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Niederlande: Streit um Türken-Pflegekind für Lesben

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Die gleichgeschlechtlichen Pflegeeltern für Yunus (9) werden bedroht. Die Behörden fürchten, dass der türkische Premier bei seinem baldigen Besuch die Herausgabe fordert.

Den Haag/Htz. Nur eine Woche vor dem Staatsbesuch des türkischen Premiers, Reçep Tayyip Erdoğan, in Den Haag sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Den Haag und Ankara frostig geworden. Hauptgrund: Ein heftiger Streit um das türkischstämmige Pflegekind Yunus. Die Pflegeeltern des Neunjährigen sind nämlich zwei Lesben, noch dazu christlichen Glaubens, was vielen muslimischen Türken nicht gefällt.

Auch die leibliche Mutter von Yunus geht auf die Barrikaden. Sie will ihn zurück und trat diese Woche sogar im türkischen TV auf. Dabei bat sie Premier Erdoğan darum, ihr zu helfen, Yunus zurückzubekommen. Freilich ist der in Holland lebenden Mutter das Sorgerecht schon vor langer Zeit aberkannt worden, weil sie ihn hat verwahrlosen lassen. Zunächst schritt das Jugendamt von Den Haag ein, nachdem es über den Fall informiert worden war. Nachdem aber alle Hilfsmaßnahmen für den Buben vergeblich waren, schaltete die Behörde die Justiz ein, die darauf Yunus seiner Mutter abnahm.

Das Jugendamt suchte eine Pflegefamilie und verfiel darauf, ein lesbisches Ehepaar auszuwählen, das schon lange ein Kind wollte. Also wächst der Bub nun seit acht (!) Jahren bei den Frauen auf, die nach Angaben der Behörden gut situiert sind und ebenso für das Kind sorgen. Yunus erhält sogar Privatunterricht in Türkisch, und die Frauen fahren mit ihm oft in die Türkei, um ihm das Land seiner Herkunft zu zeigen.

Nun werden die Frauen bedroht. Sie fürchteten um ihr Leben und darum, dass jemand Yunus entführen wolle, heißt es aus dem Jugendamt. Zwei türkische Buben, die bei einer „normalen“ Pflegefamilie untergebracht waren, wurden kürzlich tatsächlich entführt und wohl in die Türkei gebracht.

 

Gegen Christen und Lesben

In türkischen Medien wird nach dem TV-Auftritt der leiblichen Mutter sogar dafür plädiert, Yunus in die Türkei zu holen: Er dürfe nicht von Lesben und Christen erzogen werden. Die ungewöhnliche Familie lebt nun an einem geheimen Ort unter Personenschutz; die Behörden fürchten, dass Erdoğan bei seinem Besuch tatsächlich Yunus' Herausgabe fordern könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2013)