So, wie es derzeit in der FPÖ zugeht, ist man am besten weit, weit weg. In den USA beispielsweise, in die Vizekanzler Hubert Gorbach flüchtet. Von Freitag bis Mittwoch absolviert der Infrastrukturminister verschiedene Termine an der Ost- und Westküste, bekommt in Washington etwa eine Sonderführung durch das Air & Space-Museum und das Kapitol und darf im kalifornischen Napa Valley einen Weinkeller eröffnen, bevor er als Höhepunkt am Montag Arnold Schwarzenegger trifft. Im Schlepptau hat Gorbach die Sängerknaben, die den Gouverneur mit heimischen Klängen erfreuen werden. Am Dienstag besichtigt der Vizekanzler noch ein Nasa-Forschungslabor, wo eine Mitarbeit Österreichs bei künftigen Jupiter- und Mars-Erkundungsmissionen diskutiert werden soll. Dann kommt der wirklich spannende Teil: Die Heimreise nach Wien zu einer zwar doch nicht aufgelösten und vorerst auch noch nicht neu gegründeten FPÖ.
Die Neugründung einer Partei ist freilich nicht die Erfindung Jörg Haiders. Schon Erhard Busek hat im Jänner 1991, damals VP-Vizeobmann, von einer Neugründung gesprochen. Er dachte an einen "radikalen Diskussionsansatz", alte Parteibücher sollten ihre Gültigkeit verlieren, jedes VP-Mitglied sollte um ein neues ansuchen. Die Vorgeschichte: Die ÖVP hatte zwei Monate zuvor bei der Nationalratswahl 17 Mandate verloren, Reformbedarf war angesagt. Und gleichzeitig sollte ein zweites Problem erledigt werden, die verschiedenen Flügel der Partei - und zwar die mächtigen VP-Bünde - sollten entmachtet werden.
Beim Dreikönigstreffen 1992 rückte Busek ganz offiziell von diesem Plan ab. Obwohl in der Wiener VP - nach der Wahlschlappe 1991 - die Parteijugend und Landesobmann Heinrich Wille sowie Volksanwalt Herbert Kohlmaier (zuvor ÖAAB-Bundesobmann) die Neugründungsidee aufgegriffen hatten. Aber Busek war zu diesem Zeitpunkt bereits Bundesobmann der ÖVP. Die Partei müsse jetzt mit einer Stimme sprechen, sagte Busek damals, "wenn Sie wollen, das ist die Neugründung".