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Hypo-Schließung kostet 4,4 Milliarden Euro

ARCHIVBILD/THEMENBILD: HYPO ALPE-ADRIA-BANK
APA/BARBARA GINDL
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In einem vertraulichen Papier, das der „Presse“ vorliegt, werden vier Szenarien für die Zukunft der Hypo entworfen. Setzt sich die EU durch, drohen neue Milliardenverluste.

Wien. Wie schlimm die Lage bei der Hypo Alpe Adria wirklich ist, geht aus einem vertraulichen Papier vom zweiten April hervor. Das Dokument liegt der „Presse" vor und ist am fünften April aktualisiert worden, als Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) in Brüssel EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia getroffen hat. Dieser verlangt einen Verkauf der Kärntner Hypo noch in diesem Jahr. Das will Fekter mit allen Mitteln verhindern.
Das Papier dient als Argumentationshilfe für die Verhandlungen mit den Behörden in Brüssel und listet verschiedene Szenarien für die Zukunft der maroden Bank auf. Der höchste Schaden würde Österreich mit 4,4 Mrd. Euro durch den sogenannten Almunia-Case entstehen.
Denn der EU-Kommissar verlangt eine Abwicklung in zwei Schritten: Bis Ende 2013 sollen die Banktöchter in Österreich, Italien und Südosteuropa verkauft werden. Die verbliebenen Geschäftsbereiche und faule Kredite sollen in den bereits bestehenden „Abbauteil" oder in eine Bad Bank transferiert werden. Diese Abbausparte soll innerhalb von zehn Jahren (ab 2012 gerechnet) abgewickelt werden. Zudem verlangt die EU-Kommission, dass die Hypo kein Neugeschäft mehr machen darf.

Ein Fass ohne Boden?

"Die EU-Vorgaben verursachen zusätzliche Milliardenverluste", heißt es in dem Papier. „Durch den forcierten Verkauf der Einheiten bis Ende des Jahres 2013 geht man davon aus, dass kein Verkaufserlös mehr erzielt werden kann und dementsprechend Verluste realisiert werden." Denn die Bewertungen für Banktöchter befinden sich gegenwärtig auf historischen Tiefstständen. Gibt es für die Einheiten in Südosteuropa keine Käufer, ist dem Dokument zufolge nicht auszuschließen, dass diese von den jeweiligen Ländern notverstaatlicht werden.
Der Almunia-Case würde zudem dazu führen, dass Assets von sechs Mrd. Euro in den Abbaubereich wandern. Diese Sparte könnte sich bei ausständigen Krediten dann „mit einer schwindenden Zahlungsmoral auf Seiten der Kunden konfrontiert" sehen, was weitere Verwerfungen auslösen und „den Kapitalbedarf entsprechend signifikant erhöhen kann". In einem solchen Szenario müsste die Republik der Bank noch einmal 4,4 Mrd. Euro zuschießen.
Dabei hat der Steuerzahler bereits seit 2008 rund 2,2 Mrd. Euro in die Rettung des Finanzinstituts investiert. In dem Betrag ist auch die 180 Mio. schwere Unterstützung durch das Land Kärnten enthalten. In dem Papier wird allerdings gewarnt, dass die 4,4 Mrd. Euro möglicherweise nicht ausreichen: „Der dargestellte Verlust ist lediglich eine indikative Einschätzung, und der tatsächliche Verlust kann in diesem fiktiven Szenario deutlich höher ausfallen."
Bekommt Österreich für den Verkauf der Hypo Alpe Adria aber einige Jahre mehr Zeit, sieht die Lage anders aus. Für diesen Fall sind in dem Papier drei Szenarien aufgelistet. Besonders positiv ist der Management Case. Dieser sieht vor, dass Österreich durch eine langsame Abwicklung sogar 600 Mio. Euro zurückbekommen würde.

Abbaubereich mit faulen Krediten

Voraussetzung dafür ist aber, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Kernmärkten in Südosteuropa nicht weiter verschlimmern. Zudem müsste Österreich bei der EU-Kommission durchsetzen, dass man für die Schließung des Abbaubereichs mit den faulen Krediten noch zwanzig Jahre (ab 2012 gerechnet) Zeit hat.

Dann gibt es noch einen Pessimistic Case und einen Stress Pessimistic Case. In beiden Fällen müsste Österreich der Hypo auch in Zukunft viel Geld zuschießen: Im „pessimistischen Fall" sind es 1,6 Mrd. Euro und im Stress-Pessimistic-Fall 3,2 Mrd. Euro. Das ist aber immer noch weniger als der Verlust von 4,4 Mrd. Euro, der durch die Umsetzung der Vorgaben von EU-Kommissar Almunia entstehen würde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2013)