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Niederlande: Das größte "Lustzentrum" der Welt

Niederlande
Niederlande(c) REUTERS (EDGAR SU)

In einem kleinen Ort nahe Amsterdam soll die "City4Love" entstehen, ein gewaltiges Bordell samt allerhand Bars. Die Gemeinde gab grünes Licht für den Bau.

Das Rotlichtviertel von Amsterdam ist weltberühmt, weil es so etwas sonst nirgends auf der Welt gibt – etwa die Schaufenster, hinter denen sich Prostituierte anpreisen und ihre Kunden in ein dahinter befindliches Zweckapartment geleiten.

Nun bekommt das Lustviertel Konkurrenz, noch dazu im eigenen Land: Nicht weit von der niederländischen Hauptstadt entfernt (Den Haag ist nur Regierungssitz) will der Millionär Rinus Beusenberg eine Art „Las Vegas für Sex“ errichten lassen, eine Erotikstadt namens „City4Love“ (ein englisches Sprachspiel, das „Stadt für die Liebe“ bedeutet) – also ein gewaltiges erotisches Vergnügungszentrum, das wohl ebenfalls einzigartig in der Welt sein dürfte, falls es realisiert wird.

 

Angebote für jeden Geschmack

Die City4Love in Hoofddorp soll also nichts weniger als das größte Bordell der Welt werden, und eine Touristenattraktion, ein Lustzentrum für jeden Geschmack.

In der Stadt für die Liebe wird es nach dem Vorbild des Amsterdamer Rotlichtviertels nicht nur einige idyllische Grachten mit den bekannten, rot beleuchteten Fenstern geben: Es sollen auch Bars uns Treffpunkte für Lesben und Schwule errichtet werden. Swinger-Clubs sollen natürlich ebenso zur City4Love gehören wie Sexshops, Tabledance- und Dating-Bars. Ein „erotisches Theater“ gehört mit zur Angebotspalette der Stadt, deren Bau von der zuständigen Gemeinde Haarlemmermeer übrigens bereits genehmigt wurde.

Erotikunternehmer Beusenberg denkt ferner darüber nach, ob er in seiner ,City4Love nicht auch eine „Erotikuniversität“ unterbringen könnte. Dort könnte etwa sexuelle Aufklärung für Jugendliche stattfinden. „Man könnte junge Mädchen beispielsweise vor den sogenannten ,Loverboys‘ warnen und deren Vorgehensweise erklären.“ Loverboys sind junge Burschen, die vorgeben, in ein Mädchen verliebt zu sein und dieses dann der Prostitution zuführen. Das Phänomen gibt es besonders in den Niederlanden.

Es gibt aber auch Kritik an dem gewagten Projekt. „Mit der City4Love lässt sich sicher viel Geld verdienen, das bezweifle ich nicht. Aber sollte man sie bauen? Das bezweifle ich schon“, warnt Dick Trubendorffer in der Zeitung „De Telegraaf“. Trubendorffer ist Suchtexperte, der sich auf Sexsucht spezialisiert hat.

„Die Sucht nach Sex hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen“, behauptet er. „Sex und vor allem Pornografie sind heute leicht zugänglich. Die Folge ist, dass immer mehr Menschen sexsüchtig werden.“

 

Warnung vor Sexsucht

Und er warnt: Ein Megabordell wie die City4Love werde die Sexsucht nur noch fördern, denn das Angebot dieser besonderen Stadt werde seine eigene Nachfrage schaffen, allein schon deshalb, weil viele Menschen aus purer Neugierde einfach mal vorbeischauen würden.

Die Stadt der Liebe werde aber sicher ein neuer Touristenmagnet für die Niederlande, so wie der „Keukenhof“ für Blumenliebhaber oder das Rijks- und das Van-Gogh-Museum für Kunstliebhaber. Amsterdam hätte also mächtige Konkurrenz. Zudem liegt der Standort Hoofddorp nur einen Katzensprung vom Flughafen Schiphol entfernt; dort würde sich zusätzliche Kundschaft finden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2013)