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Migranten an Vorschulen extrem überrepräsentiert

Migranten Vorschulen extrem ueberrepraesentiert
(Clemens Fabry)
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Neuer Zündstoff für die Debatte um Sprachförderung: Jeder fünfte Schüler mit einer anderen Muttersprache als Deutsch wird in die Vorschule geschickt.

Die Zahlen bieten neuen Zündstoff für die Debatte um die Sprachförderung in der Schule: Kinder mit einer anderen Umgangssprache als Deutsch sind in Vorschulklassen extrem überrepräsentiert. Das zeigt eine Auswertung der Statistik Austria. Österreichweit spricht ein Viertel der Sechsjährigen daheim nicht Deutsch, in den Vorschulstufen haben hingegen 53,5 Prozent nicht-deutsche Umgangssprache. Während knapp zehn Prozent aller Sechsjährigen ihre Schulkarriere in der Vorschule starten, sind es bei Schülern mit Migrationshintergrund 21,2 Prozent.

Je nach Bundesland ist der Anteil von Migranten in Vorschulen unterschiedlich: Er reicht von weniger als jedem zehnten (Steiermark: 5,5 Prozent, Burgenland: 7,0 Prozent) bis zu mehr als jedem dritten Schüler (Tirol: 34,3, Vorarlberg: 38,6) bzw. fast jedem zweiten Schüler (43,4 Prozent) in Salzburg. Dazwischen liegen Kärnten (11,8 Prozent), Wien (16,6 Prozent), Niederösterreich (20,3) und Oberösterreich (27,3 Prozent). Was diese Daten nicht erfassen, sind jene Kinder, die im Zuge der flexiblen Schuleingangsphase während des Schuljahres in eine andere Schulstufe - also von der Vorschule in die 1. Klasse oder umgekehrt - wechseln.

Sieben Prozent mehr Vorschüler in Wien

In Wien wurde bereits im Jahr 2008 die Losung ausgegeben, dass kein Kind in der 1. Klasse Volksschule sitzen soll, das nicht Deutsch beherrscht. Anfang Jänner kündigte der Stadtschulrat an, ein noch stärkeres Augenmerk darauf zu legen. Tatsächlich ist die Zahl der Vorschüler insgesamt um sieben Prozent gestiegen. Rund 1800 Kinder, die in den vergangenen Wochen die Schuleinschreibung hinter sich gebracht haben, müssen heuer in die Vorschule, das sind zehn Prozent. Daten über die Verteilung nach Muttersprache gab der Stadtschulrat aber nicht heraus.

In den vergangenen Monaten wurde heftig diskutiert, ob Kinder aufgrund schlechter Deutschkenntnisse in die Vorschule geschickt werden dürfen. Das Schulpflichtgesetz wird je nach Ansicht unterschiedlich interpretiert. Konkret besagt es, dass jene Kinder in die Vorschule gehören, die dem Unterricht in der 1. Klasse vermutlich nicht folgen können, "ohne körperlich oder geistig überfordert zu werden". Jene, die die lediglich deutsche Sprache nicht beherrschen, sollten eigentlich als außerordentliche Schüler eingeschult werden.

Gesetzesänderung nötig - oder nicht?

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) hatte daher eine Gesetzesänderung gefordert, die Deutsch als Voraussetzung für den Schuleintritt festschreibe, etwas, was Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) mehrfach zurückgewiesen hatte. Auch in der Expertengruppe, die für Schmied derzeit ein neues Modell für die schulische Sprachförderung entwickelt, heißt es laut "Presse"-Informationen: Vorschulen seien je nach Fall eine Möglichkeit für die Förderung, eine Gesetzesänderung sei aber nicht notwendig.

Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) kann die Diskussion aus der Praxis nicht nachvollziehen: Die setze sich aus sozialen, emotionalen, kognitiven, sprachlichen und motorischen Kompetenzen zusammen. Wer als nicht schulreif eingestuft werde, weise im Regelfall Schwächen in mehreren dieser Bereich auf. "Das Kind, das perfekt gefördert ist und nur nicht Deutsch kann, kommt so gut wie nicht vor. Es würde aber dann als außerordentlicher Schüler in eine erste Klasse und nicht in die Vorschule kommen."

"Klassisches Beispiel für die Einstufung in die Vorschule sind Kinder, die eine Linie mit dem Stift nicht nachfahren können oder keine Schere halten und damit einen Fisch ausschneiden können", sagt Brandsteidl. Mit der Muttersprache oder der Umgangssprache daheim habe das meist nichts zu tun, wobei sich diese gar nicht so leicht festlegen lasse: "Viele sprechen daheim mit den Geschwistern deutsch und mit den Eltern eine andere Sprache", so Brandsteidl.

(APA/Red.)