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Braucht Wien Hochhäuser?

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DonaucityDie Presse
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Ein Hochhausprojekt hat zu einem Konflikt mit der Unesco geführt – ein geplanter 74 Meter hoher Turm beim Eislaufverein könnte erneut Wiens Status als Weltkulturerbe gefährden.

Wien. Hochhäuser polarisieren. Nicht in Manhattan, aber in einer Stadt wie Wien, mit seinen vielen historischen Bauten, sehr wohl. Klassisches Beispiel ist der Streit um die Hochhauspläne für Wien Mitte – Ende der Neunzigerjahre hatte die Unesco gedroht, Wien den Status als Weltkulturerbe zu entziehen, dazu kamen Aktionen einer regen Bürgerinitiative. Am Ende war das Projekt in der ursprünglichen Form völlig verwässert – um mehr Volumen zu erhalten, ging das Bauwerk in die Breite.

Jetzt droht bei einem anderen Hochhaus ein neuer Konflikt mit der Unesco. Jahrelang gab es Debatten über eine Renovierung des Eislaufvereins. Schließlich kaufte ein Investor das anliegende Hotel Intercontinental inklusive des ganzen Areals. Und eine Arbeitsgruppe entwickelte Konzepte dafür, was mit dem Gebiet gemacht werden kann. Eine Variante sieht jetzt einen Wohnturm neben dem Intercontinental vor – mit 74 Metern würde er das Hotel deutlich überragen.

Von Denkmalpflegern kommt ein glattes Nein. Vor allem von Wilfried Lipp, dem Präsidenten von Icomos Österreich (Icomos setzt sich für Schutz und Pflege von Denkmälern und historischem Kulturerbe ein und arbeitet eng mit der Unesco zusammen.) Im Gespräch mit der „Presse“ betont Lipp, dass eigentlich schon das Intercont selbst ein Fremdkörper sei und bei seinem Bau gar nicht genehmigt werden hätte sollen. Der neue in Planung befindliche Wohnturm sei aber sicher zu hoch. Er fordert eine „Redimensionierung“, sonst gebe es kein mit dem Welterbe verträgliches Projekt.

Und Lipp ist davon überzeugt, dass die eigentlich zuständige Unesco-Kommission das auch so sieht: nicht höher als das Hotel. Dies habe auch eine Unesco-Kommission, die sich vor einigen Monaten in Wien umgesehen hatte, so befunden. Die Fronten seien im Moment jedenfalls verhärtet.

 

Umfassende Arbeitsgruppe

Von Investorseite gibt man sich gelassen. Daniela Enzi von Wert-Invest betont, dass es einen tragfähigen Entwurf gebe, der von einer Arbeitsgruppe mit 50 Leuten erstellt wurde. In den nächsten Wochen finde die technische und wirtschaftliche Evaluierung statt. Eigentlich liegen immer noch zwei Optionen auf dem Tisch: Abriss des Hotels und komplette Neuplanung und -errichtung. Oder Beibehaltung des Hotels und gleich daneben ein großer Wohnturm. „Wir gehen davon aus, dass wir das Hotel halten können“, meint Enzi. Da ist sie nicht allein, auch die Stadt ist gegen einen Abriss. Und alle setzen auf Gespräche mit der Unesco.

Ob und wo Wien Hochhäuser (in der Wiener Bauordnung ab einer Höhe von 35 Metern definiert) braucht, ist seit Jahren ein Streitthema. Mehrfach legten in den 1970er- und 1980er-Jahren prominente Architekten (z. B. Coop Himmelb(l)au) für die Stadt Hochhaus-Kriterien fest. Aber erst 2002 wurde ein Hochhauskonzept im Gemeinderat verabschiedet. Darin sind zwar einige Kriterien definiert, diese sind aber sehr weich und vage, vor allem was die Standorte betrifft.

Doch schon davor waren einige umstrittene Gebäude errichtet worden, ohne Standortplanung und oft nur nach den Wünschen eines Investors. Beispiel Wienerberg-City oder Monte Laa. Höchstes Gebäude Wiens war mit 202 Metern Höhe jahrelang der Millennium Tower, dieser wird jetzt vom DC-Tower abgelöst, der im Herbst fertig sein und 248 Meter hoch sein soll. Sein Standort, die Donau-City rund um die UNO-City, ist das einzige und größte kompakte Hochhausviertel Wiens. Das Konzept von 2002 ist übrigens – mit kleinen Adaptierungen – heute noch gültig.

 

„Man muss in die Höhe gehen“

Das grün geführte Stadtplanungsressort steht derzeit Hochhäusern grundsätzlich nicht negativ gegenüber. Eine wachsende Stadt bedürfe viel Wohnraums, da müsse man – vor allem entlang öffentlicher Verkehrswege – auch in die Höhe gehen, so die Begründung. „Aber wir schauen uns jedes Projekt sehr genau an“, sagt Stadträtin Maria Vassilakou.

Dies hält einige Bürgerinitiativen, die gegen Hochhäuser kämpfen, aber nicht von ihrer Kritik ab, dass bei Hochhausprojekten weiterhin oft nur die Interessen der Investoren im Vordergrund stünden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2013)