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Die „uramerikanische“ Stadt Boston

Stadt Boston
Stadt Boston(c) EPA (MATT CAMPBELL)
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Am Tag des Anschlags feierte man den „Patriots' Day“, der an den Beginn des Unabhängigkeitskrieges im Jahr 1775 erinnert.

Wien/Boston.  „Solch ein sinnloser und tragischer Tag“, schrieb US-Schauspieler Ben Affleck auf Facebook. „Meine Familie und ich senden unsere Liebe unserem geliebten und unverwüstlichen Boston.“ Affleck ist in der Ostküstenmetropole aufgewachsen, ebenso sein Kollege Mark Wahlberg. Auch der war in „Gedanken und Gebeten“ bei seiner Heimatstadt.

Dass der Anschlag ausgerechnet am Patriots' Day stattfand, der gleichzeitig auch der „Marathon Monday“ in der 600.000-Einwohner-Stadt Boston ist, gibt dem Anschlag noch eine zusätzliche tragische Note. In den Bundesstaaten Massachusetts und Maine wird der dritte Montag im April als Feiertag begangen. Man erinnert sich dabei an den Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, genauer, an die Schlachten von Lexington und Concord im April 1775.

Aus historischer Sicht ist Boston wohl die wichtigste Stadt der Vereinigten Staaten – hier wurde ein Jahr später, 1776, die Unabhängigkeit der USA ausgerufen. Angefangen hatten die Unabhängigkeitsbestrebungen schon ein paar Jahre früher – ebenfalls in Boston. Die Stadtbürger protestierten gegen eine von Großbritannien beschlossene Anhebung der Steuern – unter anderem auf Tee. „Keine Besteuerung ohne Repräsentation“, lautete die Forderung der Kolonisten, die nicht im Londoner Parlament vertreten waren.

 

Teekisten versenken im Hafenbecken

Sie schreckten auch vor unkonventionellem Aktionismus nicht zurück: Am 16. Dezember 1773 schlüpften sie in Kleider der amerikanischen Ureinwohner und versenkten die Fracht dreier Schiffe im Hafenbecken – 342 Holzkisten voller Tee, die der East India Trading Company in London gehörten. Die Bostoner „Tea Party“-Bewegung ging in die Geschichte ein, und erlebte in den vergangenen Jahren eine Wiederbelebung als republikanischer Kampfbegriff für Finanz- und Wertedisziplin. Übrigens: Die Briten überlegten, die Stadt in Schutt und Asche zu legen, ließen aber von ihrem Plan ab und schlossen nur den Hafen.

Heute können Besucher im „Tea Party“-Mitmachmuseum selbst Teekisten im Wasser versenken. Boston selbst ist wohlhabend und multikulturell geprägt – so gibt es, wie in US-Großstädten üblich, verschiedene ethnische Viertel. Neben „China Town“ auch italienisch und irisch geprägte Straßenzüge – denn viele europäische Einwanderer stammten aus diesen Ländern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2013)