Nordkoreas Kim Jong-un etabliert sich gerade als Zornbinkel der Weltpolitik.
Einem jeden am Zeitgeschehen Interessierten, der in den vergangenen Tagen die Nachrichten aus Nordkorea verfolgt hat, ist sofort der kleine, zornige, wild um sich fuchtelnde Bub mit hochrotem Kopf in den Sinn gekommen, der augenblicklich sein Spielzeug wiederhaben will, das ihm zur Strafe weggenommen worden ist. An sich wäre es ja zum Lachen: Nur leider ist dieser Kim Jong-un kein gewöhnlicher Zornbinkel, sondern Diktator eines geknechteten und gepeinigten 23-Millionen-Volkes, das von Kims Familie zurück ins Mittelalter geführt wurde.
Warum er sich derart absurd aufführt, ist Gegenstand heftiger Spekulationen. Denn was diesen Kim tatsächlich bewegt, weiß nur der innerste Zirkel dieser Diktatur. Rationale Erklärungen wie die, dass es Kim nur um die Anerkennung durch die USA gehe, beziehungsweise dass er die Aufnahme von Verhandlungen erzwingen wolle, können zwar richtig sein, aber auch westlichem Wunschdenken entspringen. Wir wissen einfach nicht, wie Nordkorea tickt.
Eben deshalb war es auch gut, wie Südkorea – und auch die Amerikaner – bisher auf die Eskapaden des herumtobenden kleinen Kim reagiert haben: kühl und zurückhaltend. Wütende kleine Buben müssen manchmal mit dem Kopf gegen die Wand rennen, ehe sie wieder zur Vernunft kommen. Vielleicht ist ja auch bei Kim noch ein Funken Vernunft da: Wenn er sieht, dass er mit seinem Kriegsgetrommel nichts erreicht, sondern sein Land nur noch mehr in die Isolation treibt.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2013)