Am Herd

Nach der Karenz war ich entschlossen, meinen Job zu kündigen. »Überlegen Sie es sich gut«, warnte der Mitarbeiter der Arbeiterkammer. Er hatte recht. Und dann wieder nicht.

Noch sind die Parks kahl. Noch müssen die Mütter warten auf das erste Grün, das bald die Spielplätze der Stadt verzaubern wird, aber ich beneide sie trotzdem. Wenn ich von der Arbeit nach Hause gehe, sehe ich sie, wie sie auf den Bänken sitzen, die ersten, zu späten Frühlingsstrahlen wärmen ihr Gesicht, und vor ihnen machen sich die Vierjährigen einen Spaß und klettern die Rutsche verkehrt herum hinauf.

Nein, ich verkläre nichts. Ich habe die Parks immer geliebt. Die interessantesten Frauen habe ich dort kennengelernt (Hallo Julie! Hallo Daniela! Hallo Lydia!), wunderbare Bücher habe ich gelesen, während die Kinder im sogenannten „Wald“ Verstecken spielten, und ich habe mich jeden Frühling an den blühenden Ringlotten sattgesehen. Manchmal, wenn die Kinder nicht und nicht heimgehen wollten, haben wir Großen bis zur Dämmerung geredet und gelacht und uns eine Pizza beim Türken ums Eck geholt: Der Park gehörte uns. Wien gehörte uns. Und die Zukunft den Kindern.


Überflüssige Eltern. Es war schön, dass ich mir für all das die Zeit genommen habe: Ich hatte nach der Karenz meinen Job gekündigt, um als freie Journalistin zu arbeiten. Keine gute Entscheidung, hat der Mitarbeiter der Arbeiterkammer gewarnt, der mich in puncto Fristen beriet. „Überlegen Sie es sich gut“, sagte er noch, als ich schon die Klinke in der Hand hatte. Ich habe es mir gut überlegt und das Büro lange, lange nicht vermisst. Als ich dann begonnen habe, es zu vermissen, als ich das Allein-vor-mich-hin-Arbeiten satthatte und Hannah und Marlene in einem Alter waren, da eine im Park herumsitzende Mutter bald überflüssig gewesen wäre, habe ich nicht gleich wieder einen passenden Arbeitsplatz gefunden. Ich musste fast zwei Jahre warten. In diesen zwei Jahren habe ich einiges ausprobiert, nichts hat wirklich geklappt. Frustrierend war das schon: Die Männer in meinem Bekanntenkreis machten Karriere. Und ich? Ich hatte Kinder, eine Kolumne und die Warnung meines AK-Beraters.


Durchstarten? Ich habe Glück gehabt. Es gab dann doch einen Platz für mich. Und nein, das ist keine Empfehlung, es mir nachzumachen, Ratschläge gibt es eh schon zu viele: Da heißt es im „Spiegel“, Frauen sollen als Studentinnen Kinder bekommen, um dann durchzustarten, eine Managerin meint, Frauen sollten ältere Männer heiraten, die sich dann um die Kinder kümmern, eine zweite Managerin findet, wir müssen uns mehr in den Job „reinhängen“ – und da bin ich noch gar nicht bei den Tipps diverser Männer, die ja auch immer am besten wissen, was gut ist für Frau und Kind. Das nervt.

Vielleicht sollten wir einfach nur anfangen, einander unsere Geschichten zu erzählen.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

diepresse.com/amherd

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2013)

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