Technikum Kärnten: "Das Campus-Gefühl fehlt"

Trendwende in der Fachhochschul-Entwicklung.

WIEN (ewi). Das ursprüngliche Prinzip, Fachhochschul-Studiengänge dezentralisiert im ländlichen Bereich einzurichten, hat sich offenbar überlebt. Der Kärntner Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner, der vor zehn Jahren selbst einen Studiengang in die Bezirksstadt Spittal/Drau geholt hat, sieht jetzt die Konzentration als Gebot der Stunde: Die vier Kärntner Standorte sollen an einem einzigen zusammengefasst werden.

Haselsteiner - jetzt Vorstandsvorsitzender der Fachhochschule Technikum Kärnten - führte bei einem Journalistengespräch in Wien neben der nicht unerheblichen Kosteneinsparung vor allem ein Image-Argument an: "Bei kleinen Standorten fehlt das Campus-Gefühl, es entsteht keine emotionale Bindung zur Fachhochschule." Die Kärntner FH wird beim Land Kärnten beantragten, die Standorte Spittal, Klagenfurt und Feldkirchen zu schließen und alle Studiengänge in Villach zu konzentrieren. Auf dem Villacher Campus könnte dann ein "universitäres Gefühl" entstehen.

Derzeit zählt das Technikum Kärnten 850 Studierende, obwohl es vom Bildungsministerium 1200 genehmigte Plätze gibt. "Wir wollen nur die Besten haben", sagt Haselsteiner. Und die Spitzenstudenten, um die ein Wettbewerb unter allen FH-Anbietern entstanden ist, würden eher einen Zentralraum aufsuchen. "Ein Oberkärntner geht nicht nach Spittal."

Dass jene Städte, die von der FH-Absiedlung bedroht sind, sich gegen dieses Vorhaben zur Wehr setzen, ist auch der FH-Führung klar. Die Landesregierung hätte die angepeilte Konzentration bereits "positiv zur Kenntnis genommen", einen Beschluss des Landtags gibt es noch nicht. Widerstand kommt vor allem aus Klagenfurt und der Kärntner ÖVP.

Damit ist auch die Parteipolitik mit im Spiel. Klagenfurt verfügt über einen VP-Bürgermeister, die anderen Gemeinden werden von einem SP-Stadtchef regiert. Villach ist zudem bereit, 50 Prozent der privat aufzubringenden Kosten beizusteuern, die anderen 50 Prozent kommen vom Land und einigen Unternehmen. Mit den Privatmitteln müssen Gebäude- und Infrastrukturinvestitionen gedeckt werden, die Bundesmittel (richten sich nach der Zahl der Studierenden) fließen in den Lehrbetrieb.


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