Nachrichten Meinung Magazin
Irak-Krieg

120.000 Tote, 2,1 Billionen Dollar und eine Lüge

Vor zehn Jahren zogen die USA in den Krieg gegen den Irak. Diktator Saddam Hussein wurde gestürzt und ermordet, die Massenvernichtungswaffen aber nie gefunden. Ein Rückblick.
30.12.2016 um 22:23
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Hauptbild • (c) AP (DAN CHUNG)
Am 20. März 2003 rief der damalige US-Präsident George W. Bush den Krieg zur "Entwaffnung des Iraks" aus - und lässt die Hauptstadt Bagdad angreifen. Man müsse die Welt vor den Massenvernichtungswaffen des Landes und der Verbindung von Machthaber Saddam Hussein zum Terrornetz al-Qaida schützen, so der Präsident.
Am 20. März 2003 rief der damalige US-Präsident George W. Bush den Krieg zur "Entwaffnung des Iraks" aus - und lässt die Hauptstadt Bagdad angreifen. Man müsse die Welt vor den Massenvernichtungswaffen des Landes und der Verbindung von Machthaber Saddam Hussein zum Terrornetz al-Qaida schützen, so der Präsident.
(c) AP (KEVIN FRAYER)
Zehn Jahre später ziehen mehrere US-Wissenschaftler Bilanz: von mindestens 120.000 Toten wird ausgegangen, die Kosten des Krieges werden auf bisher 2,1 Billionen Dollar geschätzt. Der Nutzen für die USA sei bescheiden, während der Irak ein Trauma durchlitten habe. Radikale Islamisten hätten Auftrieb erhalten, Militärangehörige würden bis heute an neuropsychologischen Erkrankungen leiden. Ein Rückblick.
Zehn Jahre später ziehen mehrere US-Wissenschaftler Bilanz: von mindestens 120.000 Toten wird ausgegangen, die Kosten des Krieges werden auf bisher 2,1 Billionen Dollar geschätzt. Der Nutzen für die USA sei bescheiden, während der Irak ein Trauma durchlitten habe. Radikale Islamisten hätten Auftrieb erhalten, Militärangehörige würden bis heute an neuropsychologischen Erkrankungen leiden. Ein Rückblick.
(c) Reuters (Kai Pfaffenbach)
Der damalige US-Außenminister Colin Powell versucht im UNO-Sicherheitsrat anhand von Satellitenaufnahmen und Tonbandmitschnitten nachzuweisen, dass Bagdad nach Massenvernichtungswaffen strebt, Verbindungen zu Terrororganisationen unterhält und die UNO-Waffenkontrolleure systematisch hinters Licht führt.Jahre später wird er seine Aussagen in einem Interview bedauern.
Der damalige US-Außenminister Colin Powell versucht im UNO-Sicherheitsrat anhand von Satellitenaufnahmen und Tonbandmitschnitten nachzuweisen, dass Bagdad nach Massenvernichtungswaffen strebt, Verbindungen zu Terrororganisationen unterhält und die UNO-Waffenkontrolleure systematisch hinters Licht führt.Jahre später wird er seine Aussagen in einem Interview bedauern.
(c) EPA (Tim Sloan)
Deutschland, Russland und Frankreich verweigern die Unterstützung eines Irakkriegs. Der damalige britische Premier Tony Blair hingegen sagt seine Hilfe zu und wird zu Bushs wichtigstem Verbündeten. Daneben mischte auch die "Koalition der Willigen" auf Seite der USA mit, die anfangs 43 Mitglieder gezählt haben soll - darunter Dänemark, Italien, Japan, Norwegen, Saudi-Arabien, Südkorea, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Bild: Britische Truppen versammeln sich zu einem Briefing von US Generalleutnant Jeff Conway in der Wüste von Kuwait.
Deutschland, Russland und Frankreich verweigern die Unterstützung eines Irakkriegs. Der damalige britische Premier Tony Blair hingegen sagt seine Hilfe zu und wird zu Bushs wichtigstem Verbündeten. Daneben mischte auch die "Koalition der Willigen" auf Seite der USA mit, die anfangs 43 Mitglieder gezählt haben soll - darunter Dänemark, Italien, Japan, Norwegen, Saudi-Arabien, Südkorea, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Bild: Britische Truppen versammeln sich zu einem Briefing von US Generalleutnant Jeff Conway in der Wüste von Kuwait.
(c) Reuters (Paul Jarvis)
Tausende Iraker nehmen an von der Regierung organisierten Märschen zur Unterstützung von Saddam Hussein teil.Am Bild: Eine irakische Frau hält während Protesten in Bagdad ein AK-47 Gewehr in die Höhe.
