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Bürogemeinschaften: Gruppenarbeit statt Stillbeschäftigungs

Bürogemeinschaft. Alternative zum Heimbüro: arbeiten in Lofts und Fabriken.

Das Leben eines Freiberuflers: Er hängt bis in den Nachmittag im Pyjama vorm PC, arbeitet allein, nur Kühlschrank und TV bieten (unwillkommene) Ablenkung. "Da kriegt man einen Knall", beschreibt die Journalistin Andrea Hurton die Situation, in der sie sich zwei Jahre befunden hat. Geholfen hat ein Arbeitsplatz in einer Bürogemeinschaft _ wo sich Freiberufler, Selbstständige oder Kleinstunternehmen die Räume teilen.

Lebensretter Synergieeffekt

Die Vorteile: Man hat jemanden zum Reden, kann Bürofacilities wie Fax und Besprechungszimmer nutzen, außerdem gibt's Synergieeffekte. Benötigt der Werbefachmann eine Website, kommt der Grafiker vom Nachbartisch zum Zug; will die Konzertmanagerin einen professionellen Text, hilft der Journalist. "Das hat schon so manchem das Leben gerettet", lacht Andreas Rathmanner von der Media-Agentur Fox, der sich mit acht Leuten einen 300 m2 großen Raum nahe der Mariahilfer Straße teilt. Das "Zusammenleben" basiert dort auf Vertrauen _ es gibt weder Mietvertrag noch Kaution oder Kündigungsfrist. "Es ist wie eine WG. Das hat sicher damit zu tun, dass die Leute Freunde oder Freunde von Freunden sind", meint Rathmanner, der monatlich 360 Euro inklusive Betriebskosten, Heizung, Strom sowie Internet und Telefongrundgebühr zahlt.

Was Neo-Bürogemeinschaften unbedingt beachten sollten: Erstens, dass die Chemie stimmt. Zweitens sollten, zwecks besserer beruflicher Synergien, Personen aus ähnlichen Branchen vertreten sein. Drittens gilt, bei der Einrichtung für Bereiche wie Bar und Küche zu sorgen. Und viertens sollte man sich bereits beim Einstieg ein Ausstiegsszenario überlegen, also: Was passiert mit der Couch, die jemand zur Verfügung gestellt hat? Was mit gemeinsamen Anschaffungen? "Außerdem ist es gut, Konkurrenzverhältnisse zu vermeiden, sonst sitzen zwei Leute mit derselben Klientel im Raum. Da kann es zu Reibereien kommen", empfehlen Stefan Leitner-Sidl und Michael Pöll. Früher hatten die beiden eine Marktforschungsagentur, heute widmen sie sich der Betreuung ihrer zwei Bürogemeinschaften in Wien-Leopoldstadt und Mariahilf. Das erste Office-Loft mit 28 Plätzen gründeten sie 2002 in einer ehemaligen Schraubenfabrik, im Vorjahr folgte das Schwesterprojekt in einer Hutfabrik beim Naschmarkt. Abhängig von der Größe kostet ein Platz dort zwischen 250 und 350 Euro. Dabei ist das Unterschreiben eines Mitbenützungsvertrages ebenso Pflicht wie die Kaution und das Einhalten der zweimonatigen Kündigungsfrist.

Alles erlaubt, was nicht stört

"Du kannst alles tun, solange du die anderen nicht störst", heißt es in der Hausordnung von Lev Ledit und Harald Hackel, die vor zwei Jahren die Bürogemeinschaft "Yurp" in einem ehemaligen Kino in Wien-Penzing gründeten. Auf einer Fläche von 440 m2 gibt es 20 Arbeitsplätze, daneben Küche, Wuzzler und Gemeinschaftsraum. Ein Platz ist ab 200 Euro inklusive Nebenleistungen zu haben, in Sonderfällen auch schon um 100. Einziger Haken: Das Projekt rechnet sich (noch) nicht. Um die Mietpreise nicht erhöhen zu müssen, brauchen Ledit und Hackel ein halbes Dutzend neuer Mieter. Dass das Kino nicht in Zentrumsnähe ist, brauche  Interessenten indes nicht abschrecken, meint Ledit. "Schließlich ist man mit dem Rad vom Westbahnhof in zehn Minuten im Büro."