Für große Redner ist das Terrain sumpfig. Parteistrategen halten die FP-Auftritte zu Aschermittwoch für verkrampft.
WIEN. Wer fürchtet sich vorm blauen Mann? Die ÖVP? Nach der vollmundigen Drohung des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider vom Revanche-Foul am Regierungspartner stand dies zu vermuten. In der VP-Zentrale herrschte alles andere als Unruhe vor der Aschermittwochrede des Alt-FP-Chefs in Kärnten, auch nicht vorm zeitgleichen Auftritt Ursula Haubners in Ried.
VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka, versierter Beobachter bayrischer Fasttagsredenschwinger, liefert folgende Bewertung: "Als grundsätzliche Standortbestimmung macht eine Rede, wie es die unsere zur Lage der Nation ist, schon Sinn. Wenn man eine Rede aber als Fortsetzung des politischen Faschings anlegt, dann ist die Sinnhaftigkeit zu bezweifeln."
Der grüne Karl Öllinger geht noch weiter: "Die Österreicher sind für so etwas nicht sehr empfänglich. Es ist ja absurd, dass der Saure-Wiesen-Sager von Bundespräsident Kirchschläger, der einzige markante ist, der uns Österreichern einfällt." Das war im August 1980. Andere Präsidenten- und Kanzlersager zögen ohne Widerhall vorbei. "Und das ist gut so", meint Öllinger. Auch Jörg Haiders "oft sehr persönliche Angriffe haben Gott sei Dank an Kraft verloren". Man müsse sich heutzutage nur noch fürchten, ob Haider etwas herausrutsche, wofür er sich dann wieder entschuldigen muss.
Die größte Aufregung hatte Haiders Attacke auf den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, ausgelöst. Er verstehe nicht, wie einer, der Ariel heißt, soviel Dreck am Stecken haben kann, sagte Haider 2001. Im selben Jahr titulierte er den deutschen Kanzler Gerhard Schröder als Koffer in Berlin. Im Jahr darauf war Ludwig Adamovich dran, der Präsident des Verfassungsgerichtshofes. Bei dessen Namen müsse man zuerst nach einer Aufenthaltsberechtigung fragen, so Haider. 2003 warf er Außenministerin Benita Ferrero-Waldner "Wallfahrten im Drei-Wetter-Taft" vor. Und 2004 bezeichnete er Kärntens SP-Chef Peter Ambrozy als "politischen Jammerlappen".
Obwohl stets vorrangiges Angriffsziel, kann auch die SPÖ ihre Angst mittlerweile unterdrücken. "Hat er wieder eine Rede gehalten?", fragt Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos. "Früher", gibt er aber zu, "haben Haiders Aschermittwochreden schon einen starken Sog auf die Menschen ausgewirkt." Die Zeiten seien aber vorbei, in denen die FPÖ in der Bierzeltatmosphäre aufgetrumpft hätte. "Die Leute sind längst wieder bei der SPÖ$!R", so Darabos selbstbewusst. Die FP-Inszenierung wirke nur noch verkrampft.
Darabos fehlt zudem das Verständnis, warum die launige Rede just zu Aschermittwoch sein muss. "Als Katholik halte ich an dem Tag so eine politische Veranstaltung für deplaziert." Die SPÖ verzichte zwar auch nicht auf die Symbolik solcher Inszenierungen, wähle aber meist den Jahresbeginn oder, wie im heurigen Jubeljahr, den Sommer für eine große "volkstümliche Veranstaltung mit tausenden Leuten", wahrscheinlich in Wien.