Shooting Brake - ein nobleres Wort für Kombi, so wie der Mercedes CLS die feinere E-Klasse ist. Gepäck verstauten wir nicht auf, sondern unterm Ladeboden.
Ganz ehrlich: Wir halten Platz im Auto für überschätzt. In welchem SUV sind schon alle Plätze besetzt, in welchem Kombi ist der Laderaum gefüllt? Fotograf Jürgen würde sagen: Früher sind wir mit dem Käfer nach Italien gefahren, die ganze Familie, und da gab's noch keine Stelzen im Kanaltal.
Mercedes hat das schon richtig erkannt und begreift den Kombi primär als Kulturform mit Lifestyle-Agenda. Immerhin war es ein Mercedes, der das einstige Tapeziererformat bei uns überhaupt salonfähig gemacht hat, 1977.
Wenn der CLS die glamouröse Variante der doch eher geschäftsmäßigen E-Klasse ist, dann ist Shooting Brake die entsprechende Kombi-Version. An Bord des CLS-Shooting-Brake wird niemand Pinsel und Farbtöpfe verstauen, außer als Maler, der in der Tate ausstellt.
Es wäre schade um den schönen Laderaumboden, der im Fall unseres Testexemplars als amerikanische Kirsche ausgeführt war. Das schaut toll aus, was man zu verstauen hat, bringt man allerdings in dem großen Hohlraum darunter unter. Was den zusätzlichen Vorteil hat, dass das Ladegut dann keine entfesselten Tänzchen auf dem glatten Parkett hinlegt.
Im Fahrbetrieb wirkt sich der elegante Abgang des Autos nicht aus. Die Luftfederung, beim SB serienmäßig an Bord, ist schwer auszumachen. Außer im Stand, da entgleitet ihr manchmal ein erleichtertes Schnaufen. Die Heckklappe bewegt sich elektrisch, sollte jemand hinten sitzen, wird er das Plus an Kopffreiheit begrüßen.
Der Shooting Brake wirkt anderweitig, nämlich auf Menschen, die sonst eher keine Meinung zu Autos haben oder äußern. Tenor: Bewundert wurde weniger schiere Schönheit als die Eigenart, die an frühe Citroën erinnert. Das ist als Kompliment zu sehen.
Mit der Köstlichkeit eines 408 PS starken V8, der allerdings vorn untergebracht ist, kommt der CLS SB auf 97.100 Euro. Dies aber noch ohne jede Kirsche.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2013)