In sechs Jahren gab es fünf Geschäftsführer. "Die vorzeitige Auflösung der Verträge war mit hohen Zusatzkosten verbunden", heißt es wörtlich.
Wien. Eigentlich sollte sich die 1997 gegründete Wellcon ja um die Gesundheit der ÖBB-Mitarbeiter kümmern. In den Jahren zwischen 2006 und 2011 hat sich das Unternehmen, das zu einem Drittel der Staatsbahn und zu zwei Dritteln der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) gehört, aber vor allem um sich selbst gekümmert. Diesen Eindruck hinterlässt zumindest ein Rechnungshofbericht über das Unternehmen.
Darin kritisieren die Prüfer eine Reihe von Ineffizienzen bei der Wellcon – allem voran den fünffachen Wechsel in der Geschäftsführung innerhalb von sechs Jahren (von 2006 bis 2011). „Die vorzeitige Auflösung der Verträge war mit hohen Zusatzkosten, insbesondere für freiwillige Abfertigungen, Bonuszahlungen bzw. Beraterverträge, verbunden. Die Kündigungsfristen (...) und die Gewährung von Bonifikationen waren großzügiger als in den Vertragsschablonen des Bundes“, heißt es wörtlich.
Enge Bande zur Gewerkschaft
Pikantes Detail dieses fünfmaligen Wechsels an der Wellcon-Spitze ist, dass es sich dabei immer wieder um Personen gehandelt hat, die ein Naheverhältnis zur ÖBB-Gewerkschaft haben. So war etwa jene Geschäftsführerin, die im Mai 2007 – unter anderem aufgrund „wesentlicher Mängel in den Geschäftsprozessen“ – ihr Amt zurücklegte, die Lebensgefährtin des damaligen ÖBB-Betriebsratschefs Wilhelm Haberzettl – „Die Presse“ berichtete 2007. Sie behielt ihren Job als ärztliche Leiterin, bezog zudem noch ein halbes Jahr lang Geschäftsführergehalt obwohl sie diese Position nicht mehr innehatte, wie der Rechnungshof heute schreibt. Der Wellcon seien dadurch Mehrausgaben in Höhe von 23.527,70 Euro entstanden, so die Prüfer.
„Es war eine schwierige Zeit damals“, sagt dazu Gottfried Winkler, VAEB-Obmann und damals Stellvertreter von Haberzettl im ÖBB-Betriebsrat, auf Anfrage der „Presse“. Zu der konkreten Bestellung der Geschäftsführerin könne er jedoch nichts sagen, da er nicht daran beteiligt gewesen sei.
Doch auch abseits der Geschäftsführerposten fand der Rechnungshof einige Kritikpunkte. So zog sich eine Kundenbefragung mit 22 (!) Befragten über drei Jahre (von 2009 bis 2012) hin und verursachte Kosten in Höhe von 12.950Euro. „Eine Umfrage, die drei Jahre dauert, ist sicher nicht effizient“, muss auch Winkler eingestehen. Die genauen Gründe für diese Verzögerungen könne er jedoch nicht nennen. „Es hat sicherlich Versäumnisse gegeben. Wir haben die Anmerkungen des Rechnungshofes aber schon umgesetzt oder werden das noch erledigen.“ Zur Prüfung wurde die Wellcon vom Rechnungshof übrigens per Zufallsprinzip ausgewählt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2013)