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Volksbefragung: Wienern macht Stimmkarte zu schaffen

Symbolbild(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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In Wien können seit Donnerstag die Einwohner ihren Stimmzettel für die Volksbefragung in einer der 53 Annahmestellen abgeben.

Wien. Die Frau im Stimmlokal in der Seeböckgasse im 16.Bezirk hat ein Problem. Fast peinlich berührt hält sie der Wahlbeisitzerin ihre Stimmkarte hin: „Ich habe das abgerissen, kann ich trotzdem wählen?“ Die Frau hat versehentlich die Infografik von der Stimmkarte abgetrennt. Die Infografik dient aber als Kuvertverschluss.

In Wien können seit Donnerstag die Einwohner ihren Stimmzettel für die Volksbefragung persönlich in einer der 53 Annahmestellen abgeben. Als zusätzliches Service. Denn grundsätzlich gehe man davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Stimmen per Brief abgegeben werden, heißt es aus dem Rathaus. Entsprechend entspannt ist die Stimmung in der Seeböckgasse. Nur sechs Personen kommen während eineinhalb Stunden ins Stimmlokal. Unter ihnen ein älterer Mann, der zwar seinen Stimmzettel, aber keine Stimmkarte dabeihat. Er wird freundlich wieder weggeschickt. Eine jüngere Frau wiederum findet es „undemokratisch“, wenn sie ihre Stimme per Post abgeben soll. Immerhin stehe so auch ihr Name auf dem Kuvert. Die Volksbefragung an sich ärgert sie schon. „Es werden nur Fragen gestellt, deren Antworten eh schon feststehen“, sagt sie erbost. Kritik ist an diesem Tag immer wieder zu hören: „Ich habe alle Fragen durchgestrichen und bei Olympia Nein angekreuzt“, sagt ein Mann vor dem Lokal. Die Fragen empfindet er als glatte „Pflanzerei“: „Das Parkpickerl ist eh schon eingeführt. Und Olympia kann sich die Stadt nicht leisten.“ Auch er musste persönlich vorbeikommen, weil er ein Problem mit der Karte (die gleichzeitig als Kuvert dient) hatte. Seine Frau hat die Lasche mit der Infografik zwar nicht abgerissen, dafür das Kuvert gleich zugeklebt. Ohne den Stimmzettel davor hineinzugeben.

Kritik übt auch Informationsdesigner Rudolf Greger. „Die Linien auf der Lasche sind irreführend.“ Weiters ortet er zu viel Text auf dem Informationszettel. „Mehr Bilder wären besser.“ Prinzipiell findet er das Design aber in Ordnung.

Der Frau mit der abgerissenen Lasche wird im Stimmlokal jedenfalls gleich weitergeholfen. „Wissen Sie“, sagt die Wahlbeisitzerin verständnisvoll. „Mir ist genau das Gleiche passiert.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2013)