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Arbeitsproduktivität: Verdienen wir, was wir verdienen?

Symbolbild(c) REUTERS (PASCAL LAUENER)
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Im EU-Vergleich sind Österreicher hoch produktiv, aber vergleichsweise teuer. Auch, weil sich der Staat gerne an den Einkommen der Angestellten bedient.

Wien. Jede dritte Minute, die Österreicher in der Arbeit verbringen, nutzen sie nicht produktiv, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von Czipin Consulting. Exzessive Pausen oder schlechte Arbeitsmoral sind nur selten der Grund. Doppelt so oft haben Mitarbeiter ungewollte Stehzeiten, weil sie darauf warten, dass ihr Computer wieder funktioniert.

Tatsächlich leisten die Österreicher aber weit mehr, als ihnen in diversen Studien unterstellt würde, sagte Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske am Montag. Von den Unternehmen forderte er mehr Respekt vor den Leistungen der Arbeitnehmer – und vor allem eine stärkere Beteiligung am Gewinn statt hoher Dividendenzahlungen.

Vorsprung schmilzt seit zehn Jahren

Erhalten die Österreicher für das, was sie leisten, angemessenen Lohn? Oder verkaufen sich die Arbeitnehmer unter ihrem Wert? Und wer trägt Schuld daran?

Der erste Blick in die Statistik von Eurostat zeigt: Im Vergleich mit den restlichen 26 EU-Ländern sind die heimischen Arbeiter und Angestellten tatsächlich Hochleister. Bei der Arbeitsproduktivität pro Beschäftigtem liegen nur Luxemburg, Irland und Belgien noch weiter über dem EU-Schnitt als Österreich. Das viel gelobte Deutschland landet deutlich dahinter (siehe Grafik). Vor allem in den exportstarken Technologienischen punkten heimische Betriebe mit Produktivitätssteigerungen von bis zu acht Prozent im Jahr.

Ein Grund, sich zurückzulehnen, ist das aber nicht. Denn erstens sieht es abseits des alten Kontinents schon nicht mehr so rosig aus: Die USA liegen etwa 43,6Prozent über dem EU-Schnitt und 26,9Prozentpunkte besser als Österreich. Und zweitens ist die immer noch gute Position des Landes in Europa keine Errungenschaft der vergangenen Jahre. Im Gegenteil: Seit der Jahrtausendwende ist der Produktivitätsvorsprung geschrumpft. Waren Österreicher im Jahr 2000 noch 23,6Prozent produktiver als im EU-Schnitt, so betrug der Vorsprung im Jahr 2011 (aktuellere Daten liegen nicht vor) nur noch 16,7Prozent. Das ändert freilich nichts daran, dass Österreichs Arbeitnehmer immer noch im Spitzenfeld unterwegs sind.

Aber: Entscheidend – auch für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes – ist nicht nur die Frage, wie viel seine Menschen leisten, sondern auch, wie viel sie dafür bekommen. Der beste Gradmesser, den Ökonomen dafür gefunden haben, sind die Lohnstückkosten. Sie geben an, wie viel ein Unternehmen für eine bestimmte Produktionsmenge zu bezahlen hat. Sinkt die Produktivität – wie in Österreich seit 2000 der Fall – oder steigen die Löhne, dann wird die Produktion teurer und die Konkurrenzfähigkeit sinkt.

Bemüht man hier neuerlich Brüssels Datenberge, so sieht man: Seit 2002 sind die Lohnstückkosten in Österreich deutlich schneller gestiegen als jene der 17 Euroländer im Schnitt. Das liegt auch daran, dass weitere Steigerungen auf hohem Niveau schwieriger sind. Deutschland hat es dennoch geschafft, seinen Vorsprung bei den Lohnstückkosten gegenüber der Eurozone in den vergangenen Jahren zu halten. In Summe hat Österreich also in Sachen Wettbewerbsfähigkeit an Boden verloren.

Aufschluss darüber, ob Österreichs Arbeitnehmer angemessen entlohnt wurden, gibt das allerdings auch nur beschränkt. Denn die höheren Lohnstückkosten liegen nicht daran, dass die Nettolöhne in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen wären. Das Problem ist vielmehr: Der Nettolohn interessiert Statistiker ebenso wenig wie die Arbeitgeber. Der Bruttolohn übrigens genauso. Die einzig relevante Größe sind die gesamten Arbeitskosten, also die Bruttogehälter inklusive aller Steuern und Abgaben, die der Unternehmer für seine Mitarbeiter an den Staat abführen muss.

Arbeitsproduktivitaet Verdienen verdienen
Arbeitsproduktivitaet Verdienen verdienen

Jeder zweite Euro an den Fiskus

Und hier zeigt sich: In kaum einem Land sind diese versteckten Arbeitskosten höher als in Österreich. Von einem Euro, den der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter ausgibt, landen nur 51,6 Cent am Konto des Beschäftigten. Damit rangiert Österreich auf dem fünften Platz der Hochsteuerländer innerhalb der OECD. Zum Vergleich: Im Schnitt bekommen Arbeitnehmer in OECD-Ländern 13,1 Cent mehr von jedem Euro, den ihre Arbeitgeber für sie bezahlen. Es ist also durchaus möglich, dass Rudolf Kaske recht hat, und Österreichs Arbeitnehmern mehr Geld zustehen würde, als sie erhalten. Die bessere Adressatin für diese Forderungen ist aber wohl Maria Fekter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2013)