Ökostrom: Auktion statt Lotterie?

oekostrom Auktion statt Lotterie
oekostrom Auktion statt Lotterie(c) www.BilderBox.com (BilderBox.com)
  • Drucken

Künftig dürfte das Los entscheiden, wer für seine Fotovoltaikanlage eine Förderung erhält. Experten fordern stattdessen ein Auktionsmodell. Dieses sei effizienter und billiger.

Wien. Viele Solarfreunde in Österreich werden die Silvesternacht in schlechter Erinnerung haben. Statt um Mitternacht die Sektkorken knallen zu lassen, saßen sie zu Tausenden vor ihren Computern, um Förderungen für ihre Fotovoltaikprojekte zu ergattern. Doch die versprochenen Einspeisetarife lockten weit mehr Interessenten, als Geld da war. Mit 12.000 Anträgen waren die Server der Abwicklungsstelle für Ökostrom (OeMAG) binnen kürzester Zeit lahmgelegt, stundenlang spuckte das System nur Fehlermeldungen aus. Als am frühen Vormittag alles wieder funktionierte, war der 234 Millionen Euro schwere Topf längst leer geräumt. Nur 3400 Antragsteller kamen zum Zug. „Förder-Lotto“, schimpften die Solar-Lobbyisten und forderten eine Lösung vom Wirtschafts- und Energieminister.

Seit Kurzem ist klar, wie Reinhold Mitterlehner (ÖVP) das Dilemma lösen will: Interessenten haben in Hinkunft zwei Tage Zeit für den Antrag. Gibt es erneut mehr Andrang als Geld, entscheidet das Los. Der Vorschlag des Ministeriums wird geprüft, bestätigte die E-Control einen Bericht der „Kleinen Zeitung“. „Das ist keine Lösung“, kritisiert Magnus Brunner von der OeMAG gegenüber der „Presse“. „Es wird dieselben Probleme verursachen wie bisher.“ Experten der Universität für Bodenkultur (Boku) fordern daher eine radikale Abkehr vom bisherigen Modell. Subventionen zu verlosen sei ineffizient. Stattdessen sollten Antragsteller um die Fördergelder rittern.

Solarboom in Österreich

Bisher ist der Bau einer Fotovoltaikanlage zumeist ein todsicheres Geschäft. Wer in Österreich Solarpaneele verlegt, kann aus einer Vielzahl an Landes- und Bundesförderungen wählen. Größere Anlagen werden 13 Jahre lang mit fixen Einspeisetarifen, die deutlich über dem Strompreis liegen, alimentiert. Für kleinere Anlagen mit einer Leistung bis zu maximal fünf Kilowatt gibt es Investitionsförderungen. Doppelförderungen sind ausgeschlossen, trotzdem sind beide Töpfe meist binnen Minuten leer. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Förderung zu hoch ausgefallen ist. Allein heuer wird sich die Zahl der Solaranlagen in Österreich dank der hohen Subventionen fast verdoppeln.

Genau hier setzt der Vorschlag der Forscher an: Statt Beamte den Einspeisetarif (notgedrungen suboptimal) schätzen zu lassen, sollten die Antragsteller in einer Art umgekehrten Auktion selbst entscheiden, mit welcher Förderung sie sich zufriedengeben. Dann kämen nur noch die „billigsten“ Anlagen an den effizientesten Standorten zum Zug, erklärt Studienautor Dieter Mayr. Was das bedeutet, hat er exemplarisch für Vorarlberg errechnet. Das Ergebnis: Die Auktion würde die Kosten der Solarförderung um bis zu 30 Prozent senken. Die Stromkunden, die ja über die Ökostromumlage dafür bezahlen, wären entlastet – ohne dass auch nur ein Solarpaneel weniger verlegt würde.

Einspeisetarife könnten fallen

Ein Milliardenfiasko, wie es die Deutschen erlebt haben, blieb Österreich dank der Deckelung bei der Solarförderung erspart. Dennoch schlägt sich der Ökostromzuschlag mit 63 Euro pro Jahr und Haushalt kräftig zu Buche. Umgekehrt lukrieren Fördernehmer risikolose Rendite. Und das, obwohl eine Studie der TU kürzlich zeigte, dass sich Fotovoltaikanlagen für Private schon in zwei Jahren ganz ohne staatlichen Zuschuss rechnen könnten. „Die Auktion ist der effizienteste Weg, um Überförderung zu vermeiden“, sagt Boku-Forscher Johannes Schmidt. „Aber ob das im planwirtschaftlichen Österreich gut ankommt, ist fraglich.“

Tatsächlich kommt der Vorschlag gar nicht so schlecht an. Sowohl das Wirtschaftsministerium als auch die E-Control zeigten sich interessiert. Doch ohne Gesetzesänderung mit Zweidrittelmehrheit sei nichts zu machen. Wenn die aber kommt, könne man gleich einen Schritt weiter gehen, sagt Harald Proidl, Ökoenergie-Chef der E-Control. In seinen Augen sei es denkbar, komplett auf Einspeisetarife zu verzichten. Angesichts sinkender Preise für Solaranlagen würde eine reine Investitionsförderung möglicherweise genügen. Und die könne man dann ja auch in einer Auktion vergeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2013)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Kommentare

Zum Dritten, zum Zweiten, zum Ersten

Wenn der Staat Förderungen vergibt, dann bitte über umgekehrte Auktionen.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.