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Ständige Anfütterung mit antikirchlichem Einheitsbrei nervt

Die kommende Führung im Vatikan wird eine Entscheidung über die angebliche „Kirchenkrise“ treffen müssen.

Der überraschende Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ist nicht nur eine Zäsur für die katholische Kirche, sondern (leider) auch willkommener Anlass zur Selbstinszenierung der nicht gerade kirchentreuen Medien. Was wurde und wird da nicht alles in diesen Tagen spekuliert.

Von den guten „Außenseiterchancen“ für Kardinal Schönborn als nächster Papst bis hin zu den Anforderungen, die der neue Pontifex erfüllen müsste. Und selbstverständlich wird hierzulande die Umsetzung der sogenannten „heißen Eisen“ (Zölibat, Frauen, wiederverheiratete Geschiedene etc.) als Maßstab für das Anforderungsprofil gesehen.

Es ist auch wirklich zu dumm: Eine Institution, die im 21.Jahrhundert das Wort Jesu nach der Unauflöslichkeit der Ehe noch ernst nimmt, die das Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod als unantastbar ansieht und die Mann und Frau als von Gott verschieden erschaffene Wesen (fern jeglicher „Gender-Ideologie“) versteht, mutet dem modernen und aufgeschlossenen Menschen von heute ein bisschen zu viel zu.

Folgerichtig daher seit Jahr und Tag der Ruf: „Das muss weg!“ Weg mit dem Zölibat. Weg mit den Sexualnormen. „Kommunionsrecht“ für wiederverheiratete Geschiedene. Frauen an den Altar. Und zu guter Letzt: Schluss mit der Diskriminierung von Homosexuellen. Ich hoffe, ich habe keines der „heißen Eisen“ vergessen.

 

Mediale Wunschvorstellung

Nun bleibt es jedem unbenommen, sich mit derartigen Forderungen solidarisch zu erklären. Nur möge man bitte niemandem einzureden versuchen, dass die Verwirklichung dieser Reformvorschläge verloren gegangene Schäfchen in den Schoß der Mutter Kirche zurückholen könnte. Nach dem Motto: „Wir zeigen uns weltoffen und tolerant nach allen Richtungen.“ Und: „Die Kirche ist endlich in der Moderne angelangt.“ Das in etwa wäre die mediale Wunschvorstellung. Eine Kirche der Anpassung und Beliebigkeit, die schön brav Befehlsempfänger des Mainstreams ist und nur ja nicht „aufmuckt“.

 

Einseitige Einladungspolitik

Verschwörungstheorien sind mir grundsätzlich suspekt. Ich stelle mir aber immer häufiger die Frage, warum ausgerechnet nicht gerade wegen ihrer objektiven Kirchenberichterstattung aufgefallene Medien die Forderungen der Pfarrerinitiative rund um Helmut Schüller derart „pushen“? Welche Strategie steckt dahinter?

Denken wir nur an die Diskussionsrunden in ORF, Puls4 und ATV aus Anlass des Rücktritts von Papst Benedikt. Die Einladungspolitik dieser Sender hat mit objektiver Berichterstattung nur noch am Rande etwas zu tun. Wundert es dann noch irgendjemanden, dass die unvoreingenommene Zuseherschaft, die tagelang mit antikirchlichem Einheitsbrei bombardiert wird, verunsichert ist?

Das nächste Konklave wird die Spreu vom Weizen trennen. Es wird zu einer Entscheidung kommen müssen. Und zwar nicht zu jener über imaginäre „Kirchenreformen“. Das Problem mit der sogenannten „Reformverweigerung“ hat nämlich nicht die Kirche.

Vielmehr haben jene – vorwiegend aus Österreich und Deutschland stammenden – Teile des Klerus ein Problem, die sich bereits weit von den Grundfesten ihres Glaubens entfernt haben. Dieser De-facto-Kirchenspaltung muss Rom Einhalt gebieten und klare Worte sprechen.

Zugegeben, das ist alles andere als ein einfaches Unterfangen, aber es ist ein notwendiges und selbstreinigendes.


Dr. Michael Etlinger ist Jurist und Senatsvorsitzender in der unabhängigen Kontrollinstanz Bundesvergabeamt; er ist praktizierender Katholik.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2013)