Tausende Iraker nehmen an von der Regierung organisierten Märschen zur Unterstützung von Saddam Hussein teil.Am Bild: Eine irakische Frau hält während Protesten in Bagdad ein AK-47 Gewehr in die Höhe.
(c) Reuters (Goran Tomasevic)
Bush stellt in einer Fernsehansprache dem irakischen Diktator ein Ultimatum: Sollten Saddam und seine Söhne das Land nicht innerhalb von 48 Stunden verlassen, würden die USA zu einem "Zeitpunkt ihrer Wahl" angreifen.Am Bild: "Operation Telic": Britische Panzerfahrzeuge fahren am 17. März 2003 durch die Wüste von Kuwait.
Bush stellt in einer Fernsehansprache dem irakischen Diktator ein Ultimatum: Sollten Saddam und seine Söhne das Land nicht innerhalb von 48 Stunden verlassen, würden die USA zu einem "Zeitpunkt ihrer Wahl" angreifen.Am Bild: "Operation Telic": Britische Panzerfahrzeuge fahren am 17. März 2003 durch die Wüste von Kuwait.
(c) Reuters (Dan Chung)
Saddam ignoriert Bushs Forderungen. Der Krieg beginnt - ohne UNO-Mandat - mit gezielten Luftangriffen auf die irakische Hauptstadt Bagdad. Auch die Bodenoffensive startet. Amerikanische und britische Truppen marschieren von Kuwait in den Irak ein.
Saddam ignoriert Bushs Forderungen. Der Krieg beginnt - ohne UNO-Mandat - mit gezielten Luftangriffen auf die irakische Hauptstadt Bagdad. Auch die Bodenoffensive startet. Amerikanische und britische Truppen marschieren von Kuwait in den Irak ein.
(c) Reuters (Damir Sagolj)
Weitere Luftangriffe auf Bagdad: Eine Explosion erschüttert den Palast Saddam Husseins am Ufer des Tigris. Am Bild: Fernlenkgeschosse schlagen im Hauptkomplex des Gebäudes ein.
Weitere Luftangriffe auf Bagdad: Eine Explosion erschüttert den Palast Saddam Husseins am Ufer des Tigris. Am Bild: Fernlenkgeschosse schlagen im Hauptkomplex des Gebäudes ein.
(c) Reuters (Goran Tomasevic)
Britische Kanonen und drei Regimente der Königlichen-Pferde-Artillerie nehmen die irakische Stadt Basra unter Beschuss.
Britische Kanonen und drei Regimente der Königlichen-Pferde-Artillerie nehmen die irakische Stadt Basra unter Beschuss.
(c) AP (DAN CHUNG)
Nach raschem Vorstoß wird Bagdad eingenommen, Diktator Saddam Hussein gelingt die Flucht.
Nach raschem Vorstoß wird Bagdad eingenommen, Diktator Saddam Hussein gelingt die Flucht.
(c) AP (JEROME DELAY)
US-Präsident George W. Bush verkündet an Bord des Flugzeugträgers "Abraham Lincoln" das Ende der wesentlichen Kämpfe ("Mission Accomplished").
US-Präsident George W. Bush verkündet an Bord des Flugzeugträgers "Abraham Lincoln" das Ende der wesentlichen Kämpfe ("Mission Accomplished").
(c) AP (J. SCOTT APPLEWHITE)
Nach dem "Kriegsende", reißt die Gewalt nicht ab: Viele irakische Städte werden von Anschlägen erschüttert - bis zum 12. Mai sterben dabei rund 400 Menschen. Die US-Streitkräfte zerstören weitere Bunker südlich von Bagdad. Erste Rufe nach einem Truppenabzug werden laut.
Nach dem "Kriegsende", reißt die Gewalt nicht ab: Viele irakische Städte werden von Anschlägen erschüttert - bis zum 12. Mai sterben dabei rund 400 Menschen. Die US-Streitkräfte zerstören weitere Bunker südlich von Bagdad. Erste Rufe nach einem Truppenabzug werden laut.
(c) AP (DAVID GUTTENFELDER)
Der von den USA eingesetzte Regierungsrat in Bagdad mit 25 Mitgliedern konstituiert sich.
Der von den USA eingesetzte Regierungsrat in Bagdad mit 25 Mitgliedern konstituiert sich.
