Holzindustrie: Biomasse-Boom führt zu Engpass beim Holz

(c) Egger
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Obwohl 48 Prozent der Landesfläche Wald sind, muss Holz aus Deutschland und Tschechien importiert werden.

Wien. Bäume, Bäume und nochmals Bäume. Wer quer durch Österreich fährt, wird dabei vor allem eines sehen: viel Wald. 48Prozent der Landesfläche sind hierzulande mit Wald bedeckt. Mit 1,1 Mrd. Festmetern liegt der heimische Holzvorrat sogar bei einem Drittel unseres wesentlich größeren Nachbarn Deutschland, wie aus den Zahlen der heimischen Holzindustrie hervorgeht. Und es wächst pro Jahr auch mehr Holz zu, als verbraucht wird. Alles paletti also für Unternehmen, die auf den Rohstoff angewiesen sind?

„Wir haben in Westeuropa ein riesiges Holzproblem“, zeichnet Thomas Leissing, Vorstandssprecher des Tiroler Spanplattenkonzerns Egger im Gespräch mit der „Presse“ ein wesentlich düstereres Bild. „Holz ist nicht in Unmengen vorhanden. Österreich muss schon seit Jahren sehr viel Holz aus Deutschland oder Tschechien importieren, um den Bedarf zu decken.“ Grund dafür ist die seit einigen Jahren steigende Nachfrage: Auf der einen Seite stehen die hierzulande sehr starke Papierindustrie und traditionelle Holzverarbeiter wie Egger – ein Unternehmen, das pro Jahr 4,3 Mio. Tonnen Holz (etwa ein Fünftel davon in Österreich) zu Platten verarbeitet und mit knapp 6800 Mitarbeitern an 17 Standorten in ganz Europa zuletzt einen Umsatz von fast zwei Mrd. Euro erzielt hat. Auf der anderen Seite steht die in jüngster Zeit kräftig expandierende Biomasse-Industrie.

„Ohne Altholz hätten wir schon längst ein Problem, uns mit genügend Rohstoff zu versorgen“, so Leissing. So bestünden Spanplatten heutzutage bereits zu 25 bis 30 Prozent aus wiederverwerteten Möbeln. „Auf der Deponie landet schon längst kein Holz mehr.“ Da die Biomasse-Hersteller jedoch mit dem hohen Preisniveau des Energiesektors den Holzpreis treiben würden, ergebe sich die kuriose Situation, dass bei den langlebigen Spanplatten Altholz verwendet werde, während frisches Holz zu Pellets verarbeitet werde – obwohl diese nachher ohnehin im Ofen landen. „Die Kunden wollen halt anscheinend nur frische, schöne Pellets haben“, meint Leissing.

Ärger über Preispolitik der ÖBB

Mit Importen aus dem Ausland könne dieses Problem nur zum Teil gelöst werden, da die Transportkosten sehr schnell zu hoch werden. „Logistik ist ein entscheidendes Thema. Der Transport von Holz macht nur innerhalb von 100 Kilometern Sinn, jener von fertigen Platten innerhalb von bis zu 250Kilometern.“ Sehr verärgert ist man bei Egger daher auch über die ÖBB, die vor zwei Jahren die Preise für Holztransporte deutlich erhöht haben. Laut ÖBB-Chef Christian Kern hatten diese zum Teil einen Kostendeckungsgrad von nur 30 Prozent.

„Die Preispolitik der ÖBB hat dazu geführt, dass wir massiv Transporte auf Lkw verlagert haben. Weil die Bahn in Ungarn Ertragsprobleme hat, wurden die Preise für uns erhöht. Das hat aber auch den ÖBB nichts gebracht, denn die Kostenstruktur ist ja gleich geblieben, der Umsatz ist aber zurück gegangen“, sagt Leissing. So habe Egger seit 2006 die pro Jahr auf der Schiene transportierte Holzmenge von einer auf eine halbe Mio. Tonnen reduziert. Das entspricht knapp 15.000 Lkw-Ladungen, die seither mehr auf den Straßen rollen.

Abseits dieser Rohstoff- und Logistikprobleme ist für Egger natürlich auch die allgemeine Wirtschaftsentwicklung entscheidend. „Wir hängen stark vom Wohnungsneubau ab. Und bei diesem gab es in der Krise deutliche Rückgänge“, sagt Leissing. So sank der Umsatz im Krisenjahr 2009/10 auf 1,5 Mrd. Euro, stieg seither jedoch wieder um fast ein Drittel an. Hilfreich sei dabei gewesen, dass Egger immer noch vollständig in Familienbesitz steht. „Es gibt kein Schielen auf kurzfristige Quartalszahlen“, sagt Leissing. Positiv wirke sich aber auch das Engagement in Osteuropa aus, wo Egger vor allem in Rumänien und Russland mit eigenen Werken aktiv ist. „Wir sehen nach wie vor eine gute Entwicklung in Osteuropa.“

Hohe Margen in Russland

So hätten diese Märkte nicht nur höhere Wachstumsraten, sondern auch ein anderes Konsumverhalten. „In Russland gibt es auch im Innenleben der Küchenschränke hochwertige Dekore“, sagt Leissing. Und diese Platten würden höhere Margen abwerfen als die in Westeuropa eingesetzten, einfachen weißen Platten. „Das ist also ein sehr interessanter Markt für uns.“

Grundsätzlich würden sich Spanplatten in ihrem Innenleben kaum unterscheiden, entscheidend seien die Qualität der Oberfläche und das Dekor. „Wir haben eine eigene Designmannschaft, die auf Kleider- oder Automessen geht, um dort nach den neuesten Trends Ausschau zu halten.“, sagt Leissing.

Auf einen Blick

Thomas Leissing ist Finanzvorstand und Vorstandssprecher von Egger. Egger ist einer der größten Spanplattenhersteller Europas. Das 1961 im Tiroler St. Johann gegründete Unternehmen erzielte im Vorjahr mit 6800Mitarbeitern in 17 Werken einen Umsatz von fast zwei Mrd. Euro. Kunden sind so gut wie sämtliche Möbelhersteller (auch Ikea). Das Unternehmen befindet sich zu 100Prozent in Familienbesitz. Die bekannte Brauerei Egger ist eine Schwesterfirma. [Egger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2013)

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