USA fragen wieder Zement nach

HeidelbergCement. Der Baustoffhersteller profitiert vom Comeback der US-Bauwirtschaft und der starken Nachfrage in den Schwellenländern.

Wien. Ein erfolgreicher Sparkurs, gesunkene Energiekosten und eine steigende Nachfrage just in den Regionen, in denen HeidelbergCement präsent ist: Das ist der Cocktail, der den Anlegern schmeckt und der die Aktie des deutschen Zementherstellers zum bis dato erfolgreichsten DAX-Wert des laufenden Jahres macht. Seit Anfang Jänner hat die Aktie um 22,3 Prozent zugelegt. Nach dem steilen Kursanstieg sind einige Analysten vorsichtig geworden: 15 Kaufempfehlungen stehen laut Bloomberg 14 Halten- und einem Verkaufsvotum gegenüber.

Im abgelaufenen Jahr hat HeidelbergCement Umsatz und Gewinn gesteigert (siehe Grafik) und zudem seine Nettoschulden um mehr als 700 Mio. Euro auf sieben Mrd. Euro gesenkt. Dank des Einsatzes der neuen Gasfördermethode Fracking in den USA ist der Gaspreis deutlich gesunken, HeidelbergCement hat drei Zementwerke von Kohle auf Gas umgestellt.

Die gesunkenen Energiepreise nützen der gesamten Branche, die sehr energieintensiv ist, also auch den Konkurrenten Holcim und Lafarge. Stärker als die Mitbewerber profitiere HeidelbergCement aber von seinem USA-Exposure, stellt Stephan Bauer, Analyst beim Bankhaus Metzler, fest.

Geschäft in Indonesien floriert

Die Baukonjunktur in den USA laufe besser als erwartet, das sollte auch etwaige Konjunkturdellen in Europa ausgleichen können. Bauer glaubt daher, dass die Aktie noch Luft nach oben hat.

Ähnlicher Ansicht ist Jawahar Hingorani, Equity-Analyst bei S&P Capital IQ: Die Erholung der US-Bauwirtschaft helfe, die verhaltene europäische Nachfrage auszugleichen. Trotz des starken Kursanstiegs sei das Unternehmen im Sektorvergleich noch immer unterbewertet.

Zum Teil sei es Glück, dass HeidelbergCement genau in jenen Regionen stark aktiv sei, in denen die Konjunktur boomt und die Baustoffnachfrage hoch ist, meint ein Brancheninsider. Neben den USA ist das vor allem Indonesien. Schleppend ist die Nachfrage in den Ländern nördlich der Sahara, wo die Konkurrenz stärker Fuß gefasst hat. In Lateinamerika und Indien ist HeidelbergCement ebenfalls nicht so stark aufgestellt. Auch dort sei die Nachfrage gegenwärtig eher verhalten. Das könnte sich aber in fünf Jahren ändern, meint der Branchenkenner. Dann könnten etwa Holcim oder Lafarge die Nase vorn haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2013)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.