(c) AP (JOHN MOORE)
Der UN-Sondergesandte Sergio Vieira de Mello und 21 weitere Menschen sterben bei einem Anschlag auf das Bagdader UN-Hauptquartier. Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan verurteilt die Aktion: "Nichts kann diesen brutalen Angriff auf Frauen und Männer entschuldigen, die in den Irak gekommen sind, um der Bevölkerung zu helfen." Am Bild: Ein Blick durch das Nachtsichtgerät eines Panzers.
Der UN-Sondergesandte Sergio Vieira de Mello und 21 weitere Menschen sterben bei einem Anschlag auf das Bagdader UN-Hauptquartier. Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan verurteilt die Aktion: "Nichts kann diesen brutalen Angriff auf Frauen und Männer entschuldigen, die in den Irak gekommen sind, um der Bevölkerung zu helfen." Am Bild: Ein Blick durch das Nachtsichtgerät eines Panzers.
(c) Reuters (Oleg Popov)
"Wir haben ihn!" Mit den Worten: "Ladies and gentlemen, we got him", verkündet US-Gouverneur Paul Bremer die Festnahme von Saddam Hussein. Gefunden wurde er in einem Erdloch bei seiner Heimatstadt Tikrit.
"Wir haben ihn!" Mit den Worten: "Ladies and gentlemen, we got him", verkündet US-Gouverneur Paul Bremer die Festnahme von Saddam Hussein. Gefunden wurde er in einem Erdloch bei seiner Heimatstadt Tikrit.
(c) AP
Videos und Fotografien aus dem Gefängnis Abu Graib tauchen auf - und lösen einen Skandal aus. Auf ihnen zu sehen sind irakische Gefängnisinsassen, die von US-Soldaten gefoltert wurden.
Videos und Fotografien aus dem Gefängnis Abu Graib tauchen auf - und lösen einen Skandal aus. Auf ihnen zu sehen sind irakische Gefängnisinsassen, die von US-Soldaten gefoltert wurden.
(c) AP (JOHN MOORE)
Ein US-Untersuchungsausschuss bezeichnet die angeführten Motive für den Irak-Krieg als weitgehend haltlos. Nach der Auswertung von 1000 Zeugenaussagen und zwei Millionen Dokumenten stellt der Ausschuss fest, dass es keine Hinweise für eine Kooperation Saddams mit al-Qaida gab. US-Waffeninspektoren bestätigen wenig später, dass keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden.
Ein US-Untersuchungsausschuss bezeichnet die angeführten Motive für den Irak-Krieg als weitgehend haltlos. Nach der Auswertung von 1000 Zeugenaussagen und zwei Millionen Dokumenten stellt der Ausschuss fest, dass es keine Hinweise für eine Kooperation Saddams mit al-Qaida gab. US-Waffeninspektoren bestätigen wenig später, dass keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden.
(c) EPA (Ahmad Al-Rubaye)
Die USA geben die Souveränität im Irak ab, US-Gouverneur Bremer verlässt das Land. Der Schiit Iyad Allawi amtiert als irakischer Übergangspremier.
Die USA geben die Souveränität im Irak ab, US-Gouverneur Bremer verlässt das Land. Der Schiit Iyad Allawi amtiert als irakischer Übergangspremier.
(c) REUTERS (� Reuters Photographer / Reuters)
Im Jänner wird die Nationalversammlung gewählt - und damit die erste freie Wahl seit 50 Jahren abgehalten. Im April wählt die Nationalversammlung den Kurden Djalal Talabani zum Staatschef, Premier wird der Schiit Ibrahim al-Jaafari (Bild).
Im Jänner wird die Nationalversammlung gewählt - und damit die erste freie Wahl seit 50 Jahren abgehalten. Im April wählt die Nationalversammlung den Kurden Djalal Talabani zum Staatschef, Premier wird der Schiit Ibrahim al-Jaafari (Bild).
(c) AP (HADI MIZBAN)
Iraks neue Verfassung wird per Referendum angenommen, gegen den Willen der meisten Sunniten, die ihre Marginalisierung befürchten.Exakt zwei Monate später erringen die Schiiten-Parteien bei der Parlamentswahl den Wahlsieg. Neuer Premier wird der Schiit Nouri al-Maliki.
Iraks neue Verfassung wird per Referendum angenommen, gegen den Willen der meisten Sunniten, die ihre Marginalisierung befürchten.Exakt zwei Monate später erringen die Schiiten-Parteien bei der Parlamentswahl den Wahlsieg. Neuer Premier wird der Schiit Nouri al-Maliki.
