Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Belgien: Polizeiaktionen gegen Islamisten

Belgien. Polizeiaktionen gegen Islamisten
Belgien. Polizeiaktionen gegen Islamisten(c) EPA (JULIEN WARNAND)
  • Drucken

In mehreren Städten wurden bei Razzien Islamisten der Gruppe „Scharia4Belgien“ verhaftet, die einen Gottesstaat erzwingen wollen.

Antwerpen/Den haag. Die belgische Polizei hat am gestrigen Dienstag eine groß angelegte Verhaftungsaktion gegen Islamisten der Organisation „Scharia4Belgien“ (das Wortspiel bedeutet „Scharia für Belgien“) durchgeführt: In Antwerpen, Brüssel und anderen Städten wurden 46 Wohnungen gestürmt und zahlreiche Mitglieder der verbotenen islamistischen Terrororganisation verhaftet; die Gruppe will den demokratischen Rechtsstaat abschaffen und das islamische Recht einführen.

Unter den Verhafteten befindet sich Fuad Belkacem, der einstige Chef der Scharia4Belgien, der sich auch Abu Imran nennt. In der Brüsseler Vorstadt Vilvoorde wurde wiederum Hakim Eloussaki festgenommen, dessen Bruder Hussain in Syrien an der Seite islamistischer Rebellen gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad kämpft. Ein anderer islamistischer Syrien-Kämpfer, der verwundet zurückkehrte, wurde in einem Brüsseler Krankenhaus verhaftet.

Die belgische Staatsanwaltschaft wirft der Bande auch vor, dass sie aktiv unter muslimischen Jugendlichen um Rekruten für den Jihad werbe. Wie viele Personen verhaftet wurden, wurde vorerst nicht bekannt gegeben.

Auch in den Niederlanden wurde die landesweite Razzia gegen die Scharia4Belgien aufmerksam verfolgt, denn die Gruppe hat in den Niederlanden einen Ableger namens „Scharia4Holland“ gegründet. Sie ist noch nicht verboten, aber schon sehr aktiv und wird vom Geheimdienst überwacht.

 

Werben um „heilige Krieger“

„Sie werben vor allem in den Moscheen heilige Krieger für den Kampf in Syrien“, sagt der Antiterrorexperte Halim el Madkouri vom niederländischen „Institut für multikulturelle Fragen“. „Außerdem bauen sie Netzwerke im Untergrund auf, die zum Jihad aufrufen.“ Sie würden Videos verbreiten, in denen der mittlerweile von US-Truppen getötete frühere al-Qaida-Anführer Osama bin Laden als Held vergöttert werde. Zudem, so el Madkouri, wisse man, dass Scharia4Belgien und Scharia4Holland Kontakte zur „Ansar al Scharia“ hätten – diese Gruppe soll hinter der Ermordung von US-Botschafter Christopher Stevens im Herbst 2012 in Libyen stecken.

Die erwähnten Organisationen in Belgien und Holland haben laut Informationen der Geheimdienste weitere Splittergruppen gegründet, die sich der Propaganda im Internet und dem Anwerben Jugendlicher widmen.

 

Auf Feldzug in Syrien

Momentan kämpfen schätzungsweise mehr als 100 radikale junge Muslime aus Belgien und den Niederlanden in Syrien an der Seite radikaler Muslimrebellen gegen die Regierungsarmee. Sie wollen dort einen Gottesstaat errichten. Die islamistische al-Nusra-Front gab jüngst in Syrien sogar bekannt, dass man sich zur Terrororganisation al-Qaida bekenne.

Hintergrund

In Belgien und den Niederlanden haben sich islamistische Gruppen etabliert, etwa „Scharia4Belgien“ und die „Scharia4Holland“, die für die Abschaffung der Demokratie und die Gründung islamischer Theokratien kämpfen. Zudem rekrutieren sie Kämpfer für den Bürgerkrieg in Syrien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2013)