Tschechien: Recht sicher viel verdienen

"Westliches" Niveau hat das Nachbarland bei der Rechtssicherheit, bei den Gewinnchancen liegt es (noch) darüber.

Tschechien hat Immobilien-Investoren derzeit zwei Vorteile zu bieten: Die Rechtssicherheit ist so hoch wie in den "alten" EU-Ländern, die Renditen, die man mit Gewerbeimmobilien erzielen kann, haben aber noch lange nicht das vergleichsweise niedrige West-Niveau erreicht. Somit kann man derzeit relativ sicher verhältnismäßig viel Geld verdienen.
Diese Aussicht lockt natürlich Kapital an: "Im ersten Halbjahr 2005 haben ausländische Investoren 520 Millionen Euro in tschechische Immobilien investiert", so Zdenek Lukas vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Das ist mehr als in Ungarn und sogar mehr als im viel größeren Polen. Das Interesse ausländischer Investoren an tschechischen Immobilien sei seit dem EU-Beitritt enorm gestiegen _ nicht nur wegen der größeren Rechtssicherheit, meint Lukas, sondern auch wegen der relativ einfachen Bestimmungen in Sachen Immobilienerwerb, die für die EU-Bürger nun gelten (siehe Beitrag rechts).

Business- und Shopping-Center

Die Kehrseite der Medaille: Mit steigender Rechtssicherheit fallen die Renditen. Bei Gewerbeimmobilien sind sie heuer von 7,9 auf 7,5 Prozent zurückgegangen. Das, so meint Lukas, sei noch immer mehr als im Westen, wo die Renditen derzeit zwischen fünf und 5,5 Prozent liegen.
Die Trends seien die gleichen wie in Westeuropa: "Zweitklassige Immobilien fallen im Wert, erstklassige steigen", sagt Lukas. Gefragt seien gut erreichbare Business Centers, Logistikparks in Flughafen-Nähe, Shopping Centers. Investiert wird _ ähnlich wie in Österreich _ vor allem in der Hauptstadt. "In Prag steigen die Preise doppelt so stark wie an anderen Orten," stellt Lukas fest.
Bei ausländischen Käufern beliebte Orte seien auch Kur- und Tourismusorte wie Karlsbad, Marienbad, Krumau. Dort kauften bevorzugt Privatpersonen _ Deutsche, aber immer mehr Russen. In die Gewerbeimmobilien investieren vor allem deutsche Fonds.

Mieten steigen bald

Freilich nicht nur. Auch die österreichische Immoeast ist dort, die im Geschäftsjahr 2004/05 71,2 Millionen Euro in Tschechien investiert hat. "Die Renditen in Tschechien sind noch immer beträchtlich höher als in westlichen Ländern", bestätigt Immoeast-Chef Karl Petrikovics. Sie liegen um 1,5 Prozentpunkte darüber, "nähern sich aber westlichem Niveau an." Das ist für Investoren, die schon vor Ort vertreten sind, von Vorteil: Sinkende Renditen bedeuten steigende Werte. Die Mieten hätten in Tschechien das Tal erreicht und würden in den nächsten zwei Monaten steigen, hofft Petrikovics. Derzeit liegen dreißig Prozent der Immoeast-Immobilien in Tschechien. Im laufenden Geschäftsjahr (per Ende April 2006) will Petrikovics diesen Anteil aber relativ auf zwanzig Prozent reduzieren. Zu Gunsten von Rumänien, Bulgarien, Russland und den ehemals jugoslawischen Staaten, wo das Risiko zwar beträchtlich höher ist als in Tschechien _ die Renditen aber auch.

Gerne bei den Nachbarn

Die erst seit kurzem an der Wiener Börse notierende Immobilienfirma Eco Business, die derzeit vor allem in Österreich und Deutschland aktiv ist, plant im kommenden Jahr den Einstieg in Tschechien. "Wir gehen lieber in die Nachbarschaft, wo wir den Hausbrauch kennen, als etwa nach Kiew, wo höhere Renditen zu höherem Risiko möglich sind", erklärten die Eco Business-Vorstände Friedrich Scheck und Wolfgang Lösch bei der Präsentation ihrer Bilanz.
Das Thema "Immobilien in Osteuropa" wird am 1. Oktober wieder behandelt. Schwerpunkt: der Markt in der Slowakei.

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