(c) AP (Nabil al-Jurani)
Saddam wird gehängt. Er wurde wegen eines Massakers an 148 Schiiten zum Tode verurteilt. Seine letzten Worte sollen gelautet haben: "Ich habe euch vom Elend befreit und eure Feinde zerstört. Gott verdamme euch."
Saddam wird gehängt. Er wurde wegen eines Massakers an 148 Schiiten zum Tode verurteilt. Seine letzten Worte sollen gelautet haben: "Ich habe euch vom Elend befreit und eure Feinde zerstört. Gott verdamme euch."
(c) EPA (Ali Haider)
Bush gibt zu, die Lage im Irak falsch eingeschätzt zu haben. Es habe ihn "geschockt und verärgert", dass seine Informationsgrundlage falsch gewesen sei, meint er in einem TV-Interview. Zugleich beharrt er auf seinem Standpunkt: "Ich sage, dass es der Welt ohne Saddam Hussein wesentlich besser geht."
Bush gibt zu, die Lage im Irak falsch eingeschätzt zu haben. Es habe ihn "geschockt und verärgert", dass seine Informationsgrundlage falsch gewesen sei, meint er in einem TV-Interview. Zugleich beharrt er auf seinem Standpunkt: "Ich sage, dass es der Welt ohne Saddam Hussein wesentlich besser geht."
(c) AP (Charles Dharapak)
Die USA und der Irak einigen sich auf einen Abzug der US-Truppen bis Ende 2011 - auf dem Höhepunkt des Konflikts waren bis zu 171.000 Mann im Einsatz. Die Briten haben ihren Kampfeinsatz bereits im Mai offiziell beendet.Unterdessen haben die Iraker in elf von 18 Provinzen die Verantwortung für die Sicherheit. Fünf Monate später übernehmen sie von den Amerikanern die Kontrolle über die abgeriegelte Grüne Zone in Bagdad.
Die USA und der Irak einigen sich auf einen Abzug der US-Truppen bis Ende 2011 - auf dem Höhepunkt des Konflikts waren bis zu 171.000 Mann im Einsatz. Die Briten haben ihren Kampfeinsatz bereits im Mai offiziell beendet.Unterdessen haben die Iraker in elf von 18 Provinzen die Verantwortung für die Sicherheit. Fünf Monate später übernehmen sie von den Amerikanern die Kontrolle über die abgeriegelte Grüne Zone in Bagdad.
(c) AP (SAURABH DAS)
Der neue US-Präsident Barack Obama kündigt den Abzug der US-Truppen aus dem Irak an. Am 14. Dezember 2011 kann er seinen Worten Taten folgen lassen, indem er die letzten heimkehrenden Soldaten begrüßt. Dabei erinnert er auch an die vielen Gefallenen: Dank ihrer "Opfer" hätten die Iraker nun ihr eigenes Schicksal in der Hand. Und: "Wir beenden einen Krieg nicht mit einer finalen Schlacht, sondern mit einem finalen Marsch nach Hause."
Der neue US-Präsident Barack Obama kündigt den Abzug der US-Truppen aus dem Irak an. Am 14. Dezember 2011 kann er seinen Worten Taten folgen lassen, indem er die letzten heimkehrenden Soldaten begrüßt. Dabei erinnert er auch an die vielen Gefallenen: Dank ihrer "Opfer" hätten die Iraker nun ihr eigenes Schicksal in der Hand. Und: "Wir beenden einen Krieg nicht mit einer finalen Schlacht, sondern mit einem finalen Marsch nach Hause."
(c) EPA (ISAF/HANDOUT)
Zehn Jahre nach dem Beginn der US-Invasion, herrscht im Irak Verbitterung: "Die Amerikaner haben mein Land zerstört", ist ein Satz, der häufig zu hören ist. Ausgenommen davon sind nur einige Politiker und ehemalige politische Gefangene, die im Frühjahr 2003 aus den Folterkellern der Schergen von Saddam Hussein befreit wurden. Günstlingswirtschaft und Korruption sind jedoch in den Ministerien heute nicht weniger verbreitet als unter dem Diktator.
Zehn Jahre nach dem Beginn der US-Invasion, herrscht im Irak Verbitterung: "Die Amerikaner haben mein Land zerstört", ist ein Satz, der häufig zu hören ist. Ausgenommen davon sind nur einige Politiker und ehemalige politische Gefangene, die im Frühjahr 2003 aus den Folterkellern der Schergen von Saddam Hussein befreit wurden. Günstlingswirtschaft und Korruption sind jedoch in den Ministerien heute nicht weniger verbreitet als unter dem Diktator.
(c) REUTERS (DANISH ISMAIL)

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