Handelsflächen. Gute Lagen laufen von alleine, schlechteren kann Weihnachtliches helfen.
Das Weihnachtsgeschäft verlagert immer mehr in den Dezember. Das zeigt eine aktuelle Studie des Consulting-Unternehmens RegioPlan. Die Zeiten, in denen sich die Leute bereits im Oktober mit Weihnachtsgeschenken eindeckten, sind vorbei. Wer in letzter Minute Spielzeug für die Kinder, Schmuck für die Mutter und Krawatten für den Opa sucht, zieht darum Orte vor, wo er alles auf einmal bekommt: nämlich Einkaufsstraßen und -Zentren.
Wer dort ein Geschäft hat, kann sich auf ein gutes Weihnachtsgeschäft freuen - ebenso die Vermieter dieser Flächen. In Wien bezahlt man für Top-Lagen derzeit mehr als hundert Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In schlechten sind es lediglich fünf Euro - das ist ein Verhältnis von zwanzig zu eins. Profitieren dürften heuer Spielwaren- und Schmuckhändler in Toplagen. Nur Textilhändler klagen über den (bislang) viel zu warmen Winter: Niemand braucht neue Winterjacken. Wenn es endlich kalt wird, könnten die Rabatte und Sonderaktionen schon laufen, fürchten viele. Diesen wetterbedingten Nachteil kann auch ein guter Standort nur zum Teil wettmachen.
Mariahilf boomt
Ansonsten dürfte das Weihnachtsgeschäft einen seit Jahren beobachteten Trend bei Geschäftslokalen bestätigen: Gefragt bei potenziellen Mietern sind Innenstadtlagen, frequentierte Geschäftsstraßen und Einkaufszentren. Wer einen Mieter für ein Lokal in einer Seitenstraße sucht, muss mit dem Preis heruntergehen - falls er überhaupt einen Interessenten findet.
So liegen die Mieten in der Mariahilfer Straße laut dem "Immobilienmarktbericht für Österreich 2005" des Immobiliendienstleisters Colliers Columbus zwischen 45 und 110 Euro. "Die Mariahilfer Straße erlebt einen Boom", berichtet Michael Ehlmaier von der CPB Immotreuhand. In Einkaufszentren wie der Shopping City Süd und dem Donauzentrum ist es deutlich billiger. Am meisten bezahlt man in der Wiener Innenstadt: Mit 100 bis 300 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter sind Kohlmarkt, Graben und Kärntner Straße die teuersten Pflaster. Schließlich zahlt man in diesen Lagen das Prestige mit - die Geschäfte können am Kohlmarkt beispielsweise aber mit einer hohen Frequenz rechnen - und der hohen Kaufkraft der Passanten. Und nicht zuletzt: "Das Prestige des Kohlmarkts kommt auch daher, weil die Mieten hoch sind", meint Ehlmaier.
Bereits deutlich schlechter gehen Geschäftslokale in ehemals florierenden Einkaufsstraßen wie der Rotenturmstraße, der Landstraßer Hauptstraße, der Favoritenstraße und der Meidlinger Hauptstraße. Dort sind die Mieten mit 20 bis 50 Euro verhältnismäßig gering.
Sehr billig einmieten kann man sich in der Reinprechtsdorfer Straße, der Wiedner Hauptstraße oder der Praterstraße: Dort bezahlen Mieter nur noch fünf bis elf Euro pro Quadratmeter. Das ist nur geringfügig mehr als für Wohnungen zu berappen ist.
Da das Angebot an Geschäftslokalen hoch ist und die Nachfrage hinterherhinkt, können sich die Mieter die Geschäfte aussuchen. Neben der guten Lage fragen sie zunehmend auch nach großen Auslageflächen, um ihre Produkte präsentieren zu können.
Punschhütten nützen Geschäften
Wer ein Geschäft in einer eher schlechten Lage hat und trotzdem am Weihnachtskuchen mitnaschen will, für den gibt es ein Rezept: In manchen weniger frequentierten Straßen schließen sich die Betreiber zusammen und veranstalten saisonabhängige Marketingaktionen. Punschhütten, Bauernmärkte und Stände mit Weihnachtsschmuck und Geschenken schaden den Händlern in der Umgebung nicht - im Gegenteil: "Den Geschäften in der Nähe tut das gut", beobachtet Ehlmaier.