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Tag der Stimme: Sag es laut und deutlich

Der 16. April wird dem menschlichen Sprachorgan gewidmet. Eine gut geölte Stimme schmiert auch die Karriere.

Ein Drittel aller Menschen in den Industrienationen arbeitet in Sprechberufen. In 60 Prozent aller Jobs kommt es auf die kommunikativen Fähigkeiten an. Grund genug, einen Tag im Jahr der Stimme zu widmen. Denn diese vernachlässigen wir sträflich, finden die Organisatoren des World Voice Day. Ihren pflichtbewussten Dauereinsatz nähmen wir als selbstverständlich hin. Dass er das nicht ist, sollen mannigfaltige Initiativen beweisen. Stimme.at, das Netzwerk der Stimmberufe, macht sich auf die Suche nach dem „Dezibel-Kaiser“ (es darf auch eine Kaiserin sein), der/die zu jenen 130 (!) Dezibel imstande ist, die der „Jedermann“-Rufer zur Beschallung des Salzburger Domplatzes benötigt. HNO-Ärzte nützen die Gelegenheit, um vor unbehandelter Heiserkeit zu warnen, welche zu Stimmlippenlähmung führen kann. Und Logopäden weisen darauf hin, dass auch das schönste Chanel-Kostüm (alternativ: der teuerste Armani-Anzug) nicht über eine Piepsstimme hinweghelfen.

Kopf hoch, Schultern zurück

Mehr als ein Drittel der menschlichen Kommunikation wird über die Stimme wahrgenommen, rechnet Sprecherin, Moderatorin und Stimmtrainerin Andrea Bachner vor. Die Körpersprache transportiere weiters gut die Hälfte des persönlichen Eindrucks. Der kärgliche Rest gehört der eigentlichen Satzaussage. Bachner: „Die meisten Führungskräfte konzentrieren sich zu sehr auf das Was ihrer Worte und vergessen das Wie.“

Doch was soll ein Manager tun, der nicht gerade mit einer staatstragenden Stimme gesegnet ist? „Kopf hoch und Schultern zurück!“, kommt postwendend die Antwort. Denn die Körperhaltung folgt der Emotion: „Geht es jemandem schlecht, hängen die Schultern und die Stimme bekommt eine andere Klangfarbe.“ Das ließe sich jedoch umdrehen. Bewusst eingenommene aufrechte Haltung übertrage sich zurück auf die Stimme. Bei hochgezogenen oder verspannten Schultern: mit angewinkeltem Arm hinter dem Rücken nach dem anderen Oberarm greifen. Bei Lampenfieber: Am Brustbein direkt unter dem Salzfässchen befindet sich ein Druckpunkt, der auch die Stimmfestigkeit hebt. 

Sit-ups für die Stimme

Flache und hektische Atmung füllt nur das obere Lungendrittel mit Luft. Beim Reden kommt man dann rasch außer Atem. Hier helfen tiefe Bauch- und Flankenatmung. Damit auch bei längerem Reden nie die Luft ausgeht: den Mund leicht geöffnet halten – das entspannt, und der Körper kann sich die Luft holen, die er braucht. Viel trinken (Wasser, nicht Kaffee!). Auch die Bauchmuskulatur stützt die Stimme. Ein weiterer Grund für regelmäßige Sit-ups!

Üben, üben, üben

Girlandensätze ohne Anfang und Ende gelten als Beweis für Unsicherheit. Besser: Langsam reden, Pausen machen, Punkte setzen und das Gesagte nachwirken lassen. Das  signalisiert Kompetenz, meint die Stimmtrainerin: „Jedem geht es komisch, wenn er seine Stimme das erste Mal vom Band hört.“ Das liege daran, dass wir gewohnt sind, sie über den Luftklang und die eigene Ohrleitung zu hören. Aufnahmegeräte hingegen zeichneten nur den Luftklang auf. Doch fremd klingt das nur für die eigenen Ohren: „Die anderen kennen und mögen uns genau so.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2013)