Plant Nordkorea „Geburtstagsfeuerwerk“ für Kim Il-sung?

North Korean people visit in front of bronze statues of North Korea founder Kim Il-sung and late leader Kim Jong-il at Mansudae in Pyongyang
North Korean people visit in front of bronze statues of North Korea founder Kim Il-sung and late leader Kim Jong-il at Mansudae in PyongyangREUTERS
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Zwei an die Ostküste Nordkoreas verlegte „Musudan“-Mittelstreckenraketen könnten rund um den 15. April zu einem Testflug ohne Sprengkopf starten, meinen Beobachter.

In der Korea-Krise bahnt sich nach Ansicht von Beobachtern ein spektakuläres Ereignis an – allerdings wohl weniger der vom Regime in Pjöngjang seit Wochen angedrohte Atomkrieg mit den USA als eher eine Art „Geburtstagsfeuerwerk“ für den 1994 verstorbenen Staatsgründer, den beinahe als Gott verehrten Kim Il-sung.
Am Donnerstag und Freitag soll Nordkorea nämlich laut Luftaufklärung und Geheimdienstinformationen zwei ballistische, auf Fahrzeugen verstaute Mittelstreckenraketen an die Ostküste gebracht und versteckt haben. Es soll sich um Mittelstreckenwaffen vom Typ „Musudan“ handeln. Diese Raketen, die 2010 bei einer Parade in Pjöngjang erstmals öffentlich auftauchten und eine Reichweite von rund 3000 bis 4000 Kilometer haben sollen, sind von Nordkorea noch nie „live“ getestet worden. Weil aber Staatsgründer Kim Il-sung am 15. April 101 Jahre alt geworden wäre und dies in Nordkorea, wie jedes Jahr, mächtig gefeiert wird, könnten die Raketen rund um dieses Datum zu Ehren Kims zum ersten Testflug starten.

Kim könnte sein Gesicht wahren


Dass Nordkorea ernsthaft ein „echtes“ Ziel ins Visier nehmen könnte, etwa eine US-Militärbasis in Japan oder auf der Pazifikinsel Guam, wie mehrfach angedroht, gilt als unwahrscheinlich. Militärexperten vermuten, dass die Raketen einfach im Meer niedergehen sollen. Damit könnte der polternde Jungdiktator Kim Jong-un (er ist etwa 30 Jahre alt, das genaue Geburtsjahr ist nicht bekannt) einerseits sein Gesicht wahren, Stärke demonstrieren, und dennoch keinen Krieg auslösen, den sein Land trotz dessen großer, aber veralteter Armee gewiss verlöre.
Südkoreas Verteidigungsministerium dementierte japanische Medienberichte, wonach eine der Raketen eine Langstreckenrakete Typ „KN-08“ mit einer (hypothetischen) Reichweite von 10.000 Kilometer sei. Die tauchte erstmals April 2012 in Pjöngjang auf und flog bisher ebenfalls nicht; die Fotos weisen darauf hin, dass die gezeigten Modelle Attrappen waren oder bestenfalls schlampig zusammengesetzte Einzelstücke, die nicht auf eine Serienproduktion schließen lassen. Da passten etwa Teile nicht zusammen, Schrauben und Bolzen standen hervor, die Spitzen hätten offensichtlich den Eintritt von einer außeratmosphärischen Flugbahn zur Erde, bei dem enorme Kräfte und Temperaturen auftreten, nicht überlebt.
Auch über die Flugfähigkeit der Musudan wird seit 2010 gerätselt, weil man auch bei ihr zweifelhafte Details bemerkt hat, zudem variieren die Schätzungen über das einsatzbereite Musudan-Arsenal von mehr als 200 Stück (sehr unwahrscheinlich) über etwa ein Dutzend (eher wahrscheinlich) bis zu einer Handvoll (durchaus möglich).
Bekannt ist, dass Nordkorea seit den 1990ern mithilfe des russischen Konstruktionsbüros „Makeyev“ an der Musudan (Länge etwa zwölf Meter) arbeitet; damals suchten russische Ingenieure nach dem Kollaps der UdSSR verzweifelt nach Arbeit. Sie leiteten die Musudan von der russischen SS-N-6 (Nato-Code „Serb“) ab, einer von U-Booten aus gestarteten Atomrakete, weshalb man auf die Details ihrer koreanischen Nachfahren schließen kann (diese sah man übrigens schon 2003 auf Satellitenfotos), etwa auf die Reichweite.

Der US-Raketenexperte David Wright nimmt ihre Reichweite eher mit unter 3200 km an, was heißt, dass sie jedenfalls Guam (Entfernung gut 3300 km) gerade nicht erreichen würde. Im Übrigen dürfte Nordkorea derzeit noch nicht imstande sein, einen passenden Atomsprengkopf für diese Raketen zu bauen.

Pjöngjang will Botschaften evakuieren


Chinas Nachrichtenagentur Xinhua sowie Quellen in der britischen und russischen Regierung meldeten, Nordkorea habe ausländische Botschaften in Pjöngjang aufgefordert, die Ausreise ihrer Mitarbeiter zu erwägen. Kubas greiser Ex-Staatschef Fidel Castro, im Grunde ein Freund Nordkoreas, gab am Freitag den Friedensboten: Er warnte Kim Jong-un in einem Beitrag für die kubanische KP-Zeitung „Granma“, es auf einen Krieg ankommen zu lassen.

Nordkorea hat seit Jänner, als der Sicherheitsrat der UN die Sanktionen gegen das Land wegen dessen Raketen- und Atomprogramms weiter verschärfte, die Rhetorik gegen den Westen, vor allem die USA, enorm verschärft und sogar eine Atombombe unterirdisch gezündet. Vor allem seit Anfang März poltert es aus Pjöngjang immer drastischer, man droht mit Atomkrieg und Raketenangriffen auf US-Stützpunkte. Zuletzt riegelte Nordkorea vor wenigen Tagen den Industriepark Kaesong ab, den es auf seinem Gebiet gemeinsam mit Südkorea betreibt.

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