Die Stadt folgt der Empfehlung der Kommission und will eine Errichtungsgesellschaft gründen. Die Frage möglicher Einsprüche ist ungeklärt.
Nach den wochenlangen Turbulenzen um die Vergabe des Neubaus des Klagenfurter Fußballstadions herrschte nach der Juryentscheidung weithin Zufriedenheit. Die Stadtväter segneten am Dienstag die Vergabeempfehlung der Kommission ab und wollen nun eine Errichtungsgesellschaft gründen, die das Stadion bauen wird. Offen ist noch die Frage möglicher Einsprüche, die unterlegenen Bieter haben zwei Wochen Zeit dafür. Kommissionsvorsitzender Peter Gattermann gab sich auf Grund des einstimmigen Jury-Votums optimistisch, dass die Vergabe halten werde.
Die Porr Techno Bau in Gemeinschaft mit der Alpine Mayreder Bau GmbH wurde von der Kommission ohne Gegenstimme zum Bestbieter gekürt. Das Projekt, das mit rund 59 Millionen Euro veranschlagt ist, sei "innovativ für den Stadionbau in Europa", lobte Gattermann. Vorgesehen ist ein Stadion mit überdachten Tribünen, die auch nach der Europameisterschaft, wenn das Stadion von mehr als 30.000 auf rund 12.000 Plätze rückgebaut wird, erhalten bleiben.
"Das war ein ganz wichtiger Schritt Richtung planmäßige Abwicklung des Baus des Stadions. Ich freue mich, dass die Vernunft gesiegt hat. Jetzt muss man abwarten", erklärte ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, der hofft, dass keine Einsprüche kommen. "Ich appelliere an alle Beteiligten, größtmögliche Vernunft walten zu lassen, sonst kommen wir in größte zeitliche Schwierigkeiten."
Klagenfurts Bürgermeister Harald Scheucher (V) sprach von einem "großen Tag" für die Lindwurmstadt und einem "großartigen Stadionprojekt". Sein Vize Ewald Wiedenbauer (S) meinte, nach dem endgültigen Zuschlag werde eine ErrichtungsGmbH gegründet, der Zeitplan für die rechtzeitige Fertigstellung (Ende Mai 2007) könne eingehalten werden.
Die Reaktion des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider (F): Die einstimmige Entscheidung sei ein positives Zeichen für den EM-Standort Klagenfurt. Nun müssten die auf dem Papier bestehenden Pläne rasch in die Realität umgesetzt werden. Haider unterstrich erneut, dass für das Projekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt werde. Diese sollte so schnell wie möglich in Angriff genommen werden.
Gibt es keine Einsprüche, denen stattgegeben wird, könnte die Umweltverträglichkeitserklärung bis zum Mai vorliegen, die UVP wäre dann binnen sechs Monaten abgeschlossen. Ob die Strabag, die ebenfalls um den Auftrag mitgeboten hat, gegen die Vergabe vorgehen wird, bleibt vorerst offen. Konzernchef Hans Peter Haselsteiner wollte dazu nicht Stellung nehmen. Man werde zuerst die Entscheidungsgrundlagen der Vergabejury prüfen und danach die weitere Vorgangsweise festlegen.
Porr-Chef Horst Pöchacker hofft naturgemäß, dass es keine Einsprüche geben wird, ob es dazu kommt, könne er aber nicht beurteilen. Die Frage, ob für den Bau ein zusätzlicher Partner ins Boot geholt wird, ließ Pöchhacker gegenüber der APA offen: "Wir können's alleine, aber wenn der Bauherr es als sinnvoll erachtet, werden wir es tun." Die Entscheidung sei aber Sache des Bauherrn, also der Stadt Klagenfurt. Diese kommt für ein Drittel der Kosten auf, den Rest teilen sich Land Kärnten und der Bund.
Ob der Führende der Red-Zac-Erste-Liga, der FC Kärnten, auch während der Umbauphase im Heimstadion spielen wird, war vorerst ebenfalls noch offen. Eine Bespielung sei "grundsätzlich möglich", müsse aber mit der Bietergemeinschaft ausgehandelt werden. Als möglicher Ausweichort wurde die Bezirksstadt St. Veit/Glan ins Auge gefasst. (c) apa