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Führer auf dem Weg zu sich selbst

Mentoring
Mentoring(c) BilderBox (BilderBox / Erwin Wodicka)
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Die Idee ist alt: Erfahrene Führungskräfte stehen jüngeren Schützlingen mit Rat und Netzwerk zur Seite. Neu sind die hohen Anforderungen an die Mentoren selbst.

Ursprünglich bezeichnete „Mentor“ schlicht einen väterlichen Freund. Im Wandel der Zeit hat er die Rolle eines erfahrenen Beraters übernommen, der in anleitender Funktion Personen in ihrer Ausbildung fachlich begleitet. Sein Aufgabengebiet ist mittlerweile vielfältig, sein Status professioneller. Geblieben ist der Fokus auf die Vermittlung von Erfahrungswissen.

„Mentoring ist in allen Lebensbereichen hilfreich, in Alltagskrisen, Ausnahmesituationen sowie beim zielorientierten Handeln. Mentoren begleiten prinzipiell Veränderungsprozesse, die sich zum Beispiel in Beziehungen, Projekten, bei Generationskonflikten oder in der Karriere ergeben“, erklärt Christian Schweiger, Obmann des in Kärnten angesiedelten Vereins Mentorenschule. In welch vielfältiger Weise Mentoring heute angeboten wird, betont auch Mario Slobodzian-Wang, Leiter der auf Mentoring spezialisierten Wiener Schattenagentur: „Ob in Fragen der Berufsorientierung, der Chancengleichheit, der Immigration oder bei Projekten für Jugendliche – das Betätigungsfeld für Mentoren ist weit gefasst.“ Mentoring wird besonders in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft eingesetzt.

Mentoren rekrutieren sich üblicherweise aus den Führungsetagen oder sind selbst Unternehmer, denen an der Förderung von Nachwuchskräften liegt. Eine Förderung, die laut Doris Denk vom sozialpädagogischen Beratungsinstitut Donauvision „in einem Beratungssetting erfolgt, bei dem Mentoren einerseits als Vorbilder dienen und andererseits die individuelle Karriere der Mentees mit strategischen Ratschlägen und Unterstützung beim Networking vorantreiben“. Durch die kollegiale Beratung werden die Kommunikation und das Wissensmanagement in Unternehmen unterstützt. „Ein Beitrag zur Organisationsentwicklung, der eine Win-win-Situation darstellt“, so Denk. Neben dem Nutzen, den die Mentees beziehen, erhalten auch die Mentoren neue Impulse sowie die Chance, ihre eigene Arbeit zu reflektieren und ihre Motivation zu steigern.

 

Empathie, Wertschätzung und Kreativität

Mit der Streuung der Aufgabenfelder ist auch der Anspruch an die Mentoren gestiegen. „Zu den Kompetenzen die man mitbringen sollte, gehören Empathie, Wertschätzung, Kreativität und Kenntnisse über die psychodynamische Entwicklung und Vielseitigkeit des Menschen“, so Slobodzian-Wang. Auch sei eine Basisausbildung in einem gängigen psychosozialen Beruf von Vorteil und eine zusätzliche fundierte Ausbildung sinnvoll. „In der Schattenagentur lehren wir künftige Mentoren, sich mit den von uns so bezeichneten Schattenanteilen, also den verdrängten Seiten einer Person, Organisation oder eines Teams, fördernd zu befassen.“ „Schatten“ sind nach C.G. Jung das „Es“ des Menschen, eine notwendige Ergänzung zum bewussten „Ich“. Laut Slobodzian-Wang geht darum, Schattenanteile zu erkennen und zu personifizieren, um Energien und Potenziale frei- und umzusetzen.

Der Mentoringlehrgang am Institut Donauvision wendet sich speziell an organisationsinterne Mentoren und sensibilisiert sie, sich mit ihrer Rolle reflektiv auseinanderzusetzen. „Wichtig ist es, soziale Kompetenzen wie Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit zu stärken und erprobte Coachingmethoden anzuwenden. Die Ausbildung ist erlebnispädagogisch und praxisorientiert angelegt. Die Teilnehmer vertiefen die Lerninhalte in Peergroups und werden supervisorisch begleitet“, erläutert Denk.

Eine Spezialisierung zum allgemeinen Mentor, zum Projekt-, Unternehmens- und Karrierementor oder zum Mentorausbilder ermöglicht wiederum die Ausbildung an der gemeinnützig orientierten Kärntner Mentorenschule. „Die Ausbildung lässt sich am besten mit einem Zitat eines unserer Absolventen umschreiben“, so der fachliche Schulleiter, Dieter Graf-Neureiter. „Der Mentor führt dich am Ende zu dir selbst. Er zeigt dir das Potenzial, das in dir steckt und das Potenzial im Leben selbst.“

Mentoringprogramme an Hochschulen

Vor allem an den Hochschulen sind Mentoren zunehmend gefragt.

Die WU Wien bietet etwa seit dem Wintersemester 2012/13 ein umfassendes Begleitprogramm an. „Bei uns fungieren höhersemestrige Studierende als persönliche Mentoren, erleichtern den Einstieg ins Studium und stehen bei organisatorischen und inhaltlichen Fragen zum WU-Studium zur Seite. Mentoren können neben ihrem Studium in dieser bezahlten Beratungstätigkeit ihr Wissen an Erstsemestrige und Studienkollegen weitergeben“, erklärt Ute Steffl-Wais, Leiterin der WU-Studienservices. Zum Mentor – für acht Stunden pro Woche – eignet sich, wer Freude an der Beratungstätigkeit mitbringt, einen ausgezeichneten Studienerfolg vorweisen kann und bereits Prüfungen im Ausmaß von 42ECTS-Credits in einem WU-Bachelorstudium abgelegt hat.

Drei Jahre vor der WU startete bereits an der Medizinischen Universität Wien das Pilotprojekt für Senior-Mentoring. „Ein Mentor betreut in der Regel maximal fünf Mentees. Die Gruppe trifft sich etwa einmal pro Monat und arbeitet an Zielen, die man sich gemeinsam gesteckt hat“, erläutert Angelika Hofhansl vom Department für medizinische Aus- und Weiterbildung. Der Erfolg des Konzepts lasse sich laut Hofhansl in Zahlen festhalten: „Am Anfang waren es 18 Mediziner, die als Mentoren zur Verfügung standen. Inzwischen sind es mehr als 120.“

Eine eigene Mentorenausbildung im Rahmen einer Lehrveranstaltung hat die Universität Wien anzubieten. Ausbildungsinhalte und Mentorenaufgaben sind unter anderem Charakteristika des Studiums, Vermittlung des Berufsbildes, Selbstorganisation, Gruppendynamik & Feedback, Förderung von Reflexionsprozessen und Bildung von Lerngruppen. Das Peer-Mentoringprogramm soll Studienbeginnern einen reibungslosen Einstieg in das universitäre Studium und damit einen raschen Studienfortschritt ermöglichen. Die Hilfe zur Selbsthilfe wird mit einer Teilnahmebestätigung vom Center for Teaching and Learning und ECTS-Punkten für das Studium honoriert.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.wu.ac.at, www.meduniwien.ac.at,

http://esowi.univie.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2013)