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Japanischer Ökonom: "Ein fallender Yen ist gut"

Symbolbild(c) Bilderbox
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Der Ökonom Naoyuki Yoshino über Japans designierten Notenbankchef Haruhiko Kuroda und die erhoffte Yen-Inflation.

Mit Haruhiko Kuroda dürfte ein Mann Japans neuer Notenbanker werden, der aggressiv auf Inflation pocht und den Yen schwächen wird. Über die künftige Richtung der Bank of Japan sprach „Die Presse“ mit dem japanischen Ökonomen Naoyuki Yoshino, der über Geldpolitik forscht und Kuroda persönlich kennt.

Die Presse: Herr Yoshino, Sie kennen Haruhiko Kuroda seit langer Zeit. Was ist er für ein Typ?

Naoyuki Yoshino: Herr Kuroda ist ein sehr netter Mensch. Und nach meiner Auffassung ist er ein ausgezeichneter Kandidat für den Posten des Zentralbankers.

Warum?

Durch seine Tätigkeit bei der Asiatischen Entwicklungsbank, die er bisher geleitet hat, hat er profunde Kenntnis der asiatischen Ökonomien sowie der japanischen. Er kennt die Finanzmärkte der Region sehr gut und weiß, welche Behandlungen sie brauchen. Asien hat etwa unter anderem einen weniger entwickelten Markt für Unternehmensanleihen als Europa und die USA, was Bankkredite wichtiger macht. Das trifft auch auf Japan zu und bedeutet, dass es besonders wichtig ist, die Banken zum Geldleihen zu motivieren. Herr Kuroda ist sich dessen genau bewusst.

 

Finanzminister Aso sagte, Japans Notenbanker müsse häufige und lange Reisen aushalten, des Englischen mächtig und körperlich gesund sein. Aber sind das nicht banale Kriterien?

Nicht unbedingt. Die meisten bisher gehandelten Kandidaten sprechen zwar Englisch, aber es ist wichtig, dass man weiß, wie man bestimmte Äußerungen in internationalen Zusammenhängen selbst trifft und auch die anderer interpretiert. Da gehört viel mehr dazu als die bloße Sprache. Herr Kuroda kann das. Gesundheitlich ist er auch voll auf der Höhe. Und er reist sehr gern (lacht).

Gerade aus Europa kam zuletzt Kritik an der Linie der Regierung, den Yen zu schwächen. Es wird von Währungskrieg gesprochen. Mit Kuroda würde sich diese Lage womöglich zuspitzen.

Aber ich glaube nicht, dass zum Beispiel die Kritiker aus Deutschland besonders gut verstehen oder verstehen wollen, wie die japanische Lage ist. Seit Beginn der globalen Finanzkrise hat der Yen um 20 bis 30 Prozent zugelegt. Das liegt zum großen Teil daran, dass Europa und die USA Geld in die Wirtschaft gepumpt haben, sodass Investoren nach lukrativeren Orten gesucht und Japan für einen sicheren Hafen gehalten haben. Dieses Geld hätte eigentlich nach China gehen sollen, doch dort wird der Kapitalmarkt kontrolliert. Sogar nach dem japanischen Tsunami im März 2011 blieb der Yen stark, obwohl Japan danach viel Energie importieren musste und kurze Zeit später ein Handelsdefizit notierte. Dass der Yen in letzter Zeit an Wert verloren hat, ist unter anderem eine Gegenmaßnahme zu den Kontrollen, die bei Japans Nachbarn China vorgenommen werden. Das kann man nicht als Währungskrieg bezeichnen.

Sollte die Bank of Japan auch ausländische Wertpapiere kaufen?

Die Bank of Japan, wie viele andere Notenbanken, muss ihr Portfolio diversifizieren, so wie jeder es macht, der sich vor Risken schützen will. Japans Zentralbank schaut aber primär darauf, Inflation zu erreichen. Seit ungefähr zwei Jahrzehnten herrscht Deflation, und mit der Erwartung auch zukünftig fallender Preise stocken Konsum und Investitionen. Wenn durch Staatsanleihekäufe Inflation erreicht wird, ändert sich dies. Andersherum hat ein schwächerer Yen auch abseits steigender Exporte Vorteile. Durch teurere Energieimporte werden in Japan Preise anderer Produkte steigen. Das führt also auch zu Inflation.

 

Kritiker befürchten, Kuroda sei ein verlängerter Arm der Regierung. Denn die hat ganz offen erklärt, sie würde einen ihr genehmen Kandidaten aufstellen.

Ich glaube, man sollte den Karriereweg von Herrn Kuroda nicht als Grund nehmen, ihn abzulehnen. Man muss auf die Person schauen. Herr Kuroda wird ein unabhängiger Gouverneur sein, davon bin ich überzeugt. Dass er das Finanzministerium genau kennt, ist auch kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Denn er ist sich darüber im Klaren, dass es für zukünftiges Wirtschaftswachstum nicht nur gezielter Geld-, sondern auch Fiskalpolitik bedarf. Wenn man die Abläufe im Finanzressort kennt, kann man seine Maßnahmen womöglich besser koordinieren.

 

Kuroda sagt, innerhalb von zwei Jahren könne das vor Kurzem gesetzte Inflationsziel von zwei Prozent erreicht sein. Das wird wohl bedeuten, dass der Yen weiter fallen wird, oder?

Ich denke schon. Und das wäre gut, sowohl für Japan als auch international.

Naoyuki Yoshino

ist Ökonom an der angesehenen Tokioter Keio- Universität, wo er zu Geld- und Fiskalpolitik forscht. Seinen Doktortitel erhielt er an der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität. Zudem hat er am Massachusetts Institute of Technology und bei der Bank of Japan gearbeitet. [Privat]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2013)