Der Spielbetrieb bei den Hypo-Damen läuft auch nach Gunnar Prokop weiter, der Serienmeister erreichte das Halbfinale im Cup der Cupsieger. Die Machtverhältnisse, sagt Klubveteran Feri Kovacs, haben sich aber verschoben.
Wien. Es ist ruhiger geworden in der Südstadt, sagt Feri Kovacs. Seitdem Gunnar Prokop bei den Hypo-Handballerinnen nicht mehr das Zepter schwingt, weht seit drei Jahren ein anderer Wind. Kovacs muss es wissen, immerhin ist der Ungar seit fünfzehn Jahren mit dem Verein verbunden und agiert als Ko-Trainer sowie Nachwuchs-Coach. Er hat Stars, Betreuer und Spielerinnen kommen, wieder gehen oder „hochkant fliegen“ sehen. Der Verein und sein Mythos aber leben weiterhin.
„Hypo ist ein Prestigeklub. Wir spielen in Europa, haben super Nachwuchsprojekte. Vieles ist anders, einige Probleme aber sind geblieben“, sagt Kovacs. Eigenbauspielerinnen gebe es, sogar Talente mit Chancen. Aber: „Die Mädchen machen Matura, studieren, gehen dann lieber fort und planen ihre Familie, statt Handball zu trainieren.“ Österreicherinnen geben zu oft zu schnell auf. An dieser Tatsache ist selbst Prokop gescheitert.
Zudem hat sich die „Macht“ im Damenhandball verlagert. War einst der Ostblock Lieferant topausgebildeter, billiger Spielerinnen, winken nun in Rumänien, Russland und Ungarn Traumgagen. 10.000 Euro netto sollen Stars monatlich verdienen. Bei Hypo ist das undenkbar, irgendwann waren auch die Einbürgerungen vorbei.
Geld oder Apfelstrudel
Damit folgten Stars nur noch dem Lockruf des Geldes. Dass noch einmal Stars in der Größenordnung von Kolar-Merdan, Fridrikas oder Oh für den 36-fachen Serienmeister spielen werden, glaubt Kovacs nicht. Alexandra do Nascimento jedoch wirft weiterhin in der Südstadt scharfe Bälle. Die Brasilianerin ist Welthandballerin 2012, wird von Klubs umworben und hält Hypo nach zehn Jahren dennoch die Treue. „Sie hat einen langfristigen Vertrag“, sagt Kovacs, „außerdem weiß sie die Nähe zu Wien zu schätzen. Es ist ein sicheres Umfeld, nicht wie in Rumänien. Hypo gehört zu den Top Ten in Europa. Der Klub ist wichtig für Österreichs Nachwuchsarbeit und bleibt damit immer ein Ausnahmeklub.“
Die Zeiten, an denen sonntags um neun Uhr früh die Champions League zelebriert wurde, sind vorüber. Zurück bleiben nur Erinnerungen an acht Triumphe, Pokale und Skandale mitsamt bitteren Niederlagen. Trotzdem, die aktuelle Mannschaft schlage sich trotz des erneuten vorzeitigen Ausscheidens gut, sagt Kovacs und spielt auf das Erreichen des Halbfinales im Cup der Cupsieger an. Hypo habe immerhin Wolgograd (Gesamtscore 56:53) ausgeschaltet und treffe im April nun auf Thüringen, den Klub von ÖHB-Teamchef Herbert Müller. „Das wird ein Prestigekampf. Zudem ist das Spiel auch für Trainer Andras Nemeth wichtig. Er hört mit Saisonende auf und wird ungarischer Teamchef.“
In der Südstadt gab es immer ein „Kommen und Gehen“. Unverändert geblieben sind seit Jahrzehnten nur die Fans. Sie wurden durch Europacup-Hits aber zu Experten. „Bei guten Gegnern ist die Halle randvoll“, sagt Kovacs.
Bei Ligaspielen, etwa gegen Korneuburg, könne man aber jeden Einzelnen per Handschlag begrüßen. Doch das nehmen viele Spielerinnen gelassen, verrät ein Tribünenstammgast. So wüssten sie immer, mit wem sie es zu tun hätten. Und nach manchem Spiel gibt's Omas besten Apfelstrudel...
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2013)