Ratschlag. Nach Ansicht des deutschen Ökonomen und Wirtschaftsweisen Peter Bofinger ist die auf europäischer Ebene beschlossene Beschränkung der Banker-Boni falsch konstruiert.
Wien. Nach Ansicht des deutschen Ökonomen und Wirtschaftsweisen Peter Bofinger ist die auf europäischer Ebene beschlossene Beschränkung der Banker-Boni falsch konstruiert. "Das Wichtigste ist, die Boni auf langfristigen Erfolg auszurichten", sagte Bofinger in einem Interview mit dem "Kurier" (Mittwochausgabe). "Das verhindert das Verhalten 'Hinter mir die Sintflut'. Aber das hat man mit den neuen Regeln verabsäumt."
Dass Banken künftig mehr Eigenkapital haben müssen, sei wichtig, aber man dürfe die Eigenkapitalanforderungen nicht zu schnell erhöhen, weil das zulasten der Kredite an die Realwirtschaft ginge, warnte Bofinger. Auch sollten die Eigenkapitalanforderungen direkt an der Bilanzsumme ansetzen und nicht nur an den risikogewichteten Aktiva.
Die EZB hat nach Ansicht des deutschen Ökonomen in der Finanz-und Wirtschaftskrise eine Reihe von Fehlern gemacht. So habe sie etwa im Juli 2008, als die Finanzkrise bereits im Gange gewesen sei, die Leitzinsen noch einmal erhöht. Auch jetzt müsste die europäische Notenbank die Leitzinsen von 0,75 auf 0,25 Prozent senken, empfiehlt der Wirtschaftsweise. "Wenn sich Banken bei ihr Geld ausleihen, bekommt sie 0,75 Prozent Zinsen. Wenn Banken bei ihr Geld einlegen, zahlt sie keine Zinsen. Die EZB verdient im Moment an schwachen Banken, das ist widersinnig."
Österreich sollte billiges Geld nutzen
Schwer verschuldeten Ländern wie Italien empfiehlt Bofinger eine einmalige Vermögensabgabe, um finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Ab einer Million Euro Vermögen sollte der Staat 10 Prozent einkassieren, wer mehr als 10 Millionen besitzt, sollte ein Fünftel dem Staat geben, meint Bofinger. Bezahlen sollten die Reichen in Raten über zehn Jahre verteilt. Für die Vermögenden wäre das kein Grund abzuwandern, meint er.
Für Länder wie Deutschland oder Österreich wäre eine solche Abgabe nicht notwendig - im Gegenteil, sie sollten sich angesichts der niedrigen Zinsen noch höher verschulden und das Geld in Infrastruktur und Bildung investieren.
(APA)