Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Pop

Depeche Mode in Wien: Die Macht der Rituale

Sänger Dave Gahan, der österreichische Schlagzeuger Christian Eigner im Hintergrund.
Sänger Dave Gahan, der österreichische Schlagzeuger Christian Eigner im Hintergrund.(c) T-Mobile (Markus Nass, Electronic Beats)
  • Drucken

Die britischen Elektronikpioniere gaben am Sonntagabend bei einem "Album Launch Event" zehn Songs zum Besten. Nicht alle Fans waren begeistert.

Am 22. März ist „Delta Machine“, das 13. Studioalbum der britischen Elektropioniere Depeche Mode erschienen. Und erneut wird Leiden wohlig zelebriert (mehr dazu…). Nur zwei Tage später ist nun am Sonntagabend in Wien im Museumsquartier vor rund 1400 Fans ein sogenanntes „Album Launch Event“ von T-Mobile (mehr unter electronicbeats.net) über die Bühne gegangen, bei dem die Band zehn Songs zum Besten gab: Fünf von dem neuen Album, durchmischt mit fünf Klassikern. Für die drei Bandmitglieder Martin Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher war es ein willkommenes Aufwärmen für die im Mai beginnende Tour.

Für eingefleischte Fans barg die Setlist keine Überraschungen. Denn Depeche Mode griffen auf die gleichen Lieder zurück, die sie in den vergangenen Wochen bereits beim South by Southwest Festival in Austin/Texas und beim Auftritt in der Letterman-Show (dort fehlte nur das von Martin Gore gesungene „Only when I lose myself“) gesungen hatten.

Depeche Mode Wien Verwehre
Depeche Mode Wien Verwehre(c) T-Mobile (Markus Nass, Electronic Beats)

Depeche-Mode-Fans sind vor allem Nostalgiker

Aber von vorne: Das 50-minütige Konzert startete mit dem neuen Song „Angel“, der Sänger Dave Gahans Bariton voll zur Geltung bringt. Mit „Should be Higher“ folgte eine weitere Nummer des Albums, die auch live das Potenzial zu einem echten Depeche-Mode-Klassiker besitzt. Eingängiges Elektronikgeklimper gepaart mit der charismatischen, nach Aufmerksamkeit gierenden Stimme des Leadsängers. Richtige Stimmung kam aber erst mit der dritten Nummer auf. Denn Depeche-Mode-Fans sind vor allem eines: Nostalgiker. Der Live-Interpretation des Ohrwurms „Walking in my Shoes“ hörte man nicht an, dass der Song bereits 20 Jahre auf dem Buckel hat. Die darauffolgende 2013-Version von „Barrel of a Gun“, eines der düstersten Werke aus der selbstzerstörerischsten Phase der Band Mitte der 1990er Jahre, wirkte zwar weiterhin kraftvoll, aber irgendwie überraschend milde. Der Übergang zum melancholischen Elektro-Blues von „Heaven“, der ersten Single des neuen Albums verlief daher nahezu fließend.

Als Dave Gahan anschließend die Bühne für eine Sing-Pause verließ und das Mikrofon an Haupt-Songwriter Martin Gore übergab, kam es zu einer kleinen Überraschung. „Only when I Lose myself“ hat die Band zuletzt bei der „Singles Tour“ 1998 live gespielt. Schön, dass man diesen Song hervorgeholt hat, der auf keinem Album veröffentlicht wurde, sondern nur Beiwerk zu der damaligen Tour war. Es ist eines der meistverkannten, komplexesten und reifsten Lieder von Depeche Mode. Ideal zum Aufwärmen für „Personal Jesus“, dem wohl zweitbekanntesten Stück der Briten. Das Original aus dem Jahr 1990 klang am Sonntagabend ebenso gut wie seine berühmtesten Cover-Versionen von Johnny Cash und Marilyn Manson. Nun erhob sich auch das Publikum auf den rund 400 Sitzplätzen. Zumal die Fans zu Beginn mit einer Akkustik-Version weichgeklopft wurden, ehe der Song in seiner bekannten Intensität von der Leine gelassen wurde. „Reach out, touch faith“, sangen Gahan und die Fans.

Depeche-Mode-Fans und ihre Rituale

Dann folgten zwei neue Stücke. „Soft Touch/Raw Nerve“ wirkt auf „Delta Machine“ eher wie ein Lückenfüller, live hatte der Song zwar deutlich mehr Power, doch gegen das nachfolgende “Soothe my soul“, ein Highlight des neuen Albums fiel er auch hier deutlich ab. Der Boden war somit bereitet für jene Elektro-Hymne, die jeder mit Depeche Mode verbindet - „Enjoy the Silence“. Für Sänger Dave Gahan der angenehmste Teil, denn die Fans hatten den Gesangspart übernommen: „All I ever wanted, all I ever needed, is here in my arms, words are very unnecessary, they can only do harm“, hallte es durch die Halle E des Museumsquartier. „Yeah, that’s right“, war alles, was Gahan zu sagen blieb - ein liebgewonnenes Ritual.

Depeche Mode Wien Verwehre
Depeche Mode Wien Verwehre(c) T-Mobile (Markus Nass, Electronic Beats)

Und das ist wohl auch der Grund, warum nicht wenige echte Devotees das Album-Launch-Event mit einem ambivalenten Gefühl verlassen haben. Denn auch Zugaben gehören zum Ritual und diese wurden der zelebrierenden Masse diesmal verwehrt. Die Lichter gingen an und die Leidens- und Nostalgie-Veteranen blieben mit dem unguten Gefühl zurück: Irgendwie hatte da diesmal etwas gefehlt.

Auch gesehen

Interessantes Detail am Rande: Auch H.P. Baxter, Sänger der Elektro-Band Scooter, die mit Songs wie „Hyper, Hyper“ und „How much is the fish“ berühmt wurde, mischte sich unter die Menge. Scooter hatten Depeche Mode 2004 mit einer Coverversion von „Stripped“ Tribut gezollt. Auch die deutsche Schauspielerin Jessica Schwarz ("Romy") war vor Ort.

Der Stream zu dem Event ist am 10. April ab 21 Uhr auf www.fan4fan.com zu sehen.

Die Wien-Setlist

1. Angel 2. Should be higher 3. Walking in my Shoes 4. Barrel of a Gun 5. Heaven 6. Only when I lose myself 7. Personal Jesus 8. Soft Touch/Raw Nerve 9. Soothe my Soul 10. Enjoy the Silence