Das strahlende Lächeln des Laufbotschafters

Halbmarathon. Gebrselassie gewann das Champions-Race in 61:14 Minuten, verpasste aber den angepeilten Rekord.

Wien/Dat. So enttäuscht kann Äthiopiens Wunderläufer Haile Gebrselassie über einen verpassten Rekord gar nicht sein – er strahlt trotzdem. Der 39-Jährige genoss seinen dritten Wien-Auftritt in vollen Zügen, der dritte Gewinn des OMV-Champions-Race über die Halbdistanz in 61:14 Minuten erfüllte ihn mit Stolz. „Eine wunderbare Atmosphäre, ein fantastisches Rennen. Hier muss man dabei sein, die Leute unterstützen die Läufer – sie feiern immer ein Fest.“

2011 siegte der Superstar in 60:18 Minuten, im Jahr darauf benötigte er 60:52 Minuten – dass er erneut nicht unter der angepeilten Laufzeit von einer Stunde bleiben konnte, nagte dennoch am ehemaligen Weltrekordhalter und zweifachen Olympiasieger. „Ich war vielleicht gleich nach dem Start zu schnell, aber so etwas kann passieren. Ich wollte schneller laufen, es wäre auch möglich gewesen – aber irgendwie hat es nicht geklappt.“

Für VCM-Veranstalter Wolfgang Konrad hat das Verfehlen der Bestzeit auch einen äußerst angenehmen Nebeneffekt. Der Äthiopier ist trotz seines Alters weiterhin ein „Ehrgeizling“ – er will diese Zeit unbedingt unterbieten, und daher ist Gebrselassies Start 2014 nicht ausgeschlossen. Es wäre zudem eine Premiere – in keiner anderen Stadt der Welt ist er viermal in Serie gelaufen. Der Laufstar versprach, darüber nachzudenken.

Das Ticken der „Time Bomb“

Wenn Gebrselassie tatsächlich kommt, müsse man ihm aber einen großen Wunsch erfüllen. Er bat um „mehr Zeit“ – nicht auf der Rennstrecke, sondern abseits. Er will mit seiner Familie unbedingt Sightseeing betreiben. Wien habe doch so viele, wunderschöne alte Häuser und dieses „super Castle“, das er trotz des dritten Wien-Besuchs weiterhin nur von Postkarten kenne...

Zwei weitere Starts hat Haile Gebrselassie für diese Saison bereits geplant. Auch in Bern und Manchester will er seiner Rolle als Laufbotschafter nachkommen. Wer weiß, vielleicht wagt er im September in Berlin sogar die Rückkehr auf die volle Distanz. Den Job als „Ambassador“ empfinde er für sich als maßgeschneidert, denn er wolle den Menschen die Wichtigkeit von Bewegung vermitteln. Von Diplomatie hält er jedoch wenig. Tief in jedem Menschen schlummere die „Time Bomb“, sagt Gebrselassie. Und je mehr man auf seinen Körper achte, ihn pflege, umso länger sei der Countdown. Je länger der Countdown, umso mehr Feste...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2013)

Mehr erfahren

Gebrselassie gewinnt Halbmarathon Wien
Mehr Sport

Henry Sugut gewinnt Vienna City Marathon

Der Kenianer Henry Sugut kommt nach 2:08:19 Stunden als erster ins Ziel. Der Botschafter des Laufsports, Haile Gebrselassie, gewinnt nach 61:14 Minuten das Halbmarathon-Champions-Race.
Mehr Sport

Und ewig lockt der Streckenrekord

Die Siegerzeit beim Vienna City Marathon obliegt nicht nur der Form der Topathleten, sondern auch dem Geschick des Rennleiters. Der Deutsche Mark Milde weiß um diese Anforderungen bestens Bescheid, er zieht auch seit Jahren in Berlin die Fäden und ist für drei Weltrekorde mitverantwortlich.
Marathonmann
Mehr Sport

Tomas Visek: "Ich bin der Marathonmann"

Zehn Läufer haben es geschafft, bei allen Wien-Marathons seit 1984 das Ziel zu erreichen. Tomas Visek, 79, ist einer von ihnen. Er flüchtete aus der ČSSR, lehnte Spionage ab und avancierte vom Hilfsarbeiter zum Geschäftsführer.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.