Eishockey: Die Knechtschaft der Vienna Capitals

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Salzburg feierte mit dem 3:1-Sieg in Wien einen immens wichtigen Erfolg, die Capitals haben im Halbfinal-Play-off ihren Heimvorteil verspielt. Linz führt gegen KAC 2:1.

Wien. Im Grunddurchgang der Erste-Bank-Eishockeyliga lagen Welten zwischen Wien und Salzburg. Die Capitals sicherten sich mit dem Gewinn des 44 Runden umfassenden Spielbetriebes die beste Ausgangssituation für die Play-offs. 28 Siege garantierten das begehrte Play-off-Heimrecht. Salzburg schaffte nur 22 Siege, verbrauchte 28 Legionäre und rettete sich gar nur über die Qualifikationsrunde in die Top acht.

Im Halbfinale trennen die Klubs immer noch Welten, vor allem, was finanzielle Aufwände, Fan-Interesse und langfristige Zielsetzungen anbelangt. Nur die Anschauung wurde auf den Kopf gestellt: Salzburg gewann das dritte Spiel der Best-of-7-Serie in Wien vor 7000 Zuschauern mit 3:1 (1:0, 1:0, 1:1). Wien hat den Vorteil verspielt, Salzburg führt mit 2:1-Siegen und kann am Dienstag (19.25 Uhr, Servus TV) vorlegen. Zwei Heimsiege reichen zum Finaleinzug.

Es ist eine bekannte Strategie, die Salzburg unter Trainer Pierre Pagé offenbar verfolgt. Während der laufenden Saison munter Legionäre testen, Kräfte sparen, zwischendurch junge Spieler forcieren, trotzdem mitspielen und erst in den Play-offs Tempo und Gangart richtig erhöhen. In Wien erlebten Fans und Klub in den vergangenen Jahren zumeist das Gegenteil – nach beeindruckenden Spielen klappte im Play-off nichts mehr.

Immer wieder Salzburg

Damit droht sich das Salzburg-Trauma der Capitals fortzusetzen. Seit ihrem Meisterjahr 2005 scheiterten sie gleich fünfmal im Halbfinale (2006, 2007, 2008, 2009, 2011) an den Bullen. Es mutet als wahre Knechtschaft an, für pure Zufälle ist diese Serie jedenfalls zu lang.

„Das zeichnet ein gutes Team doch aus, zum richtigen Zeitpunkt ein Tor zu machen“, sagt Salzburg-Crack Daniel Welser in Anspielung auf das 3:1, das in einer Drangperiode der Wiener in der 55. Minute gefallen ist und die Vorentscheidung bedeutete. Coach Pagé hingegen hat zu der ganzen Thematik seine eigene Sichtweise: „Das letzte Match, die vergangenen Wochen, und alles davor ist uninteressant. Es geht um die Play-offs, den Titel – das ist unsere Ideologie. Und: Wir können unter Stress und Druck einfach besser spielen.“

Capitals-Coach Tommy Samuelsson muss nun beweisen, dass er der richtige Mann ist. Zu viele Bullys gingen verloren, Zweikämpfe ebenso, Torschüsse gab es nur wenige. Der bisherige Saisonverlauf bestätigt zwar den Schweden, doch verpasst Wien erneut das Finale – Ausfälle hin oder her –, werden Erinnerungen an Vorgänger Kevin Gaudet wach. Der Kanadier war beharrlich im Halbfinale gescheitert. Erst nach drei Anläufen hatte die Klubführung genug...

Im zweiten Halbfinale hielt sich Titelverteidiger Black Wings Linz vor eigenem Publikum gegen KAC mit 4:1 (1:0, 1:0, 2:1) schadlos und führt in der Serie mit 2:1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2013)

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