro do Paço, auf dem die zentrale Kundgebung stattfand, ein Fassungsvermögen von allenfalls 200.000 Menschen habe und nicht dicht besetzt gewesen sei.
Besuch der Troika in Lissabon
Anlass der Proteste war der Besuch einer Delegation von EU, EZB und IWF. Die Experten überprüfen seit Anfang der Woche in Lissabon, ob Portugal seine Verpflichtungen zur Sanierung seines Staatshaushalts eingehalten hat. Portugal war nach Griechenland und Irland das dritte Land gewesen, das zur Abwendung eines Staatsbankrotts unter dem EU-Rettungsschirm Zuflucht suchen musste.
Portugals Wirtschaft steckt tief in einer Rezession, die Arbeitslosenquote ist auf fast 17 Prozent gestiegen. Die Demonstranten forderten den Rücktritt der konservativen Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho. "Die Kundgebungen sind ein Misstrauensvotum der Bevölkerung", hieß es in einem Manifest, das auf der Demonstration in Lissabon verlesen wurde. "Jetzt ist für die Regierung die Zeit gekommen abzutreten."
(APA/dpa)