Die allösterliche Salzburger Antiquitätenmesse Art & Antique findet heuer gleichzeitig mit der Messe von Maastricht statt und gerät dennoch zum gewohnt reichhaltigen Fest der Sinne.
Einen riesigen Ostermarkt der Schönheit bietet Art & Antique, die Salzburger Antiquitätenmesse, traditionsgemäß in der Residenz. Dass die Üppigkeit des Angebots nicht ganz quer stehen möge zur Tatsache, dass ein Großteil der Veranstaltung noch in der Fastenzeit stattfindet, signalisiert uns nahe dem Eingang Herbert Boeckls hochexpressive „Gefangennahme Christi“, Teil der Ausstellung der Innsbrucker Galerie Maier. In dem während des Zweiten Weltkriegs vollendeten Werk hat sich Boeckl gleich zweimal selbst porträtiert. Es markiert preislich (mit 550.000Euro) einen Spitzenwert im Angebot der diesjährigen Messe.
Obst für eine Viertelmillion. Mit einer etwa halb so hohen Summe schlägt, um bei den Gemälden zu bleiben, beispielsweise Anton Faistauers „Obststillleben mit Kanne, vor Kommode“ von 1915 zu Buche (240.000, bei Giese & Schweiger), ein kleineres Format eines ähnlichen Sujets desselben Künstlers auf Karton von 1911 kostet 98.000 Euro (bei Anton Figl). Viel weiter oben angekommen sind längst die alpinen Landschaften Alfons Waldes, deren Höhenlage sich derzeit etwa an den „Almen im Schnee“ (bei Kovacek) ablesen lässt: Die Arbeit (Öl auf Karton) misst 43,8 mal 34,5cm und ist mit 340.000Euro ausgepreist. Vergleichsweise wohlfeil kommt man zu Zeitgenossen wie Hans Staudacher, dessen Collage „es brennt (Die Franzosen in Wien)“ von 1985, Format 180x185, für 88.000 zu haben ist (Thoman).
Heil dir im Käferkranz. Ein Rundgang durch die Säle zeigt, dass die Mischung in Salzburg wieder stimmt und jedem Geschmack das Richtige bietet, Juwelen (Köchert debütiert in Salzburg!) und Möbel, antike kaukasische und turkmenische Teppiche bei Adil Besim, gotische und barocke Skulpturen, aber auch preziöse Kuriositäten wie ein von einer pittoresken, aus Käfern liebevoll arrangierten Habsburger-Devotionalie bei Weber-Unger, in dessen gewohnt originell gestaltetem „Wissenschaftlichem Kabinett“ der Blick des Betrachters überdies in weiteste Fernen schweifen darf: Ein Gemälde J.C.B. Püttners zeigt die Niagarafälle 1864.
Internationalität sichert der Schau nebst vertrauten Austriaca zwischen Schiele und Nitsch, Rainer, Hausner oder Franz West die Präsenz von Hartinger Fine Arts, wo Poppiges von Warhol und Tom Wesselmann für frischen Wind sorgt. Subtile Farbspiele finden sich beim erstmals angereisten Impressionisten-Spezialisten Zibelius, etwa Henri Lebasques Aquarell „La plage de Veules-les-Roses“ (1928 für 12.500 Euro). Neu unter den Ausstellern auch Jörg Schumacher aus Frankfurt mit Gemälden und Zeichnungen aus dem 19. und 20.Jahrhundert.
Das gewohnte, reichhaltige Angebot auf dem Möbel-Sektor – vom Lechtaler Zirbenschrank (Figl) bis zum bei Kohn 1902 gefertigten Kolo-Moser-Schreibtisch (Kovacs für 28.500 Euro) – bereichert „Rauminhalt“ mit einer flotten Präsentation von Designermöbeln jüngerer Provenienz. Dass die ungünstige Terminkollision mit Maastricht einige Aussteller 2013 von der Salzburger Residenz fernhält, scheint die Schau- und Kauflust des Publikums nicht wirklich zu beeinträchtigen. Manches – etwa ein metallener Wasserspeier, von dem Besucher am ersten Ausstellungstag berichteten – war schon am dritten nicht mehr zu sehen. Die kleinen Attersee-Ansichten des Klimt-Zeitgenossen Otto Friedrich gingen (bei Metropol) weg wie die warmen Semmeln.
Anderes, wie Robert Weigls Entwurfs-Skulptur für die Heiligenstädter Beethoven-Statue, ist (14.800,-) ebenso noch zu haben wie die ungewöhnliche, derbe Genreszene von Maulpertsch, die Giese und Schweiger erst kurz vor der Messe erwerben konnten.
Art & Antique – bis 1.April
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2013)