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Also doch: „Der Spiegel“ beruft Doppelspitze ab

Der Spiegel Chefredakteure
Der Spiegel Chefredakteure(c) EPA (Ulrich Perrey)
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Zuerst nur Gerücht, jetzt Faktum: Das Nachrichtenmagazin sucht einen neuen Chefredakteur. Das Ganze erinnert an den Abgang des vorangegangenen Chefredakteurs, Stefan Aust.

Stillos. So bezeichnet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ das, was an der „Spiegel“-Spitze passiert. „Erst kommt das Gerücht, dann der Vollzug“, schrieb die Zeitung im Dienstagsblatt weiter und nahm vorweg, was an diesem Tag passieren würde: Zu Mittag gab der Verlag per Aussendung bekannt, dass die „Spiegel“-Chefredakteure Georg Mascolo (Print) und Mathias Müller von Blumencron (Online) abberufen und beurlaubt werden. Vorausgesagt hatte das schon am Freitag das „Hamburger Abendblatt“, obwohl die Gesellschafter da noch keinen solchen Beschluss gefasst hatten. Manche werten das als gezielten Angriff von außen. Andere sehen es als angekündigte Folge des Dauerkonflikts zwischen Print- und Onlineredaktion.

Kaum war das Gerücht gestreut, mehrten sich Berichte über den harten Führungsstil des Print-Chefredakteurs Mascolo und die sinkende Auflage. Auftrieb bekamen diese Meldungen wohl aus dem Magazin, denn „Der Spiegel“ ist in einer Sache ganz besonders einzigartig: Er gehört zu 50,5Prozent der Mitarbeiter KG (25,5Prozent Gruner+Jahr, 24Prozent die Erben des Magazingründers Rudolf Augstein) – sinken Auflage und Umsatz, verdienen die Mitarbeiter weniger. Klar, dass das nicht allen gefällt.

 

Parallelen zu Austs Abgang

Das Ganze erinnert an den Abgang des vorangegangenen Chefredakteurs, Stefan Aust. Als der im Februar 2008 mit sofortiger Wirkung freigestellt wurde, hatte es im Vorfeld ebenfalls Kritik an seinem schlechten Führungsstil gegeben. Und wie damals kommt die Trennung von den Chefredakteuren heute so plötzlich, dass es offenbar keine Zeit gab, einen geeigneten Nachfolger zu suchen. Fest steht nur: Künftig soll eine Person Online und Print leiten.

Das muntere Rätselraten um den Nachfolger begann schon am Wochenende. Genannt wurden Jakob Augstein als Sohn des „Spiegel“-Gründers, Nikolaus Blome von der „Bild“, die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel und Heribert Prantl von der „Süddeutschen“. awa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2013)